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Kfz-Fahrer halten kaum Abstand

Keine Kontrollen: Warum Radfahrer sich auf den Straßen von Baden-Baden unsicher fühlen

Autos dominieren den Verkehr in Baden-Baden. Dabei halten sie nicht immer genügend Abstand zu Fahrradfahrern – für die kann das schnell gefährlich werden. Das ist ein großes Problem. Polizeikontrollen gibt es kaum.

Andreas Fehler ist auf der Langen Straße regelmäßig unterwegs. Auf dem Schutzstreifen fährt er weit links, damit er im Notfall nach rechts ausweichen kann. Foto: Karoline Scharfe

Andreas Fehler sitzt täglich auf dem Rad. Zum Einkaufen nimmt er meist die Lange Straße in Richtung Trinkhalle. Beim Badischen Hof drängen sich Autos dicht an ihm vorbei. Sein Lenker kommt einem Autospiegel gefährlich nahe. Fehler reagiert jedoch ruhig und fährt weiter geradeaus. Solche Situationen kennt er schon.

Radfahrer haben es in Baden-Baden nicht leicht. Die Straßen sind eng. Fahrradwege gibt es kaum. Die Stadt richtete vielerorts Schutzstreifen ein – die sind auf der Fahrbahn mit einer gestrichelten Linie eingezeichnet. Radwege markieren hingegen ein blaues Schild und eine durchgängige Linie. Dort dürfen Fahrzeuge nicht fahren, halten oder parken.

Generell müssen Autofahrer laut Straßenverkehrsordnung einen Abstand von 1,5 Metern einhalten, wenn sie Fahrradfahrer innerorts überholen. Außerhalb von Städten und Gemeinden sind es sogar zwei Meter. Ansonsten müssen Fahrer mit einem Bußgeld zwischen 30 und 100 Euro rechnen.

Baden-Badener Radfahrer fordert mehr Kontrollen

In der Praxis halten sich aber nur wenige daran. „Auf den Baden-Badener Straßen braucht man ein robustes Gemüt und viel Erfahrung“, berichtet Fehler. Autofahrer kommen ihm häufiger zu nahe. Etwa dreimal pro Woche erlebt er, dass ihn Fahrzeuge schneiden oder abdrängen. Dabei versucht er, Ruhe zu bewahren und weicht nach rechts zum Bordsteinrand aus.

Auf den Baden-Badener Straßen braucht man ein robustes Gemüt und viel Erfahrung.
Andreas Fehler, Radfahrer aus Baden-Baden

Einen schweren Unfall hatte der 53-Jährige noch nicht. Vor einigen Jahren streifte ihn jedoch ein Auto, weshalb er von der Straße abkam und anhalten musste.

Im Schnitt ist Fehler bis zu 9.000 Kilometer pro Jahr mit dem Rad unterwegs. „Wenn Autos so dicht an mir vorbeifahren, schüchtert mich das ein“, sagt der 53-Jährige. Er will, dass die Polizei mehr kontrolliert. Die Regel garantiere seine Sicherheit, sie müsse aber auch durchgesetzt werden.

Zahl der Radunfälle in Baden-Baden ist gesunken

Allerdings könne der Abstand zwischen Auto und Rad nur schwer kontrolliert werden, sagt Rüdiger Schaupp vom Polizeipräsidium Offenburg. Die Beamten brauchen eine Straßenstelle, die breit genug ist. Und sie müssen den Abstand zwischen Rad und Auto genau messen. Dafür markieren sie die Fahrbahn.

2021 überprüfte die Verkehrspolizei bei zwei landesweiten Aktionen, ob Verkehrsteilnehmer in Baden-Baden den Abstand einhalten. „Die Anzahl der geahndeten Fahrzeugführer waren jedes Mal einstellig“, sagt Schaupp.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Unfälle zwischen Auto- und Radfahrern sinkt. Im Jahr 2021 ist die Zahl der Unfälle im Vergleich zu 2020 um etwa die Hälfte geschrumpft – vor zwei Jahren waren es noch 26 Unfälle.

ADFC-Vorsitzender rät Radfahrern weiter links zu fahren

Der Vorsitzende des Kreisverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Baden-Baden, Rastatt und Bühl (ADFC), Ralph Neininger, beobachtet dennoch, dass sich Radfahrer auf den Straßen unterlegen fühlen. Er will ebenfalls, dass die Polizei stärker kontrolliert. „Ich spreche immer wieder mit verunsicherten Radfahrern“, sagt Neininger. Einige stiegen überhaupt nicht mehr aufs Fahrrad.

Ich spreche immer wieder mit verunsicherten Radfahrern.
Ralph Neininger, ADFC-Vorsitzender

Radfahrern rät Neininger, sich generell weiter links zu halten. Sie sollten zum Bordstein etwa einen Meter Platz lassen. Dadurch sind Autofahrer gezwungen, beim Überholen in den Gegenverkehr zu fahren. Zudem haben Radfahrer mehr Raum zum Ausweichen, wenn sie Fahrzeuge schneiden.

Stadt informiert mit Kampagne über Regel

Mit Abstand sicher: Eine Kampagne der Baden-Baden informierte im Dezember an der Bushaltestelle in der Luisenstraße über die Abstandsregel. Foto: Bernd Kamleitner

Die Stadt organisierte gemeinsam mit dem ADFC Baden-Württemberg 2021 die Kampagne „Mit Abstand sicher“. Mit Plakaten forderte sie Verkehrsteilnehmer dazu auf, beim Überholen 1,5 Meter Abstand zu halten. „Dreimal eine Woche hingen die Plakate an 50 Orten in der Stadt“, sagt Rolf Basse, Leiter der Entwicklungsplanung und Mobilität bei der Stadt Baden-Baden.

Der Grund: Ein Großteil der Autofahrer kenne die Abstandregel nicht. Andere ignorierten sie, weil sie Radfahrern nicht hinterherfahren wollten, sagt Basse. Trotzdem glaubt er daran, dass sich das Fahrverhalten von vielen ändern kann. „Das braucht einfach Zeit.“

Autos dominieren den Verkehr in Baden-Baden

Autos dominieren den Verkehr in Baden-Baden. Der Kfz-Anteil beträgt laut städtischen Angaben etwa 51 Prozent. Nur acht bis zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer nutzen das Rad.

Im Frühjahr 2020 stieg der Wert um ein bis zwei Prozent. Der Trend zum Elektrorad erreichte Baden-Baden. „E-Bikes erleichtern vor allem die Fahrt am Berg. Dadurch sind sie attraktiver“, sagt Rolf Basse.

Die Tallage sei das größte Problem der Baden-Badener Radkultur. „Die Häuser sind eng zusammengebaut, deshalb sind die Straßen schmal“, sagt Basse. Auch der öffentliche Nahverkehr braucht viel Platz. Insgesamt fahren 13 Buslinien durch die Stadt.

Dennoch will die Stadtverwaltung die Bedingungen für Radfahrer verbessern. Im März 2021 gab sie in der Lichtentaler Allee vom Theater bis zum Kloster eine Fahrradstraße frei. Andere sollen folgen.

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