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Kehrtwende bei der Planung

Kultursender Arte verzichtet auf Neubau in Baden-Baden

Der Kultursender verlegt seinen Firmensitz nicht von der Innenstadt in die Cité. Stattdessen möchte das Unternehmen künftig frei werdende Flächen in einem Gebäude des Südwestrundfunks nutzen.

Bisheriger Standort: Am Firmensitz von Arte Deutschland in der Schützenstraße arbeiten rund 50 Beschäftigte. Sie müssen sich in etwa drei Jahren auf einen Umzug einstellen. Foto: Michael Rudolphi

Arte Deutschland, das bislang seinen Sitz in der Baden-Badener Innenstadt hat, verzichtet auf den seit längerer Zeit geplanten Neubau in der Cité. Die Gesellschafter des Senders hätten vor wenigen Tagen in einer Sitzung „nach intensiver Diskussion und Abwägung aller vorliegenden Fakten“ beschlossen, den Standort nicht von der Schützenstraße in ein noch zu errichtendes neues Gebäude im Westen der Stadt zu verlegen, teilt der Fernsehsender am Dienstag mit.

Arte werde stattdessen freiwerdende Flächen in einem Gebäude des Südwestrundfunks (SWR), der ein Gesellschafter des deutsch-französischen Fernsehsenders ist, nutzen. Der Umzug auf die Baden-Badener Funkhöhe am Fuß des Fremersbergs ist für Mitte bis Ende 2024 vorgesehen.

Die bisherigen Planungen für den nun nicht realisierten Arte-Neubau sollen in die Umgestaltung der künftig genutzten SWR-Flächen einfließen, heißt es weiter in der Mitteilung.

Wir wären in der Stadt gerne mehr präsent gewesen.
Markus Nievelstein / Arte-Geschäftsführer

„Wir bedauern das sehr“, kommentiert Markus Nievelstein die Entscheidung, das geplante neue Gebäude nicht zu errichten. „Wir wären in der Stadt gerne mehr präsent gewesen“, sagt der Arte-Geschäftsführer auf BNN-Nachfrage. Der Sender hätte sich nach seiner Überzeugung an dem Standort in der Cité in der Nähe zu der Hochschule und dem Campus der Europäischen Medien- und Eventakademie sehr wohl gefühlt.

Neuordnung der Rundfunkgebühren führt zu Planungsunsicherheit

Es gebe aber gute Gründe für den Umzug in das SWR-Gebäude, räumt Nievelstein ein. Arte als gebührenfinanzierter Sender sei verpflichtet, mit den zur Verfügung stehenden Finanzen verantwortungsvoll umzugehen. Für den Neubau waren rund fünf Millionen Euro veranschlagt.

Ein weiterer Grund, die Neupläne aufzugeben, sei gewesen, dass bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht klar gewesen sei, über welches Finanzvolumen Arte künftig verfügen werde. Für den Umzug auf die Funkhöhe spricht Nievelstein zufolge zudem, dass der SWR im Zuge der Pandemie festgestellt habe, künftig im bestehenden Gebäude nicht mehr alle Flächen zu benötigen, weil ein Teil der Beschäftigten im Homeoffice arbeite.

Der SWR wird uns tolle Bedingungen bieten.
Markus Nievelstein / Arte-Geschäftsführer

Zudem baut der Südwestrundfunk derzeit ein neues Medienzentrum, in das Teile der Redaktion umziehen werden. „Der SWR wird uns in kernsanierten Etagen tolle Bedingungen bieten“, ist der Arte-Geschäftsführer überzeugt. Der Kultursender werde weiter in der Stadt präsent sein etwa bei Kooperationen mit dem Museum Frieder Burda oder eigenen Projekten, kündigt er an.

50 Beschäftigte ziehen um

Arte benötigt ein neues Domizil, weil der Platz für die rund 50 Beschäftigten am bisherigen Firmensitz in der Schützenstraße knapp wird. Zudem müsste der Kultursender in diesem Gebäude erheblich in den Brandschutz investieren. Nievelstein zufolge wären eine Sanierung und ein Umbau der denkmalgeschützten Immobilie nur sehr schwer machbar und extrem kostenintensiv.

Das alles hatte Arte vor einigen Jahren zunächst dazu bewogen neu zu bauen. Als Standort war ursprünglich eines der letzten freien Grundstücke in der Cité vorgesehen – direkt am Europakreisel gegenüber dem Cineplex. Die Architekten hatten auf dem Areal entlang der Ortenaustraße auf einer Art Plateau ein mehrgeschossiges Gebäude auf Stelzen vorgesehen.

Arte speckt den ursprünglichen Entwurf ab

Das auf dem leicht abschüssigen Gelände platzierte und nachts rot beleuchtete Firmen-Logo wäre von der B500 aus sichtbar gewesen und sollte einen Akzent am westlichen Stadteingang setzen. Der Gestaltungsbeirat der Stadt befürwortete im Wesentlichen diesen Entwurf ebenso wie die etwas kleiner dimensionierte Gebäude-Variante, die Arte im Lauf des weiteren Planungsverfahrens für ein benachbartes Grundstück vorstellte.

„Es hat sich abgezeichnet“, sagt Markus Börsig zum Aus für den Standort in der Cité. „Die Enttäuschung ist deshalb nicht mehr ganz so groß“, betont der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft (EG) Cité, die für die Vermarktung der Grundstücke im neu entstandenen Baden-Badener Stadtteil zuständig ist.

Leider ist es nicht zum Happy End gekommen.
Markus Börsig, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft (EG) Cité

Börsig bedauert die Entscheidung der Arte-Gesellschafter und verweist auf das gute Einvernehmen in den zurückliegenden Jahren. „Leider ist es nicht zum Happy End gekommen“, sagt Börsig.

Nach Börsigs Auskunft hatte die EG Cité zwar beschlossen, das Grundstück an Arte zu verkaufen. Der Verkauf sei jedoch noch nicht notariell beurkundet gewesen. Er ist zuversichtlich, einen neuen Käufer zu finden. „An Interessenten fehlt es nicht“, beteuert der Geschäftsführer der EG Cité.

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