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Integriert in die Stadtbibliothek

Wie wird das neue Literaturmuseum in Baden-Baden angenommen?

Seit wenigen Tagen hat in der Baden-Badener Stadtbibliothek ein besonderes Museum geöffnet. Besucher können hier nicht nur schmökern, sondern auch auf eine kleine Zeitreise gehen.

Bibliotheksleiterin Sigrid Münch zeigt einige Exponate im neuen Literaturmuseum. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Mitten drin sitzen im Buch, sich festlesen und eintauchen in die Welt des russischen Baden-Badens oder quasi neben Reinhold Schneider stehen, wenn er vor seinem Kachelofen steht und eine Geschichte auf der Maschine tippt, miterleben wie die ersten Reiseführer der Stadt entstanden und was sich hinter dem berühmten Mordfall Hau verbirgt – im noch brandneuen Literaturmuseum der Stadtbibliothek wird dieser besondere Zweig der Historie plötzlich sehr lebendig.

Seit wenigen Tagen erst ist dieses besondere Angebot am Start, und schon zieht es Kreise weit über die Stadtgrenzen hinaus. Langsam trudeln sie ein, die Gruppenanmeldungen – aus der Stadt, aber auch von der FH Karlsruhe und der Uni Freiburg.

Kein Wunder, denn gerade letztere hat ganz maßgeblich die Weichen ausgerichtet, als aus musealen Räumen lebendige Historie wurde. Und das mitten in einer vitalen, gut frequentierten Stadtbibliothek.

Genau das ist auch der Grund, warum Hausherrin Sigrid Münch gar nicht so genau sagen kann, wie viele Menschen sich die Exponate bereits betrachtet haben.

Blättern in einer überdimensionalen Buchseite

Integriert in die Bibliothekslandschaft, bleibt so mancher eben mal stehen, sucht nicht nur nach einem Reiseführer auf die Malediven, sondern beginnt Schubladen aus der Anrichte zu ziehen oder überdimensionale Buchseite umzublättern und befindet sich mittendrin in einem Konkurrenzkampf zwischen Vater und Sohn, die beide für je einen Verlag in Sachen Reiseführer auch Baden-Baden aufs Korn genommen hatte.

In Schubladen finden Besucher zusätzliche Informationen zu den verschiedenen Themen. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Und genauso hatte sich das Kuratorin Elisabeth Cheauré vom DFG-Sonderforschungsbereich 1015 „Muße“ der Albert-Ludwig-Universität Freiburg bei dem in Kooperation mit der Stadtbibliothek entstandenen Muße-Literaturmuseum auch gedacht.

Die Exponate bieten sich an, sie Stück für Stück, am besten bei mehreren Besuchen zu entdecken.
Sigrid Münch, Bibliotheksleiterin

„Die Exponate bieten sich an, sie Stück für Stück, am besten bei mehreren Besuchen zu entdecken“, erklärt Bibliotheksleiterin Sigrid Münch den außergewöhnlichen Aufbau. Denn die Exponate sind eigens so arrangiert, dass sie in Beziehung zu den Literaturangeboten stehen.

Audioguides, Ruhe- und Sitzmöbel, Filmsequenzen und mehr laden bei der Büchersuche ein, das eigene Wissen ein wenig zu vertiefen und Spannendes zu entdecken. „Ein paar weitere Sitzmöbeln werden noch kommen“, verweist sie auf ein Lieferproblem und auf Stühle und gepolsterte Würfel, die an unterschiedlichen Orten in dem weitläufig verzweigten Gebäude bereitgestellt werden.

„Hier zum Beispiel“, zeigt sie schmunzelnd auf zwei Holzstühle mit roten Sitzleder, die – anders als geplant – einen Teil eines Bücherregals verdecken. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass hier jemand Platz genommen hat um näher in ein Thema einzusteigen.“ Immer wieder sei schon in den wenigen Tagen nach Eröffnung zu bemerken, dass Sitzgelegenheiten „auf Wanderschaft“ gehen. Eine tatsächlich erwünschte Nebenwirkung, die dieses Angebot nach sich ziehe.

Literaturmuseum in Baden-Baden arbeitet an Führungen für Schüler

Damit die Zahl der Interessenten, die quasi en passant in die Welt der Literatur-Historie hineinstolpern, weiter wächst, wird hinter den Kulissen weiter an Angeboten gearbeitet. Vor allem soll auch der Nachwuchs auf seine Kosten kommen. Mit Miniführungen für Schüler etwa. Die können per Smartphone oder Leih-Tablett spezielle Themen erkunden. „Wir haben schon bei der Eröffnung beobachtet, dass das gut ankommt.“

Doch wie oft sich die Besucher im Sessel von Otto Flake niederlassen oder andere Exponate entdecken und sich einfangen lassen von Film- und Tondokumenten, das, so bedauert Sigrid Münch, lässt aufgrund des Konzeptes des Muße-Literaturmuseums nicht in Zahlen abbilden.

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