Skip to main content

Lernbrücken sind Zusatzangebote

In Baden-Badener Schulen können Schüler während der Ferien Unterrichtsstoff nachholen

Aufgrund der Schulschließungen während der Corona-Pandemie haben viele Schüler Defizite. In Baden-Baden können sie daher während der Ferien Unterrichtsstoff nachholen und sich auf das nächste Schuljahr vorbereiten.

Stärkung von Basiskompentenzen: Vor allem die beiden Kernfächer Deutsch und Mathematik stehen im Fokus des Unterrichts der zusätzlichen Lernangebote. Foto: Michael Rudolphi

Für einige Schüler hat bereits am Montag der Unterricht begonnen - und zwar freiwillig. Zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres büffeln sie, um für den Start nach den Sommerferien möglichst fit zu sein. Vor allem Kinder und Jugendliche, die als Folge des Wochen langen Homeschoolings auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie Nachholbedarf haben, nutzen das Angebot der sogenannten Lernbrücken, um sich auf bei den Unterrichtsstoffen auf den neuesten Stand zu bringen. Das Land bietet dieses Lern- und Förderprogramm an allen Schularten an.

Schüler auf mehrere Räume verteilt

An der Theodor-Heuss-Schule in der Weststadt sind die Schülerinnen und Schüler, die sich für die Lernbrücken angemeldet haben, auf mehrere Klassenzimmer verteilt, um genügend Abstand zwischen den Tischen zu ermöglichen. Nach Auskunft von Rektor Werner Schlindwein nehmen 32 Schüler von Klasse fünf bis acht der Werkrealschule an dem Programm teil.

Sie haben jeden Tag drei Mal 60 Minuten Unterricht. Für die Grundschüler der Klassen eins bis vier starten die Lernbrücken erst in der letzten Ferienwoche. Schlindwein zufolge hängt das unter anderem damit zusammen, dass Lehrkräfte fehlen, weil sie zu den Corona-Risikogruppen zählen. 37 Kinder haben sich angemeldet. Sie erhalten vier Mal 45 Minuten Unterricht, dazwischen gibt es eine große Pause.

Bei den Grundschülern gibt es eine Besonderheit: Die Theodor-Heuss-Grundschule kooperiert mit der Grundschule Lichtental, das heißt von dort kommen acht Kinder in die Weststadt, um Unterrichtsstoff nachzuholen. Schlindwein begründet das damit, dass andere Schulen sich oft schwertun, Personal für diese Angebote zu finden oder nicht über die benötigten Raum-Kapazitäten verfügen. Zum Vergleich: Die Theodor-Heuss-Schule hat etwa 370, Lichtental rund 230 Schüler.

Basiskompetenzen in Mathematik und Deutsch im Fokus

Die Klassenlehrer haben in Abstimmung mit den Fachlehrern denjenigen Schülern die Lernbrücken empfohlen, die nach ihrer Einschätzung eine zusätzliche qualifizierte Förderung benötigen. Kriterien waren, dass diese Schüler Leistungsdefizite aufwiesen sowohl im normalen Unterricht als auch im Homeschooling.

Ein weiterer Faktor war, dass viele Schüler während der Phase der Corona bedingten Schulschließung schlecht oder nicht erreichbar waren. Grundsätzlich geht es in den Lernbrücken darum, Basis-Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Um die Hygiene-Regeln einzuhalten, betreten und verlassen die Lerngruppen das Schulgebäude durch getrennte Ein- und Ausgänge. Zudem gilt außerhalb des Klassenzimmers Maskenpflicht.

Lehrer enthalten 40 Euro Aufwandsentschädigung je Stunde

Nicht nur die Schüler, auch die Lehrkräfte bringen sich freiwillig in dieses Angebot ein. Sie erhalten entweder eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro pro Zeitstunde oder sogenannte Entlastungsstunden auf einem Zeitkonto. „Wir haben genügend Personal gefunden”, lobt Schlindwein den Einsatz seines Teams. „Wir stellen sogar eine Kollegin nach Bühlertal ab.”

Jeweils vier Lehrkräfte an der Grund- und Werkrealschule unterrichten in den Lernbrücken. Normalerweise gilt für das Lehrpersonal erst in der letzten Ferienwoche Präsenzpflicht an der Schule, um den Unterricht im regulären Schuljahr vorzubereiten. „Für uns ist das eine Win-win-Situation. Die jetzige Regelung zahlt sich für alle aus”, bekräftigt der Rektor.

Schlindwein geht derzeit davon aus, dass die Schulen nach den Ferien mit normalem Unterricht starten werden. „Wir planen so, das wir regulär starten können”, sagt der Schulleiter. Allerdings bereite ihm der Ausfall von mindesten zwei Lehrkräften, die zu den Risikogruppen zählen, etwas Kopfzerbrechen. Aber diese betroffenen Lehrer arbeiteten von zu Hause aus nach Kräften mit, indem sie beispielsweise den kompletten Unterricht planten.

Sommerschule bietet einen zusätzlichen Inhalt

Zusätzlich zu den Lernbrücken, die das Land 2020 zum ersten Mal eingeführt hat, gibt es die seit vielen Jahren etablierten und ebenfalls freiwilligen Sommerschulen. Am Standort Baden-Baden koordiniert die Theodor-Heuss-Schule das Programm: Vom 7. bis 11. September bringt die Kinder-Musik-Welt Toccarion im Festspielhaus den jungen Teilnehmern kunstspezifische Angebote näher.

Die Kinder erhalten dabei die Chance, zusätzliche Kompetenzen zu erwerben, die die schulischen Inhalte ergänzen sollen. Neben Kultur-Institutionen beteiligen sich auch Partner aus der Wirtschaft oder dem sozialen Sektor. „Die Lernbrücken fokussieren sich explizit auf die Kernfächer. Die Sommerschule hingegen haben ein pädagogisch weiter gefasstes Interesse”, erklärt Schlindwein den Unterschied.

nach oben Zurück zum Seitenanfang