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Mängelmelder für Bürger

Wilder Müll: Wie die Stadt Baden-Baden dagegen vorgeht

Umweltverschmutzung ist kein neues Phänomen. Doch mit der Corona-Krise hinterlassen viele Waldbesucher ihren Müll in der Natur. Die Stadtwerke, das Forstamt und Bürger bemühen sich daher um mehr Sauberkeit in der Stadt und den Wäldern.

Der Dreck muss weg: Mitten im Baden-Badener Stadtwald findet sich ein Berg voller Ramsch. Manche Menschen möchten die teuren Gebühren bei der Deponie umgehen und werfen deshalb ihren Müll illegalerweise in die Natur. Foto: Robert Lang/Forstamt Baden-Baden

Nach einem langen Lockdown-Winter strömen viele Baden-Badener zurück in die Natur. Für sie ist sie erst seit der Corona-Pandemie so richtig interessant geworden, denn Alternativprogramme gab es kaum.

Robert Lang, stellvertretender Leiter des städtischen Fachgebiets Forst und Natur, freut sich, dass mehr Menschen im Wald unterwegs sind. Es scheint so, als habe die Krise viele auf den Geschmack von Outdoor-Aktivitäten gebracht.

Doch während die Sehnsucht nach der Natur steigt, scheint gleichzeitig die Missachtung eben dieser zu wachsen. Egal ob in der Stadt, im Park oder im Stadtwald – immer wieder blitzt ein achtlos weggeworfener To-Go-Becher oder eine Hygienemaske zwischen Hecken hervor. „Der Prozentsatz an Menschen, die ihren Müll liegen lassen, nimmt stetig zu,“ bestätigt Lang im BNN-Gespräch.

Viele Ausflugsziele sind verschmutzt

Kippen, Windeln, Sperrmüll – die Liste mit wildem Abfall ist lang. Ausflugsziele wie die beliebten Geroldsauer Wasserfälle werden zum Opfer der Verschmutzung. „Der Radius der Besucher wird immer größer und dadurch bleibt leider immer mehr liegen“, berichtet Lang. Auf den umliegenden Parkplätzen werden deshalb Abfalleimer aufgestellt.

Waldaufräumaktionen mit Freiwilligen gibt es allerdings aufgrund der Corona-Pandemie seit einem Jahr nicht mehr. So bleibt der Großteil der Müllbeseitigung am Forstamt hängen. Trotzdem gibt es immer wieder Bürger, die bei ihren Spaziergängen mit einer Plastiktüte bewaffnet den Müll kurzerhand einsammeln.

„Die Leute schicken uns danach freiwillig Bilder mit ihren Ergebnissen“, zeigt sich Lang erfreut über das Verantwortungsbewusstsein.

Baden-Badener nutzen Mängelmelder der Stadt

Bürger und Bürgerinnen packen nicht nur selbst mit an, sondern nutzen auch den Mängelmelder der Stadt. Wilder Müll ist unter anderem Müll, der irgendwo in der Natur liegt, informiert Susanne Huber, die für den technischen Bereich der Abfallentsorgung zuständig ist.

Überfüllte Glascontainer oder vermüllte Parkplätze zählen zum wilden Müll dazu. „Einmal wurden 20 bis 30 Autoreifen auf einer Wiese gefunden“, berichtet sie.

Vollgestopft: Mülleimer am Wegesrand werden regelmäßig mit weiterem Abfall überfüllt. Dabei gehört ein Großteil der weggeworfenen Dinge in den Hausmüll und nicht an Besucherparkplätzen und Waldwegen. Foto: Robert Lang/Forstamt Baden-Baden

In der Corona-Pandemie beobachtet Huber einen Zuwachs an illegalen Müllablagerungen. Das schreibt sie vor allem einer Veränderung in der Gesellschaft zu. „Keiner fühlt sich für den eigenen Müll verantwortlich“, klagt Huber. Sie vermutet, dass viele Menschen Gebühren umgehen möchten, die sonst auf der Deponie angefallen wären.

Hannah Matwich von der städtischen Pressestelle ist für den Mängelmelder zuständig. „Vom Gemeinderat wurde der Wunsch für mehr Sauberkeit in der Stadt geäußert“, sagt sie. Aus einer anderen Stadt kannte Matwich bereits ein ähnliches System und schlug deshalb diese Methode vor.

„Ähnliche Mängelmelder gibt es bereits in vielen Städten, zum Beispiel in Rastatt“, erläutert sie. Ein Melder für übergreifende Regionen sei bereits geplant. „Der Mängelmelder wird von den Baden-Badenern ziemlich gut angenommen“, zeigt sich Matwich erfreut.

Sowohl auf der Internetseite der Stadt als auch in der Baden-Baden App lässt sich der Mängelmelder nutzen. Dort wählt der Finder die Standorte der Mängel auf einer interaktiven Karte aus und trägt sie ein. Zunächst wird die Meldung einer Kategorie zugeordnet, ein Titel vergeben und im Idealfall ein Foto hochgeladen.

Das System ordnet dann die Fundstelle dem entsprechenden Sachbearbeiter zu. Dieser leitet die Meldung zur weiteren Bearbeitung und somit zur Abholung des Mülls weiter.

Der meldende Bürger bekommt daraufhin eine Benachrichtigung, dass der Müll beseitigt wurde. In manchen Müllsäcken finden die Aufspürer alte Rechnungen und Bankauszüge. Diese geben Hinweise darauf, wer den Müll illegal entsorgt hat. In solch einem Fall macht das Rathaus den Verursacher ausfindig, der daraufhin eine Strafe bezahlen muss.

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