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Wann endet der Corona-Lockdown?

Integratives Café-Restaurant M10 in Baden-Baden im Corona-Lockdown: „Den meisten fällt die Decke auf den Kopf“

Seit sechs Jahren gibt es am Marktplatz in Baden-Baden das Café-Restaurant M10. Der Betrieb beschäftigt Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die haben es in der Corona-Pandemie oft besonders schwer. Deshalb wollen die Betreiber so schnell wie möglich wieder öffnen.

Das integrative Café-und-Restaurant M 10 ist seit dem 2. November geschlossen. Jetzt hoffen die Mitarbeiter auf eine Wiedereröffnung im Frühjahr. Foto: Beatrix Ottmüller

Seit 2. November ist das integrative Café-und-Restaurant M10 geschlossen. Der Betrieb liegt am Marktplatz gegenüber der Stiftskirche in Baden-Baden. Deshalb gibt es auch keinen Click-&-Collect-Service während des zweiten Lockdowns, erklärt Alexandra Fluck, Mitglied der Geschäftsführung des Betreibers Integra Mittelbaden. „Denn zu uns hoch kommt niemand, um Essen abzuholen. Das rentiert sich einfach nicht“, da ist sie sich sicher.

„Vor allem die Perspektivlosigkeit bedeutet eine psychische Belastung.“
Alexandra Fluck, Mitglied der Geschäftsführung der Integra Mittelbaden, Betreiber des M 10

Die zwölf Mitarbeiter sind seit Anfang November komplett in Kurzarbeit und zu Hause, weil der Betrieb seit fast vier Monaten ruht. Wirtschaftlich gebe es keine Alternative zur Kurzarbeit, doch für die Beschäftigten sei es eine harte Zeit. „Den meisten fällt die Decke auf den Kopf. Vor allem die Perspektivlosigkeit bedeutet eine psychische Belastung. Dazu kommt, dass sie finanziell an ihre Grenzen kommen, denn wir können das Kurzarbeitergeld nicht aufstocken“, so die Geschäftsführerin.

Das bedeutet für die meisten, dass sie mit 60 bis 67 Prozent vom normalen Einkommen über die Runden kommen müssen. Manche der Voll- und Teilzeitkräfte und Minijobber sind bereits seit dem ersten Lockdown zu Hause, da während der Öffnung von Mai bis Oktober wegen der Abstandsregeln weniger Gäste empfangen werden konnten und so weniger Mitarbeiter gebraucht wurden.

Wann diese Situation endet, kann noch keiner sagen. „Wir hoffen natürlich, dass wir im Frühjahr wieder öffnen können“, sagt Alexandra Fluck. Denn dass der Betrieb auch nach dem Lockdown weitermacht, steht bereits fest. „Wir beantragen alle Fördergelder, die für uns in Frage kommen, damit es weitergehen kann“, sagt sie, denn die Arbeitsplätze sollen auf keinen Fall verloren gehen.

Dass sich Alexandra Fluck für das M 10 so einsetzt, hat einen Grund. Das Restaurant ist ein integrativer Betrieb, in dem Menschen mit und ohne Einschränkungen gemeinsam arbeiten. Über 40 Prozent der Mitarbeiter sind Menschen mit Unterstützungsbedarf, das bedeutet Menschen mit psychischen Problemen oder kognitiven Einschränkungen.

Ähnliche Projekt in Achern gab den Anstoß für das M10

Die Idee, ein integratives Restaurant zu eröffnen, entstand durch ein ähnliches Projekt in Achern. Dort betreibt die Integra seit Juli 2014 das Arkadenbistro in der Illenau.

„Wir haben gesehen, was das für tolle Arbeitsplätze sind für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Denn sie sind direkt mittendrin und können am Gast mitarbeiten. Ein Restaurant bietet viele Möglichkeiten mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen und so können wir die Menschen vielfältig einsetzten. Jeder findet nach seinen Stärken eine Beschäftigung“, erklärt Alexandra Fluck.

Das Ziel sei gewesen einen Integrationsbetrieb zu schaffen, der Menschen mit Unterstützungsbedarf ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bieten kann. Für Mitarbeiter ohne Unterstützungsbedarf sei der Job manchmal eine doppelte Herausforderung, denn sie müssen ihren Kollegen aushelfen und Unterstützung bieten und andere anleiten können.

Die Räume am Marktplatz seien ein Glücksgriff gewesen, sagt Alexandra Fluck. Die Kirchengemeinde suchte einen Betreiber, die Stadt Baden-Baden unterstützte das Gesamtkonzept und so einigte man sich schnell. „Es hat alles gepasst und da haben wir die Chance einfach genutzt“, betont die Geschäftsführerin.

Die Eröffnung war im Juli 2015. Das Konzept wurde an den Standort angepasst und lief bis zur Corona-Pandemie gut. Das Café-und-Restaurant hatte viele Stammgäste, die die besondere Atmosphäre schätzen und das Angebot an Badischer Küche mögen. Dass es sich bei dem M 10 um einen integrativen Betrieb handelt, ist nicht sofort ersichtlich. „Wir haben uns zu dem Konzept entschieden einen normalen Restaurantbetrieb zu machen“, betont Alexandra Fluck. Zwar gebe es Aushänge, die auf das integrative Konzept hinweisen, aber nur manche Gäste brauchten beim ersten Besuch eine Erklärung.

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