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Klagen über die in die Jahre gekommenen Freischwinger am Ratstisch der Bäderstadt

Im mondänen Baden-Baden lässt der Sitzkomfort für manchen Bürgervertreter zu wünschen übrig

Bürgervertreter am Ratstisch in Baden-Baden klagen über mangelnden Sitzkomfort. CDU-Fraktionschef Ansgar Gernsbach fand dazu deutliche Worte: „Die Stühle sind eine Katastrophe!“

In der Kritik: das Sitzmobiliar im Ratsaal der Stadt Baden-Baden. CDU-Fraktionschef Gernsbeck findet seinen Stuhl am Ratstisch „eine Katastrophe“. Foto: Bernd Kamleitner

In seinen Stuhl am Ratstisch wird sich CDU-Fraktionschef Ansgar Gernsbeck wohl nicht mehr verlieben. Der Freischwinger mit verchromten Metallgestell und Lederbezug in beiger Farbe sieht auf den ersten Blick zwar durchaus adrett aus. Doch für längere Sitzungen und damit verbundene anhaltende Debatten scheint das in die Jahre gekommene Mobiliar aus seiner Sicht nicht mehr tauglich.

Der CDU-Mann fand dafür am Ende der Sitzung des Hauptausschusses jedenfalls ungewöhnlich deutliche Worte: „Die Stühle sind eine Katastrophe!“ Sein neidischer Blick galt den Sitzgelegenheiten am Tisch der Verwaltung. Die seien wohl neu, formulierte er in Richtung von Oberbürgermeisterin Margret Mergen.

Die Rathauschefin wollte den Eindruck einer Bevorzugung der Rathausspitze beim Sitzen während der Sitzungen des Gemeinderats oder seiner Ausschüsse in der als mondän bekannten Stadt aber gar nicht erst aufkommen lassen. Schon vor Jahren habe sie angeregt, neue Sitzmöbel für die Bürgervertreter anzuschaffen. Im vergangenen Jahr sei ein erneuter Vorstoß erfolgt. Aber: Auch der sei wiederum abgelehnt worden. Stadtkämmerer Thomas Eibl, ebenfalls auf einem neuen Stuhl sitzend, pflichtete nickend seiner Chefin bei. Die Kommunalpolitiker, so hat es den Anschein, wollten wohl Steuergelder sparen.

Ich beantrage ein Stehpult oder was anderes.
Ansgar Gernsbeck, CDU-Fraktionschef

Vielleicht an der falschen Stelle. Für Gernsbeck ist der Sitzkomfort am Ratstisch jetzt offenbar nicht mehr tragbar. „Ich beantrage ein Stehpult oder was anderes“, forderte der CDU-Mann und verwies auf gesundheitliche Gründe, sprich: zwei bereits erlittene Bandscheibenvorfälle. Wenn Bandscheibengewebe zwischen den Wirbelkörpern hervortritt, ist das eine schmerzhafte Angelegenheit.

Betroffene, die aus diesem Grund vielleicht auch schon zur Behandlung in der Bäderstadt weilten, wissen, dass in diesem Fall ein ergonomischer oder orthopädischer Stuhl am Arbeitsplatz hilfreich ist. Der entlastet den Rücken und die Bandscheiben.

Bei Oberbürgermeisterin Mergen waren es, so ließ sie wissen, keine gesundheitlichen, sondern ganz praktische Gründe, die zum Austausch ihres Sitzgelegenheit am Ratstisch führte. „Ich saß zu niedrig“, erläuterte die Rathauschefin. Ihr Vorgänger (gemeint war Wolfgang Gerstner,) sei größer als sie gewesen. Zunächst habe sie versucht, mit einem normalen Bürostuhl aus dem Rathaus für einen Ausgleich und damit für Abhilfe zu sorgen. Doch das habe nichts gebracht. Also mussten neue Stühle her.

OB Mergen lässt Parteikollegen probesitzen

Mergen hatte offenbar auch Mitleid mit ihrem Parteikollegen Gernsbeck. Ihren Sitzkomfort wollte sie dem Bürgervertreter nicht vorenthalten: „Wollen Sie mal probesitzen“, fragte die Oberbürgermeisterin. Ob es nach der Sitzung noch dazu gekommen ist, hat der BNN-Redakteur am Montagabend nicht mehr mitbekommen.

Obwohl die Bäderstadt nach erheblichen Mindereinnahmen und satten Mehrausgaben wegen der Corona-Pandemie finanziell stark gebeutelt ist, soll die Anschaffung neuer Stühle für die Bürgervertreter aber keineswegs auf die lange Bank geschoben werden, war davor aber noch zu vernehmen. „Ich habe dafür volles Verständnis“, sagte Mergen in Richtung Gernsbeck: „Die Stühle sind – milde ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig.“

Ihr Vorschlag: Die Kommunalpolitiker können ihre Einschätzung der Sitzgelegenheit am Ratstisch gegenüber der Geschäftsstelle des Gremiums mitteilen. Stühle könnten dann etwa rollierend nach und nach ausgetauscht werden.

Ob das alle Bürgervertreter für notwendig erachten, steht auf einem anderen Blatt. Neue und bequemere Sitzgelegenheiten böten schließlich nicht nur Vorteile, flachste Gemeinderat Markus Fricke: „Dann gehen die Sitzungen noch länger“, warf der Vertreter der Freien Bürger für Baden-Baden (FBB) lachend in die Debatte ein. Die Oberbürgermeisterin könnte sich auch eine Alternative zu neuen Stühlen vorstellen: „Ich hatte auch schon Sitzbälle vorgeschlagen.“

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