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Warnung der Bevölkerung

Im Katastrophenfall: Wie Baden-Baden seine Sirenen auf den Ernstfall vorbereitet

Baden-Baden ist auf den Ernstfall vorbereitet – zumindest was die Sirenen angeht. Im vergangenen Jahr wurden alle Anlagen aufgerüstet. Aber wo befinden sich die Warnsirenen? Und wer kümmert sich um sie?

In Baden-Baden gibt es derzeit nur drei elektronische Warnsirenen. Nach und nach sollen die 22 Einheitssirenen aus dem Jahr 1957 ausgetauscht werden. Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance/dpa

Seit der Flut im vergangenen Jahr diskutieren Politiker über den Schutz der Bevölkerung. In der Region fragten sich viele Menschen, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten sollten – auch in Baden-Baden. Warnsirenen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Katastrophenschutz ist Ländersache. Das schließt auch die Warnung der Bürger mit ein. Für die Sirenen in Baden-Baden ist deshalb die Stadtverwaltung verantwortlich. Eine Fachfirma, die Stadtwerke und die Feuerwehr unterstützen sie dabei.

Sirenen sind im Katastrophenfall ein wichtiges Mittel. Sie alarmieren Einwohner flächendeckend zu jeder Tageszeit. Ihr Heulton ist so laut, dass er Menschen nachts aufweckt. Außerdem versteht jeder die Signale, sobald er weiß, was sie bedeuten.

Im Stadtgebiet von Baden-Baden funktionieren 24 Sirenen

In Deutschland gibt es drei Signalbotschaften: Ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton heißt „Warnung! Rundfunkgeräte einschalten und auf Durchsagen achten“.

Entwarnung geben Feuerwehr oder Stadtverwaltung mit einem einminütigen Dauerton. Das dritte Signal dauert ebenfalls eine Minute, der Ton wird zweimal kurz unterbrochen – damit ruft die Stadt Feuerwehrleute zum Einsatz.

25 Warnsirenen: Baden-Baden ist im Katastrophenfall gut aufgestellt. Foto: BNN

Baden-Baden hat derzeit 24 funktionierende Sirenen. Die Anlage auf der Euraka in der Cité ist nach städtischen Angaben seit rund eineinhalb Jahren außer Betrieb, weil sie vom Blitz getroffen wurde.

Eigentlich sollte diese Sirene im Herbst repariert werden. „Die betreffende Firma ist derzeit durch Corona-Erkrankungsfälle nicht arbeitsfähig“, sagt Gerhard Herbrich, Katastrophenschutzbeauftragte der Stadt. Ende Januar soll die Anlage gewartet werden. Für eine weitere Sirene sucht die Stadt noch nach einem geeigneten Standort.

Stadt will ältere Sirenen nach und nach ersetzen

22 der Anlagen sind Zivilschutzsirenen aus dem Jahr 1957. Sie sollen nach und nach durch elektronische Geräte ersetzt werden – von denen gibt es in Baden-Baden bisher nur drei Stück.

Im Gegensatz zu den Einheitssirenen verfügen elektronische Sirenen über einen Akku. Fällt der Strom aus, bleiben sie einsatzbereit. Und sie brauchen weniger Strom. Elektronische Anlagen ziehen laut Herbrich rund 220 Volt, während die älteren Modelle knapp 400 Volt benötigen.

Bis Juli 2021 rüstete die Stadtverwaltung ihre Sirenen auf, seitdem sind alle digital. Dadurch kann auch die Leitstelle Mittelbaden im Landratsamt Rastatt diese auslösen. Bisher machte das die Feuerwehr Baden-Baden.

Regierungspräsidium Karlsruhe fördert Warnsirenen in Baden-Baden

Außerdem zahlt das Regierungspräsidium Karlsruhe 3.000 Euro für drei Steuerungsempfänger. Mit den Empfängern werden die elektronischen Anlagen ans Modulare Warnsystem des Bundes angeschlossen, sagt Lilly Börstler, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums.

Das System vernetzt Akteure wie Feuerwehren und Ämter digital miteinander. Im Ernstfall sollen sie schnellstmöglich untereinander kommunizieren.

Baden-Baden war im Vergleich zu anderen Städten schon immer gut ausgestattet.
Christian Pilardeaux, stellvertretender Feuerwehrkommandant

Sirenen gibt es in Baden-Baden genug, sagt Christian Pilardeaux, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr: „Baden-Baden war im Vergleich zu anderen Städten schon immer gut ausgestattet.“ Nach Ende des Kalten Krieges bot der Bund seine Zivilschutzsirenen der Stadt an – die übernahm alle zehn Anlagen.

Feuerwehr und Stadt entscheiden über den Einzelfall

Ob und wann eine Sirene ausgelöst wird, legen Bürgermeister, Katastrophenschutz und Feuerwehrleitung fest. Allerdings kann die Feuerwehr auch eigenständig entscheiden, wenn „Gefahr im Verzug“ ist.

Konkret heißt das: wenn es schnell gehen muss. Ein Beispiel ist die Evakuierung von Häusern bei Hochwasser. Allerdings zählt immer der Einzelfall. Einheitliche Warnstufen für bestimmte Szenarien gebe es nicht, sagt Pilardeaux.

Wird eine Sirene ausgelöst, muss die Stadt unverzüglich Rundfunksender über die Gefahr informieren – die verbreiten die Informationen unter den Bürgern.

Sirenen werden ständig von Technikern geprüft

Damit alle Geräte im Notfall funktionieren, werden die Sirenen dreimal im Jahr geprüft. Die Leitstelle löst dann einzelne Standorte aus. Ein Techniker überprüft, ob ein Signal ankommt und der Motor startet.

„Die Sirene läuft kurz an, dabei hört man ein aufsteigendes Geräusch“, erklärt Pilardeaux. Von der Prüfung bekommen Einwohner nichts mit.

Der bundesweite Warntag 2020 lief laut dem Feuerwehrkommandanten nur deshalb schief, weil die Warn-App „Nina“ nicht richtig funktionierte. Sie informierte Nutzer zu spät. Die Sirenen seien dagegen alle angelaufen.

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