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Coronavirus

Lehrer aus Baden-Baden unterstützen Kliniken mit Schutzschilden aus dem 3D-Drucker

Medizinische Schutzausrüstung – dank der Coronakrise wird sie derzeit vielerorts knapp. Zwei Lehrer der Baden-Badener Louis-Lepoix-Schule haben sich deswegen etwas einfallen lassen und stellen mit den schuleigenen 3-D-Druckern Schutzschilde für das Pflegepersonal umliegender Kliniken her.

Homeoffice: In seinem Wohnzimmer produziert Daniel Müller mit den 3-D-Druckern der Louis-Lepoix-Schule die Schutzschilde. Foto: Alina Meier

Die Schule ist geschlossen, der Unterricht findet in digitaler Form statt. Die 3-D-Drucker der Schule, die normalerweise im Profil „Additive Fertigung“ zum Einsatz kommen, stehen ungenutzt herum. Da kommt Daniel Müller, Physik und Mathematiklehrer an der Berufsschule auf eine Idee. Mit einer Vorlage die er im Internet findet, druckt er ein Muster für Schutzschilde, sogenannte Face Shields.

Müller hat persönliche Kontakte zum Ortenau Klinikum in Achern. Nach einem Test im dortigen Regelbetrieb erhält er grünes Licht und steigt zusammen mit seinem Kollegen Markus Oberle in die Produktion der Schilde ein.

Drucker arbeiten 20 Stunden am Tag im Wohnzimmer

Auch die Schulleitung steht hinter der Aktion und stimmt sofort zu, dass die beiden Lehrer das Unterrichtsmaterial für ein einfacheres und schnelleres Arbeiten mit in ihre Wohnungen nehmen. Zwei Geräte stehen bei Oberle, vier Drucker sind in Müllers Wohnzimmer eingezogen.

Dort drucken sie durchgehend 20 Stunden am Tag – und das nicht gerade leise. „Zwei Stunden und 18 Minuten braucht ein Drucker für ein Gestell“, erklärt Müllers Sohn Paul, der von der Technik fasziniert ist und die Drucker bedient, wenn sein Vater gerade nicht zur Stelle ist. Der hohe Stromverbrauch der vier Geräte ist für Müller momentan zweitrangig: „Das ist eben unser Beitrag“, sagt er.

Nach einer Vorlage, die er am Computer modelliert, wird ein Kunststoffgestell mit vier Haken gedruckt, an denen eine austauschbare Schutzfolie befestigt wird. Vorne im das Gestell ist eine Polsterung aus einem desinifizierbaren Material angebracht, hinten wird das ganze von einem Gummiband gehalten.

„Natürlich ist das Material nicht klinisch getestet, aber irgendwie muss das Personal doch geschützt werden. Momentan kommt es auf die Zeit an“, sagt Müller. Neben den Schilden versuchen sich die beiden Lehrer am Druck von Mundschutzen und Filtern für Beatmungsgeräte. Der Druckvorgang wäre nicht das Problem, erklärt Müller. Momentan ist es jedoch schwierig, das virenresistente Filtermaterial zu bekommen. „Wir werden da noch nichts liefern, aber wir wollen bereit sein, wenn es notwendig ist.“

Zum Thema:

Die fertigen Schilde werden in Bereichen eingesetzt, in denen Patienten stark husten und Auswurf haben. Zum Beispiel in der Zentralen Notaufnahme, auf der Intensivstation und auf den Corona-Stationen. Am Freitag-Nachmittag haben die beiden Lehrer eine neue Fuhr Schilde an Franziska Müller vom Ortenau Klinikum geliefert, mit etwa 70 Stück konnten sie die Einrichtung bis dahin unterstützen.

Eine neue Fuhr der gedruckten Schutzschilde übergeben die beiden Lehrer Daniel Müller (links) und Markus Oberle an Franziska Müller vom Ortenauklinikum. Foto: Alina Meier

Noch am gleichen Tag erhalten die beiden schon die nächste Anfrage. Auch das Klinikum Mittelbaden in Balg benötigt 200 Schilde – bis Montag. Aufgrund der wachsenden Nachfrage stoßen Müller und Oberle mit ihren sechs Druckern allerdings mehr und mehr an ihre Grenzen.

Sie wenden sich an das 3D-Druck-Unternehmen Stratasys in Rheinmünster und erhalten Unterstützung, obwohl dort schon für verschiedene Kliniken produziert wird. Auch die Handelslehranstalt Rastatt und die Robert-Schumann-Schule bieten ihnen ihre Schul-Drucker an. Trotzdem: „Wir benötigen dringend freie Kapazitäten an Druckern und Material“, sagt Müller.

Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich an Daniel Müller wenden, per E-Mail an daniel.mueller@lls-bad.de. Die Vorlage zum Druck der Schilde steht auf der Internetseite der Schule .

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