Skip to main content

Gastspiel des Schwarzwälder Künstlers

Kabarettist Fidelius Waldvogel tourt mit Traktor und Anhänger nach Baden-Baden

Unterwegs und doch daheim - wie geht das denn? Fidelius Waldvogel alias Martin Wangler kriegt das hin. Er tourt mit einem Oldtimer-Traktor und einem umgebautem Forstwagen.

Er kann auch rappen: Der Kabarettist Fidelius Waldvogel alias Martin Wangler bei seinem Aufritt auf der Sägmühlermatte in Baden-Baden-Geroldsau Foto: Bernd Kamleitner

Er rappt, singt zu Gitarre und Akkorden, hinterfragt unser Alltagsverhalten und kommt doch nicht mit erhobenem Zeigefinger daher. Mit Fidelius Waldvogel steht ein sympathisches Schwarzwälder Urgestein auf der kleinen Bühne, die er immer dabei hat.

Der Kabarettist aus Breitnau tourt mit einem Traktor Baujahr 1968, der einen umgebauten Forstwagen zieht. Darin ist alles vorhanden, was der Mann zum Überleben braucht. Eine Seitenwand wird am Zielort ausgeklappt – und fertig ist die Bühne für die Kultfigur, in deren Rolle der Schauspieler Martin Wangler („Die Fallers”) schlüpft.

Seine Bühne hat er immer dabei: Der Kabarettist Fidelius Waldvogel alias Martin Wangler tourt mit einem umgebauten Forstwagen. Eine Seitenwand wird ausgeklappt und schon ist die Bühne fertig. Foto: Bernd Kamleitner

In Baden-Baden legt er mit seinem Gespann auf der Sägmühlermatte, der grünen Wiese zwischen städtischem Forstamt und der Geroldsauer Mühle, einen Halt ein. Das Gastspiel, organisiert vom örtlichen Verein Höllenwölfe und mit Unterstützung der Mühle, lockt bei hochsommerlichen Temperaturen an die 100 Besucher, die einen höchst vergnüglichen Abend erleben. Los geht es mit kleiner Verspätung, weil zunächst die Stromversorgung unterbrochen ist.

Aber dann empfängt Fidelius Waldvogel (frei übersetzt: „lucky black forest bird”) seine Gäste mit einem auf der Tuba intonierten Badnerlied – inklusive einer Einlage mit Motorradgeräuschen. „Heimat Impressions” nennt er den Song. Das Thema Heimat mit ganz unterschiedlichen Facetten zieht sich wie ein roter Faden durch das gut zweistündige Programm.

So wohnt der Waldvogel: Wenn Fidelius Waldvogel alias Martin Wangler auf Tour ist, nutzt er einem umgebauten Forstwagen. Eine Seitenwand wird ausgeklappt, fertig ist die Bühne. Foto: Bernd Kamleitner

Selbst der amerikanische Präsident Donald Trump („Der mit der tote Katz’ uff em Kopf”) erfährt wegen seiner Mauerpläne an der Grenze zu Mexiko zum Schutz seiner Heimat eine Erwähnung – und der „Corona-Käfer”, das Virus, das die Welt verändert hat. „Viele hän g’merkt, dass ma vom Handy net runterbeißen kann”, stellt der Kabarettist fest. Daheim bleiben, daheim kochen – für einige Zeitgenossen eine völlig neue Erfahrung. Nicht für Waldvogel. „Daheim gemeinsam am Tisch sitzen, des isch Heimat wie ich sie mag”, vertraut er den Besuchern an. Und: „Heimat isch do, wo mer verstanden wird – au wenn ma nix sagt!”

Das Publikum erfährt zudem, dass ein Schleppertreffen nichts mit Schleuserbanden zu hat, sondern eine Veranstaltung für Traktor-Fans ist. Auf seinen Eicher Königstiger, Baujahr 1968, ist Waldvogel mächtig stolz. Der umgebaute Forstwagen weist einige Raffinessen auf. „Ich bin unterwegs und gleichzeitig daheim”, preist Waldvogel die Vorzüge.

Ein Wort drückt vieles aus: „Hä”

Eine Einführung in den Schwarzwälder Dialekt ist inklusive: „Hä”, erläutert der Kabarettist eine Silbe, mit der Schwarzwälder „alles ausdrücke könne”. Auch Schadenfreude („häha”). Als immer mehr Touristen in den Schwarzwald kamen sei der Schwarzwälder gezwungen worden, in ganzen Sätzen zu sprechen: Der erste war demnach „Wa witt?” („Was willst du?”). Dem „Bibiliskäs” widmet der Künstler ein eigenes Lied. Auch dem Wolf („kein Kuscheltier”), der wieder heimisch werden soll, Fidelius aber keine Angst macht.

Natürlich mit Allrad: Mit einem Traktor Modell Eicher Königstiger, Baujahr 1968, ist der Kabarettist Fidelius Waldvogel alias Martin Wangler aus dem Schwarzwald auf Tour. Foto: Bernd Kamleitner

Aus dem Schlager „Schwarzwaldmarie” wird ein Lied auf eine Metzgerin („Schwarzwurstmarie”) und das Leiden der Tiere in der industriellen Fleischproduktion mit langen Transportwegen kommt nicht nur in einem Song („Stell dir vor, Du wärst so eine arme Sau”) zur Sprache. „Hut ab vor Bauern, die ihre Tiere achten”, spannt Waldvogel den Bogen zum Thema regionale Produktion und beklagt, dass es immer weniger Landwirte, Winzer, Bäcker und Gastwirte gibt und immer mehr Lebensmittel und andere Produkte aus dem Ausland importiert werden. Wie lecker dagegen ein Schwarzwälder Schinken aus heimischer Produktion schmeckt, das ahnt das Publikum, als Waldvogel auf der Bühne ein solches Vesper regelrecht zelebriert.

Agrarministerium sponsert die Tour

Über die Unterstützung der Regionalkampagne freut sich im Publikum der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Sein Haus sponsert die Tour von Waldvogel. „Wenn’s Ministerium Geld in mich investiert, isch’s gut anglegt”, findet der Künstler mit einem Augenzwinkern.

nach oben Zurück zum Seitenanfang