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Fahrschulen sehen große Nachteile

In Baden-Baden hat sich das elektrische Fahrschulauto noch nicht durchgesetzt

Trotz Förderung durch Bund und Land hat sich das Elektroauto in den Fahrschulen Baden-Badens noch nicht durchgesetzt. Das mag auch daran liegen, dass die Fahrschullehrer große Nachteile beim Einsatz von Elektroautos sehen.

So schnell geht es nicht: Den Umstieg auf Elektroautos halten viele Fahrlehrer voererst noch nicht für sinnvoll. Das hat nicht nur mit der Reichweite der Stromer zu tun. Foto: Bernd Kamleitner

Von Beatrix Ottmüller

Das Land Baden-Württemberg will vermehrt auf E-Fahrzeuge setzen und animiert seine Bürger dazu, auf diesen Antrieb umzuschwenken. Dazu gibt es allerlei Förderungen, die den Umstieg erleichtern sollen. Auch Fahrschulen sollen profitieren, wenn sie ihren Fuhrpark umstellen.

Doch diese sind zögerlich. Nach wie vor lernen sich die meisten Fahranfänger in Dieselfahrzeugen im Straßenverkehr zurecht zu finden. Im Jahr 2020 hat sich das E-Auto als Fahrschulfahrzeug zumindest in der Kurstadt noch nicht durchgesetzt.

Das hat mehrere Gründe. Manfred Richter von der Fahrschule Dazert, die aktuell nur Dieselfahrzuge im Dienst hat, sieht einen großen Nachteil im Einsatz von Elektrofahrzeugen. „E-Autos und Automatikfahrzeuge sind nur dann sinnvoll, wenn diese sich wirtschaftlich lohnen und für die Fahrschüler einen Mehrwert enthalten“, sagt er. Das sei jedoch mitnichten so. Da E-Autos mit einem Automatikgetriebe ausgestattet seien, limitiere das den Fahranfänger sogar.

Ausbildung für Schaltfahrzeug würde fehlen

„Zurzeit kann noch kein Fahrschüler mit einer E-Auto- beziehungsweise Automatik-Ausbildung ein Schaltfahrzeug fahren“, erläutert er. Zwar sei ein Gesetz in der Planung, das Abhilfe schaffen solle, doch vor dem Jahr 2021 ändere sich nichts. Das schrecke viele davon ab, den Führerschein in einem E-Auto zu machen. Das bestätigt auch Wolfgang Niehaus von der gleichnamigen Fahrschule in Baden-Baden.

Auch er setzt in seinem Fuhrpark keine E-Autos ein, weil das eingebaute Automatikgetriebe den Führerschein auf Automatikschaltung limitiere. Ein weiteres Problem sei die Reichweite der Stromer, erklärt Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Ein Fahrschulwagen lege am Tag bis zu 400 Kilometer zurück, was ein elektrisch betriebenes Auto heute noch nicht leisten könne.

Positiv sei, dass es bei einem E- oder Hybridfahrzeug für einen Fahrschüler nicht viel Neues zu lernen gebe. „Sie sind auch nicht anders in der Handhabung, als Fahrer merkt man eigentlich gar nicht, mit welchem Antrieb man unterwegs ist“, sagt Jochen Klima, daher müsse im Fahrschulbetrieb auch nicht beachtet oder speziell für die neuen Antriebe unterrichtet werden.

Branche in Wartestellung

Auch Jochen Klima sieht die geplante Gesetzesänderung, die so gut wie beschlossen sei, als einen wichtigen Schritt an, da sie die sogenannte Automatikbeschränkung aufhebe. Legt ein Fahrschüler beim Erwerb des Führerscheins künftig mindestens zehn seiner Pflichtstunden in einem Wagen mit Schaltgetriebe ab, fällt die Beschränkung auf das Fahren von Fahrzeugen mit Automatikgetriebe weg.

„So wird es auch möglich, dass Fahrschulen E-Autos, Hybrid- oder Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb im Regelbetrieb einsetzen. Denn alle neuen Antriebsarten sind mit Automatikgetrieben ausgestattet“, erklärt Jochen Klima. Bis zur Änderung befinde sich die Branche jedoch in Wartestellung und investiere vorerst nicht in E-Fahrzeuge.

Was Jochen Klima jedoch nicht versteht, ist, dass die Landesregierung zum 1. September die Förderung für die Anschaffung eines E-Fahrzeugs von 3.000 Euro auf 1.000 Euro reduziert hat. Laut einem Sprecher des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg werden aktuell Betriebs-, Unterhalts- und Ladeinfrastrukturkosten für Elektrofahrzeuge auch für Fahrschulen über den BW-e-Gutschein mit 1.000 Euro bezuschusst. Der BW-e-Gutschein ist mit dem Umweltbonus des Bundes kombinierbar. Über den BW-e-Gutschein wurden seit November 2017 bereits Anträge für über 70 E-Fahrschulfahrzeuge gestellt.

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