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Einblick in private Sammlung

Im Weinkeller der Baden-Badener Sommelière Natalie Lumpp warten tiefe Emotionen

Es gibt in Baden-Baden viele Orte, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Einer davon ist der private Weinkeller von Natalie Lumpp. Die deutschlandweit bekannte Sommelière hat den BNN einen Einblick ermöglicht.

Natalie Lumpp bewahrt in ihrem privaten Keller große Schätze auf. Edle Tropfen sind auch nach Feierabend ihre Leidenschaft. Foto: Christiane Krause-Dimmock

La Cave de Natalie. Dieses große handgefertigte Schild prangt über dem speziell angefertigten Weinregal der Sommelière Natalie Lumpp. Darunter ruhen ihre privaten Schätze, schwärmt sie augenzwinkernd.

Sommelière Lumpp sucht Wohnungen nach Weinkeller aus

Wein, das ist natürlich das ganz große Thema in ihrem Leben. Verkosten, bewerten, aufzeichnen – das ist der berufliche Aspekt, der sie mit den feinen Tropfen verbindet. Aber die beliebte Fachfrau hat auch eine ganz private Wein-Leidenschaft.

Die wiederum lässt sich in ihrem Keller ablesen, der nur ganz privaten Flaschen vorbehalten ist. Ein wichtiger Raum. „Der ist so wichtig, dass ich danach tatsächlich meine Wohnungen aussuche.“ Im Erdreich muss er gelegen sein. Temperatur und Feuchtigkeit müssen stimmen. Heizungsluft geht gar nicht, erklärt sie. „Kühl muss er sein.“

Doch wer jetzt womöglich ein wild verträumtes Refugium im Untergrund erwartet hat, alte Eichenfässer und einen kleinen windschiefen Tisch mit Tropfkerze, die von jahrelanger Nutzung geformt wurde, der wird enttäuscht.

Ausgewählte Weine verschenkt Lumpp an Freunde

Hier wird vielmehr mit nüchterner Sachlichkeit gepunktet. Trotzdem sind ganz tiefe Emotionen zu spüren, ganz besonders wenn die Besitzerin über ihre „Schätzchen“ spricht, die sie hier aufbewahrt und manches von ihnen durchaus auch mal mit nach oben nimmt, um sie bei passender Gelegenheit zu kredenzen oder auch Freunden mitbringt. „Es wäre ja wohl ein Schmarrn, wenn ich Glasvasen verschenken würde“, muss bei dem Gedanken lachen.

Da streiche ich dann schon mal liebevoll übers Etikett.
Natalie Lumpp, Sommelière

Die Auswahl erfolgt ganz dem Zweck angemessen. Aber manchmal, so verrät sie, nehme sie durchaus auch mal eine Flasche in die Hand, die noch nicht an der Reihe sei. „Da streiche ich dann schon mal liebevoll übers Etikett und lasse sie wissen, dass sie noch warten muss.“

Dem Wein mag das egal sein, aber der Sommelière macht es Freude mit ihren Lieblingstropfen zuweilen einen durchaus menschlichen Umgang zu pflegen. Einige von ihnen begleiten sie ja bereits seit vielen Jahren und haben auch diverse Umzüge mit ihr hinter sich gebracht. „Ich gehe respektvoll mit ihnen um.“

Schon in jungen Jahren kaufte Natalie Lumpp lieber Wein als Schuhe

Zu fast jeder Flasche, die sie ihr eigen nennt, vermag sie eine kleine Geschichte zu erzählen, weiß genau wann und wo sie sie erworben hat. „Dabei kaufe ich wahnsinnig gerne Wein.“ Das sei schon immer so gewesen. Damit hat sie früher schon die Mutter verblüfft, weil Altersgenossinnen ihre Einkünfte eher in Schuhe und Kleider investierten.

Ein eigenes Regal in ihrer Schatzkammer widmet sie übrigens einer neuen Leidenschaft. Erstmals importiere sie inzwischen selbst Wein aus Spanien. In 750 Metern Höhe gedeihe nahe Almeria ein Biowein, um den sich eine argentinische Kellermeisterin kümmere. „Butchers Darling ist mein Lieblingswein,“ erklärt sie diesen Namen auch gleich. „Er passt hervorragend zu Fleisch.“

Torro habe Spitzenqualität und Pride sei gewissermaßen die „Einstiegsdroge“, erklärt sie mit kaum zu übersehender Begeisterung, aus welchen Geschmacksrichtungen diese Serie besteht.

Ich probiere gerne.
Natalie Lumpp, Sommelière

Verschiedene Weine vorzuhalten, sie vor allem auch zu trinken, das findet sie ohnedies sehr spannend. Wenn etwa an einem Abend diverse Sorten kredenzt werden, findet sie das großartig. „Ich probiere gerne.“ Vor allem aber entscheidet der Moment, was sie gerade gerne im Glas haben mag.

Und wer nun denkt, dass Natalie Lumpp ja gewissermaßen an der Quelle sitzt, weil ihr immer wieder Weine zur Verkostung zugesandt werden, der muss sich belehren lassen. Diese Weinpakete betrachtet sie als Arbeit und trennt sie von ihrem privaten Gebrauch. Was hier übrig bleibt, das gibt sie oftmals an die Kirche ab.

Es gibt also echte Arbeitsweine im Lumpp’schen Haushalt. „Die kommen aber nicht in meinem Weinkeller.“ Job ist schließlich Job. Das gilt auch für die Online-Weinproben, auf die sie sich seit dem Ausbruch von Corona mit beachtlichem Erfolg verlegt hat.

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