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Lärminitiative

Motorradlärm übersteigt in Baden-Baden Grenzwerte

In Baden-Baden messen Sensoren den Motorradlärm. Die Ergebnisse sind erschreckend: Die Höchstwerte liegen über dem Zumutbaren. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Langwieriges Thema: Der Kampf gegen Motorradlärm ist wie hier in Geroldsau uralt. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht. Lärmmessungen der Stadt brachten jetzt erschreckende Ergebnisse zutage. Foto: Bernd Kappler

Zu schnell und zu laut: Die Klagen über Motorradlärm nehmen zu, schnelle Abhilfe ist aber nicht in Sicht. So jedenfalls lautet ein Zwischenbericht zum städtischen Engagement der Landesinitiative „Leiser! Initiative Motorradlärm“, der am Montag, 19. Juli, auf der Tagesordnung des Hauptausschusses in Baden-Baden steht.

Zu entscheiden gibt es buchstäblich nichts, es steht nur eine Kenntnisnahme auf der Tagesordnung. Allerdings: Es gibt viel zur Kenntnis zu nehmen, seit die Stadt 2020 Lärmsensoren aufgestellt hat – mit erschreckenden Ergebnissen.

In der Maximilianstraße, der Beuerner Straße und der Geroldsauer Straße wird der sogenannte Schalldruck (Lärm ist eine subjektive Empfindung und kann eigentlich gar nicht gemessen werden) registriert.

Motorradlärm in Baden-Baden bei bis zu 103 Dezibel

Beim Blick auf die Zahlen, die die Initiative jetzt vorlegt, dröhnt das Trommelfell. Die Höchstwerte liegen an allen Stationen weit über dem Zumutbaren. In der Maximilianstraße liegt der Höchstwert bei 103 Dezibel.

Lauter als eine Kreissäge oder in einer Diskothek und kaum leiser als ein Formel-1-Rennwagen in 30 Meter Entfernung.

Als unangenehm werden in der Fachliteratur Geräusche über 85 Dezibel empfunden. Dabei ist der Schalldruck keine lineare Größe. Drei Dezibel mehr bedeuten eine subjektive Verdoppelung des Lärms.

150 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg bilden Lärminitiative

Über 150 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg haben sich zusammengeschlossen, um politisch Druck zu machen, denn die Lösung kann nur vom Bund und der Europäischen Union durchgesetzt werden, indem die Vorschriften für die Zulassung von Motorrädern radikal verschärft werden.

Bereits 2020 hat der Bundesrat die Bundesregierung um Initiativen gebeten. Ziel: eine Beschränkung auf Emissionen von 80 Dezibel in allen Fahrsituationen.

Motorradfahrer – zuletzt in Stuttgart bei einer Großdemonstration – laufen dagegen Sturm und die Werbung der Motorradindustrie verspricht eine Beschleunigung der Zweiräder innerhalb von drei Sekunden von Null auf Hundert. Spaß für die einen, Beeinträchtigungen der Gesundheit für die anderen.

Aktion in Baden-Baden gegen aggressive Fahrweisen

Vor diesem Hintergrund betont die Stadt, dass man 2019 beim Aufbau der Organisation von „Leiser! Initiative Motorradlärm“ aktiv beteiligt war. Trotz aller Bemühungen: Das Thema wird frühestens nach der Bundestagswahl im Bundestag auf die Tagesordnung kommen.

Die Stadt stellt klar, dass es nicht um die rücksichtsvollen Zweiradfahrer gehe. Die konzertierte Aktion richte sich vielmehr gegen aggressive Fahrweisen mit hohen Drehzahlen. Schon das Verbieten von Manipulationen am Motorrad könne die Lärmbelastung deutlich reduzieren.

Mit den Messungen der Lärmdisplays könnte die Stadt durchaus auch in Zugzwang geraten, denn im Rahmen der Lärmaktionsplanung bestehe bereits bei Durchschnittswerten ab 73 Dezibel eine die rechtliche Handlungspflicht.

Juristisch ist das aber noch nicht wasserdicht, weil die Durchschnittswerte über mehrere Jahre hinweg erst noch ermittelt werden müssen.

Tempolimits und Kontrollen als Zwischenlösung in Baden-Baden

Geschwindigkeitsbeschränkungen und Geschwindigkeitskontrollen bleiben als Zwischenlösung, wobei die Kontrollen personalaufwendig sind.

Motorradfahrer tragen Helme, sind also nicht erkennbar und die Zweiräder haben das Kennzeichen hinten, können also durch automatische Kontrollstellen nicht erkannt werden. Allein ab Ortsausgang Geroldsau bis zum Plättig sind seit dem Jahr 2016 sechs Unfalltote und 25 Schwerverletzte zu beklagen.

Die Stadt: „Im Mai wurde ab dem Ortsausgang Malschbach die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde temporär verringert, so dass bis einschließlich zur Kurve am Parkplatz Helbingfelsen die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 Stundenkilometer beträgt.“

Fahrverbote als letztes Mittel gegen Motorradlärm

Zwischenzeitlich wurde die Geschwindigkeitsbeschränkung bis einschließlich der Kurve am Wolfsbrunnen erweitert.

Aber: Die Szene schläft nicht. Einer fährt vor und schaut, ob die Luft rein ist, dann steht dem Fahrspaß nichts mehr im Wege – zu Lasten der Anwohner, denn Motorradlärm ist über Kilometer hinweg zu hören und ein Ärgernis.

Als letzter Schluss blieben noch Fahrverbote, gegebenenfalls auch zeitlich begrenzt. Allerdings: Die Rechtsprechung ist hier sehr restriktiv, wie der Zwischenbericht vermerkt.

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