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Flüchtlinge in Baden-Baden: Bedarf an Unterkünften bleibt weiterhin groß

Auch Baden-Baden hat Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Wie entwickelt sich die Situation? Eine Prognose der Stadtverwaltung.

Inzwischen gut gefüllt: Die ehemalige Funkstation der französischen Streitkräfte im Heitzenacker bei der B500 dient als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge.
Inzwischen gut gefüllt: Die ehemalige Funkstation der französischen Streitkräfte im Heitzenacker bei der B500 dient als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge. Foto: Harald Holzmann

„Es besteht Handlungsdruck“, hat die Leiterin des städtischen Fachbereichs Bildung und Soziales, Iska Dürr, betont, als die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses über die Lage bei der Unterbringung von Flüchtlingen berichtete. Dringend werden weitere Unterkünfte benötigt. Besonders groß ist der Zustrom von Menschen aus der Ukraine.

Mit einem kurzen Hinweis umriss Matthias Vogt vom gleichen Fachbereich das ganze Ausmaß des Problems: Das Zugangsniveau sei heute höher als im Jahr 2015, als die Zahl der Asylbewerber plötzlich stark anstieg. Zurzeit registriert man monatlich rund 75 eintreffende Flüchtlinge. So stieg in diesem Jahr die Zahl der in Gemeinschaftsquartieren und Wohnungen untergebrachten Flüchtlinge von rund 700 auf inzwischen etwa 1.200.

Der starke Anstieg ist nicht nur auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen. Auch ohne die Flüchtlinge aus diesem Land, so betonte Vogt, verzeichne man immer noch ein Aufnahme-Plus von 15 Prozent.

In Baden-Baden rechnet man 2023 mit 450 weiteren Personen

Bislang ist es der Stadt gelungen, genügend Unterbringungskapazitäten bereitzustellen. Dies geschieht durch Anmietung von Wohnraum und Unterstützung für Flüchtlinge, die selbst Wohnungen von privater Seite anmieten. Letzteres ist in 75 Fällen gelungen. Hinzu kommt, dass Unterkünfte durch Neubauten geschaffen werden, wie etwa in der Aumattstraße.

Die zur Verfügung stehenden kommunalen Kapazitäten mussten noch nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft werden, eine Unterbringung in Sporthallen konnte somit bislang vermieden werden. Zurzeit liegt die Auslastung bei rund 90 Prozent.

Doch dabei wird es nicht bleiben. In den nächsten beiden Jahren rechnet die Verwaltung aufgrund des weiter erwarteten Flüchtlingszustroms mit einem zusätzlichen Mehrbedarf an Wohnraum für mindestens 450 Personen.

Matthias Vogt erwartet, dass man den derzeitigen Zugang mit den bestehenden Kapazitäten bis April 2023 abdecken kann. Danach entstehe aber ein Minus bei den Unterkünften, weil zwei Objekte nach Ablauf von Mietverträgen an die Eigentümer zurückgehen.

Er zeigte sich in der Sitzung des Sozialausschusses aber optimistisch, die Bedarfslücke kompensieren zu können: „Wir bekommen viel angeboten und sind mit vielen Akteuren im Gespräch.“

Eine wichtige Rolle spielt für die Stadt auch die Suche nach Bauflächen, um weitere Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen. Dies ist aber nicht so einfach, bislang hat man noch kein konkretes Bauprojekt in der Planung. Es wurden einige potenzielle Baugrundstücke im Stadtkreis ausfindig gemacht, die aber erst noch weiter untersucht werden müssen.

Ausführlich berichtete die Stadtverwaltung im Sozialausschuss über die Entwicklung bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Baden-Baden weist seit Beginn des Flüchtlingszuzugs aus dem osteuropäischen Land die im Verhältnis zur Einwohnerzahl höchste Aufnahmequote im Land auf. Bislang sind in diesem Jahr mehr als 2.100 Menschen aus der Ukraine in Baden-Baden angekommen.

Knapp drei Viertel der Geflüchteten konnten eine Bleibe auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt finden oder sind bei Familie, Freunden und Bekannten untergekommen. In städtischen Notunterkünften wurden bis Ende Oktober insgesamt 683 Personen zumindest zeitweise aufgenommen. Im Oktober lebten 379 ukrainische Flüchtlinge in kommunalen Quartieren.

Die Erstaufnahme der Geflüchteten in städtische Notunterkünfte geschieht auf dem Areal „Im Heitzenacker“. Das Objekt wurde in der ersten Woche der Fluchtbewegung aktiviert und umfasst bis zu 130 Plätze. Hier erfolgt eine erste sozialpädagogische Betreuung der Geflüchteten, eine Anbindung an das Hilfesystem sowie eine Vermittlung von Wohnraum.

Rund zwei Drittel der Geflüchteten sind Frauen und Mädchen (68 Prozent). Das durchschnittliche Lebensalter beträgt 36 Jahre – zum Vergleich: In Baden-Baden liegt das durchschnittliche Alter bei 47,2 Jahren.

Rund ein Drittel er Geflüchteten haben keine Kinder

Etwas über ein Drittel sind Kinder, wovon ein Viertel unter sechs Jahren alt ist. Knapp jeder zweite Haushalt besteht aus einer allein reisenden Frau mit Kindern (44 Prozent), ein gutes Fünftel (21 Prozent) entfällt auf Familienverbünde mit Mutter und Vater. Rund ein Drittel der Geflüchteten sind Erwachsenenhaushalte ohne Kinder.

Bisher sei es auch durch hohes Engagement gelungen, erklärte Matthias Vogt, die ukrainischen Flüchtlinge unterzubringen und die Lage zu bewältigen. Doch man operiere bei den städtischen Unterkünften in der Nähe der Auslastungsgrenze, der man sich auch immer weiter annähere. Daher sei man ständig um Anmietung von weiterem Wohnraum bemüht.

In Folge der hohen Zugangsdynamik ist eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt in Baden-Baden nicht absehbar, heißt es im Lagebericht der Verwaltung. Die Personengruppe, die nach Wohnungen im Niedrigpreissegment sucht, hat sich aufgrund der Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine stark vergrößert.

In Baden-Baden besteht ein Wohnungsmangel für Haushalte ab drei Personen

Wohnraum in dieser Preiskategorie war bereits vor der Zuwanderung seit Anfang März begrenzt. Erschwerend besteht ein allgemeiner Wohnungsmangel für Haushalte ab drei Personen. Dauerte eine Vermittlung aus der Erstunterkunft in eine Anschlusswohnung Anfang März weniger als zwei Tage, stieg die durchschnittliche Vermittlungsdauer bis August auf 64 Tage.

Zwar sind viele ukrainische Flüchtlinge anfangs privat bei Freunden und Bekannten untergekommen. Doch dort herrschen oft sehr beengte Verhältnisse, die ein dauerhaftes Zusammenleben nicht zulassen. Daher betrachtet die Stadt einen weiteren Ausbau der kommunalen Unterkunftskapazitäten als unbedingt nötig.

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