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Landesinitiative „Leiser! Initiative Motorradlärm

Lärm in Baden-Baden: Motoren dröhnen lauter als eine Kreissäge

Lärmsensoren registrieren seit 2020 den Schalldruck in der Stadt Baden-Baden – mit erschreckenden Ergebnissen.

Der Kampf gegen Motorradlärm ist wie hier in Geroldsau uralt. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht. Lärmmessungen der Stadt brachten jetzt erschreckende Ergebnisse zutage. Foto: Bernd Kappler

Zu schnell und zu laut: Die Klagen über Motorradlärm nehmen zu, schnelle Abhilfe ist aber nicht in Sicht. So steht es jedenfalls in einem Zwischenbericht zum städtischen Engagement in der Landesinitiative „Leiser! Initiative Motorradlärm“, der am Montag, 19. Juli, auf der Tagesordnung des gemeinderätlichen Hauptausschusses steht.

Zu entscheiden gibt es buchstäblich nichts, es steht nur eine Kenntnisnahme auf der Tagesordnung. Allerdings: Es gibt viel zur Kenntnis zu nehmen, seit die Stadt 2020 Lärmsensoren aufgestellt hat – mit erschreckenden Ergebnissen.

In der Maximilianstraße, der Beuerner Straße und der Geroldsauer Straße wird der sogenannte Schalldruck (Lärm ist eine subjektive Empfindung und kann eigentlich gar nicht gemessen werden) registriert. Beim Blick auf die Zahlen, die die Stadt jetzt vorlegt, dröhnt das Trommelfell. Die Höchstwerte liegen an allen Stationen weit über dem zumutbaren.

Höchstwert bei 103 Dezibel in der Maximilianstraße

In der Maximilianstraße liegt der Höchstwert bei 103 Dezibel. Lauter als eine Kreissäge oder in einer Diskothek und kaum leiser als ein Formel-1-Rennwagen in 30 Meter Entfernung. Als unangenehm werden in der Fachliteratur Geräusche über 85 Dezibel empfunden. Dabei ist der Schalldruck keine lineare Größe. Drei Dezibel mehr bedeuten eine subjektive Verdoppelung des Lärms.

Über 150 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg haben sich zusammengeschlossen, um politisch Druck zu machen, denn die Lösung kann nur vom Bund und der Europäischen Union durchgesetzt werden, indem die Vorschriften für die Zulassung von Motorrädern radikal verschärft werden. Bereits 2020 hat der Bundesrat die Bundesregierung um Initiativen gebeten.

Ziel: Eine Beschränkung auf Emissionen von 80 Dezibel in allen Fahrsituationen. Motorradfahrer – zuletzt in Stuttgart bei einer Großdemonstration laufen dagegen Sturm und die Werbung der Motorradindustrie verspricht eine Beschleunigung der Zweiräder innerhalb von drei Sekunden von Null auf Hundert – Spaß für die einen, Beeinträchtigungen der Gesundheit für die anderen.

Vor diesem Hintergrund betont die Stadt, dass man 2019 beim Aufbau der Organisation von „Leiser! Initiative Motorradlärm“ aktiv beteiligt war. Trotz aller Bemühungen: Das Thema wird frühestens nach der Bundestagswahl im Bundestag auf die Tagesordnung kommen.

Die Stadt stellt klar, dass es nicht um die rücksichtsvollen Zweiradfahrer gehe. Die konzertierte Aktion richte sich vielmehr gegen aggressive Fahrweisen mit hohen Drehzahlen. Schon das Verbieten von Manipulationen am Motorrad könne die Lärmbelastung deutlich reduzieren.

Handlungspflicht ab 73 Dezibel laut Lärmaktionsplanung

Mit den Messungen der Lärmdisplays könnte die Stadt durchaus auch in Zugzwang geraten, denn im Rahmen der Lärmaktionsplanung bestehe bereits bei Durchschnittswerten ab 73 Dezibel eine die rechtliche Handlungspflicht. Juristisch aber noch nicht wasserdicht, weil die Durchschnittswerte über mehrere Jahre hinweg erst noch ermittelt werden müssen.

Geschwindigkeitsbeschränkungen und Geschwindigkeitskontrollen bleiben als Zwischenlösung, wobei die Kontrollen personalaufwendig sind. Motorradfahrer tragen Helme, sind also nicht erkennbar und die Zweiräder haben das Kennzeichen hinten, können also durch automatische Kontrollstellen nicht erkannt werden.

Allein ab Ortsausgang Geroldsau sind seit dem Jahr 2016 sechs Unfalltote und 25 Schwerverletzte zu beklagen.

Die Stadt: „Im Mai wurde zwischen Malschbach und Ortsausgang die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 auf 50 Stundenkilometer temporär verringert, so dass bis einschließlich Kurve am Parkplatz Helbingfelsen die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 Stundenkilometer beträgt.“

Zwischenzeitlich wurde die Geschwindigkeitsbeschränkung bis einschließlich der Kurve am Wolfsbrunnen erweitert.

Aber: Die Szene schläft nicht. Einer fährt vor und schaut, ob die Luft rein ist, dann steht dem Fahrspaß nichts mehr im Wege – zu Lasten der Anwohner, denn Motorradlärm ist über Kilometer hinweg zu hören und ein Ärgernis.

Als letzter Schluss blieben noch Fahrverbote, gegebenenfalls auch zeitlich begrenzt. Allerdings: Die Rechtsprechung ist hier sehr restriktiv, wie der Zwischenbericht vermerkt.

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