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Nach Zwangspause wegen Corona

In der Spielbank Baden-Baden rollt die Roulettekugel wieder

Über acht Monate hieß es im weltberühmten Casino in Baden-Baden „rien ne va plus“. Seit Dienstag läuft an den Roulette- und Black-Jack-Tischen der Spielbetrieb wieder.

Exklusive Führung: Claudia und Georg Matysczok aus Versmold lassen sich von einer Casino-Mitarbeiterin in das Roulettespiel in der Spielbank Baden-Baden einführen. Foto: Bernd Kamleitner

Von wegen „rien ne va plus“: Über acht Monate hieß es im Casino Baden-Baden „nichts geht mehr“, doch seit dem späten Dienstagnachmittag rollen in der weltberühmten Spielbank wieder die Roulettekugeln, und es darf auch am Black-Jack-Tisch wieder gezockt werden.

Wer einfach nur tagsüber mal eintauchen möchte in das Ambiente in den historischen Räumen im Kurhaus, hat dazu ebenfalls Gelegenheit: Es gibt wieder Führungen. Die erste nach der Zwangspause wegen der Corona-Pandemie war exklusiv für ein Ehepaar aus dem nordrhein-westfälischen Versmold.

Claudia und Georg Matysczok aus Stadt in der Nähe von Bielefeld sind auf Baden-Württemberg-Tour. Auf einen dreitägigen Aufenthalt in Freiburg folgte der Abstecher an die Oos. Während der ebenfalls dreitägigen Stippvisite in Baden-Baden stand ein Besuch im Casino ganz oben auf der Liste des Paares.

Und das nicht ohne Grund: Claudia Matysczok war vor vier Jahrzehnten schon einmal als Gast in der Spielbank. Noch heute schwärmt sie davon: „Ich fand das Casino schon vor 40 Jahren faszinierend!“

Die prunkvollen Räume begeistern Besucher

Und heute? Vier Jahrzehnte später ist nicht nur sie, sondern auch ihr Mann von dem Erlebnis in den luxuriös gestalteten Räumen tief beeindruckt: „Das Casino ist schon einmalig“, resümiert das Paar nach der Führung mit fachkundigen Erläuterungen einer Mitarbeiterin des Hauses.

Beliebtes Karten-Glücksspiel: Die Spielbank im Kurhaus Baden-Baden lockt wieder mit Black Jack. Auch an den Roulette-Tischen rollt wieder die Kugel. Foto: Bernd Kamleitner

Eine Einschränkung gilt aber auch heute noch: Mit ihrem Geld würde die Frau nicht spielen. Für Claudia Matysczok war das Casino-Erlebnis im Juni 2021 allerdings trotzdem noch berührender als bei ihrem ersten Besuch vor vier Jahrzehnten: „Ich fand es intensiver.“

Exklusive Führung für Ehepaar

Vermutlich lag es daran, dass das Paar in den Genuss der ersten Führung nach der langen Schließzeit gekommen war. Wegen der Hygienevorgaben wegen der Pandemie können derzeit jeweils nur bis zu zehn Personen an den zwischen 11 und 14 Uhr angebotenen vier Rundgängen teilnehmen. Da es für den Elf-Uhr-Rundgang nur die Anmeldungen des Paares aus Versmold gab, waren sie auch die einzigen Teilnehmer. Exklusiver geht es nicht.

Beeindruckende Umgebung: Der historische Florentinersaal im Casino im Kurhaus Baden-Baden. Hier rollt die Roulettekugel unter Kronleuchtern. Foto: Bernd Kamleitner

Als Claudia und Georg Matysczok das Casino wieder verließen, warteten vier weitere Interessenten auf die nächste Tour. Spielbankchef Thomas Schindler hat daher keine Zweifel, dass das Angebot der in der Vergangenheit sehr beliebten Rundgänge auch künftig wieder rege genutzt werden wird. „Führungen gehen sehr gut“, blickt er auf die Zeiten vor dem Lockdown zurück.

Auch Sonderführungen während des Spielbetriebs

Sonderführungen während des Spielbetrieb ab 17 Uhr sind auch wieder möglich. „Das kann man buchen“, betont Schindler. Die Erläuterungen seien in fast jeder gängigen Sprache möglich. Dabei können Teilnehmer viel Interessantes etwa über die Historie und Architektur des Weinbrenner-Baus erfahren. Der Mindesteinsatz beim Spiel liegt übrigens bei zwei Euro.

Alles startklar: Spielbankchef Thomas Schindler prüft vor dem Neustart nach der Corona-Zwangspause einen Roulettetisch im historischen Florentinersaal des Casinos im Kurhaus Baden-Baden. Foto: Bernd Kamleitner

Spielbank beobachtet die Online-Glücksspiel-Konkurrenz

Trotz wachsender Online-Konkurrenz beim Glücksspiel setzt das Casino Baden-Baden unterdessen weiterhin auf seine Stärken. „Das, was wir bieten, kann das Online-Spiel nicht leisten“, argumentiert Spielbankchef Schindler. Als Premium-Anbieter besetze das Casino ein Nische und könne auf eine über 160-jährige Tradition und gewachsene Strukturen mit einem Entertainment-Paket für den Besucher bauen. Dem könne das Online-Glücksspiel nicht besonders zusetzen.

Dennoch sei die Online-Konkurrenz ein wichtiger Teil des Glücksspielmarktes. „Wir beobachten das“, sagt Schindler. Im Moment sei jedoch nicht geplant, das Online-Geschäft zu einem weiteren Standbein des Casinos zu machen. Er erwarte aber, dass die Online-Konkurrenz weiter zunehmen werde. Der Markt boome schon seit Jahren. „Damit müssen wir leben“, meint Schindler.

Automatenspiel öffnet früher

Ob und in welcher Größenordnung während der Zwangsschließung der Spielbank an der Oos Spieler ins Netz abwanderten, kann er nicht sagen. Dafür gebe es keine Erfahrungswerte. Zuletzt sei allerdings das Restaurant im Casino auch schon ohne Spielbetrieb gut besucht gewesen.

Bereits seit einer Woche läuft im Untergeschoss der Spielbank Baden-Baden zudem schon wieder das Geschäft mit den Spielautomaten. Die Resonanz sei „sehr ordentlich gewesen“, berichtet Schindler. Der Spielbetrieb starte schon eine Stunde früher: um elf statt um 12 Uhr.

Im Jahr 2019 hatte die Spielbank Baden-Baden insgesamt 230.000 Besucher registriert. Die Tendenz war steigend. Eine Prognose, wann die Besucherzahl wieder in diese Größenordnung kommen könnte, will Schindler derzeit nicht wagen. „Es wird eine Zeit dauern, bis wir da wieder ran kommen.“

Bäderstadt will als Destination punkten

Noch ist auch im Casino spürbar, dass internationale Gäste an der Oos derzeit wegen der Pandemie-Folgen rar sind. Die Bedeutung der Spielbank für den Tourismus in der Bäderstadt bewertet Schindler jedoch nach wie vor als hoch. In Baden-Baden sei es zudem das Zusammenspiel aus Hotellerie, Gastronomie sowie den Kultureinrichtungen und dem Einkaufsangebot, das die Anziehungskraft der Destination an der Oos ausmache.

Casino-Stammgäste hätten sich zum Beispiel schon vor dem Start des Spielbetriebs am späten Dienstagnachmittag in Hotels vor Ort einquartiert und sich auch nach Restaurant-Tipps und Shopping-Möglichkeiten erkundigt. „Wir sitzen in Baden-Baden alle in einem Boot“, resümiert Schindler.

Spielbankchef wünscht sich Inzidenz Richtung null

Wenn er einen Wunsch hinsichtlich des Casinos äußern dürfte, dann würde der eindeutig ausfallen: „Eine Inzidenz, die Richtung null geht“, sagt Schindler. Damit die Gäste die Spielbank wieder völlig unbeschwert besuchen und alle Bereiche nutzen können.

Derzeit müssen sie auf das Poker-Spiel mit mehren Spielern, die relativ eng am Tisch sitzen, und auf den angesagten Club Bernstein verzichten. „Ich hoffe, dass wir Silvester aber wieder im Club feiern können“, meint der Spielbankchef. Vorübergehend kann er sich eine Nutzung des Clubs als Lounge-Bereich vorstellen.

Neustart parallel zum Fußballspiel

Der Wiedereröffnung am Dienstagabend blickte Schindler entspannt entgegen: Alle Spieltische seien mehrfach kontrolliert und die Systeme mehrfach hochgefahren und getestet worden.

Die Tatsache, dass am ersten Abend im Fernsehen König Fußball mit dem Spiel Deutschland gegen Frankreich lockte, wollte Schindler nicht als Nachteil werten. „Das ist der richtige Tag, um wieder einzusteigen.“ WM- oder EM-Spiele hätten sich auch schon in der Vergangenheit mit einer geringeren Besucherzahl an diesen Tagen bemerkbar gemacht.

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