Skip to main content

Aller guten Dinge sind nicht drei

Wegen Corona: In Baden-Baden fällt auch der dritte geplante verkaufsoffene Sonntag aus

Zum Bummeln und Shoppen nach Baden-Baden? Die Einkaufsmeile der Bäderstadt ist derzeit nur mäßig frequentiert. Jetzt fällt auch der dritte verkaufsoffene Sonntag in diesem Jahr aus.

Krisenstimmung auch im Einzelhandel: In der Fußgängerzone in Baden-Baden, eigentlich eine beliebte Einkaufsmeile, ist der Andrang derzeit überschaubar. Foto: Klaus Schultes

Aller guten Dinge sind drei, heißt es im Volksmund. Doch bei dem erneuten Anlauf für einen verkaufsoffenen Sonntag in Baden-Baden ist auch der dritte Versuch in diesem Jahr nicht von Erfolg gekrönt. Nachdem wegen der Corona-Pandemie die Termine am 4. April und 27. September abgesagt wurden, bleiben die Läden in der City auch an diesem Sonntag, 8. November, geschlossen.

Das ist ein herber Rückschlag für den Einzelhandel, der derzeit unter der Woche schon mit wenig Andrang in einer ziemlich leeren Stadt leben muss. Für viele Geschäfte wäre ein zusätzlicher Shopping-Tag am Sonntag daher ein willkommener und wichtiger Umsatzbringer.

Verkaufsoffene Sonntage sind für viele Händler Umsatzbringer

Einnahmen an solchen Einkaufstagen sind vor allem in Geschäften, die auf eine hohe Besucherfrequenz ausgelegt sind, nicht zu unterschätzen, betont Matthias Vickermann. Die Erlöse an den drei Sonntagen könnten sich für bestimmte Branchen schon auf fünf Prozent des Jahresumsatzes summieren. „Das ist richtig Umsatz“, verdeutlicht der Vorsitzende der örtlichen Einzelhändlerinitiative Baden-Baden Innenstadt (BBI) die Bedeutung.

Nicht alle Einzelhändler seien von verkaufsoffenen Sonntagen begeistert, doch die Mehrheit dafür. Insbesondere in der angespannten derzeitigen Lage, in der auch kaum noch Touristen in der Touristenstadt an der Oos weilen und der beliebte Christkindelsmarkt abgesagt ist, wäre ein Einkaufssonntag wichtig gewesen. „Entspannung ist nicht gerade angesagt“, beschreibt Vickermann die aktuelle Situation in der Vorweihnachtszeit, in der ansonsten viele Geschäfte brummen.

Schließung der Restaurants wirkt sich negativ auf Handel aus

Jeder Händler müsse schauen, wie er sich über Wasser halte. Er selbst verfolge dabei eine klare Marschroute: „Ich greife nach jedem Strohhalm, den ich kriegen kann.“ So habe er sich etwa schon vor der Pandemie auch auf ein Online-Angebot zur Schuhreparatur eingestellt und kämpfe in seinem Haus, das hochwertige Schuhe nach Maß anfertigt, um jeden Kunden.

Die Tatsache, dass Cafés und Restaurants im November schließen müssen, habe sich umgehend auch negativ auf den Einzelhandel ausgewirkt. „Der Handel lebt ganz stark von der Gastronomie“, erläutert Vickermann den Zusammenhang. Zudem hebe die verordnete Maskenpflicht nicht gerade die Shopping-Laune erhöht.

Weihnachtsbeleuchtung ist bereits installiert

Auch Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) sind „dramatische Umsatzeinbußen“ von örtlichen Einzelhändlern zu Ohren gekommen. Sie bestätigt Vickermanns Aussagen zum Zusammenhang zwischen Restaurants und Cafés mit den Umsätzen im Einzelhandel. Mit der bereits installierten Weihnachtsbeleuchtung werde aber immerhin Festtagsstimmung in der Baden-Badner Einkaufsmeile erzeugt.

Der Appell der Oberbürgermeisterin an die Bürgerinnen und Bürger: Wenn die Zeiten schon bedrückend sind, dann sollten sich die Menschen doch „etwas gönnen, was sie sich sonst nicht gönnen würden.“ Verwöhnen könne man sich etwa mit Schmuck, einem schönen Kleidungsstück oder schicken Schuhen. „Die Seele braucht manchmal Streicheleinheiten“, findet Mergen.

Natürlich sollte die Ware vor Ort gekauft werden – und nicht übers Internet bei einem fernen Händler geordert werden. Apropos bestellen: Mergen, Anhängerin des Slogans „global denken, lokal handeln“, appelliert zudem an die Bevölkerung, den Lieferservice oder die Abholmöglichkeiten von Speisen bei örtlichen Restaurants zu nutzen. Sie geht mit gutem Beispiel voran. „Ich habe fürs Wochenende eine Martinsgans bestellt“, freut sich die Rathauschefin.

Einkaufszentrum Shopping Cité: noch sind alle Läden vermietet

Im Einkaufszentrum Shopping Cité an der B500 sind derzeit alle 34 Verkaufsflächen vermietet. „Darauf sind wir stolz, weil es nicht selbstverständlich ist“, betont Centerleiter Jürgen Ehlen. An verkaufsoffenen Sonntagen würde das Zentrum laut Ehlen gerne mitmachen, doch das ist den Geschäften verwehrt.

Sie dürfen nur an einem Sonntag öffnen, wenn das in Verbindung mit Großveranstaltungen im Stadtteil Cité steht. Zuletzt war das im Jahr 2019 der Fall. Die Geschäfte im „Ufo“, wie der Volksmund das Einkaufszentrum wegen der Form seines Baus gerne nennt, hätten sich in den Sommermonaten vom ersten Lockdown erholt.

Zum Teil sei bei der Frequenz das Niveau der Vorjahresmonate erreicht worden. Die Restriktionen für die Gastronomie sind jedoch auch dort spürbar. „Es ist für alle eine schwierige Situation“, sagt Ehlen, der seit einem Jahr für das Einkaufszentrum verantwortlich ist.

Verunsicherung und Kaufzurückhaltung bei der Kundschaft

Doch es gebe ja keine Alternative: „Wir müssen uns fügen und damit abfinden.“ Bei der Kundschaft herrsche aber große Verunsicherung und Kaufzurückhaltung. Viele treue Kunden aus Frankreich würden sich zudem immer wieder telefonisch erkundigen, ob das Einkaufszentrum überhaupt geöffnet habe. Das hat es natürlich.

nach oben Zurück zum Seitenanfang