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Interesse an Modellbau

Hobby-Historiker aus Baden-Baden Neuweier engagiert sich seit Jahrzehnten für Heimatmuseum

Konrad Velten aus Baden-Baden Neuweier leitet das Heimatmuseum Steinbach. Der Hobby-Historiker hat viele Geschichten zu erzählen – eigene und fremde.

Detailgetreu: Konrad Velten im Heimatmuseum Steinbach, das er leitet, mit einem von ihm angefertigten Modellbau der früheren Kirche Neuweier. Foto: Katrin König-Derki

Gradlinig, strukturiert und ausgeglichen: Diesen Eindruck vermittelt Konrad Velten schon nach wenigen Minuten. Und: Der Hobby-Historiker in ihm ist auch im Gespräch mit den BNN stets präsent.

Sogar, wenn er sein eigenes Leben skizziert, macht er es an Eckdaten fest, verliert nie den Überblick. Allein: Bei aller Sachlichkeit schwingen Emotionen mit.

So beschreibt er den 13. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als Neuweier unter starkem Beschuss stand: „Wir saßen im Keller. So wie in der Nacht ist noch nie gebetet worden.“

Hobby-Historiker Velten forstete Wälder in Baden-Baden auf

Auch Humor blitzt auf. Als seine Frau Tirza über die Wurzeln ihres Namens aufklärt („Tirza war die Schwester von Ben Hur“), ruft er: „Und dann wurde sie meine Tirza!“

Man ahnt schon, dass Velten viele Geschichten zu erzählen hat. Eigene und fremde. Auch wenn er sich die fremden quasi zu eigen machte.

Velten, Jahrgang 1937, beginnt seine Vita wie folgt: „Bis 1951 besuchte ich die Volksschule.“ Tatsächlich besuchte er ab 1945, wie seine Mitschüler auch, Gasthäuser, wurde der Unterricht doch aufgrund der zerbombten Schule dorthin verlagert.

Nach dem Abschluss meldete ihn der Vater bei den „Pflanzensetzern der Stadt Baden-Baden“ an: Diese unterstützten bei der Aufforstung der „von den Elsässern fast total abgeholzten Wälder“. 1952 ging er zur Deutschen Bahn.

Velten aus Neuweier war bei der Deutschen Bahn

Die Gewerbeschule in Karlsruhe, urteilt er rückblickend, sei lebensweisend für ihn gewesen, er habe dort erste Impulse für sein Geschichtsinteresse erhalten. Zur Praxis zählten etwa das Reinigen von Lokomotiven, Kohle schippen und auch mal den Zug fahren, wobei der Lokführer die Bremsen bediente.

Nach der Lehre lautete sein Dienstgrad „Bundesbahn-Assistenzanwärter“. Er verkaufte Fahrkarten in Bühl und Rastatt, später folgten Stellen als Fahrdienstleiter, unterbrochen durch ein Jahr Wehrdienst.

In diesem Kontext erinnert er sich an eine Wehrübung im Westerwald: „Wir haben auf russische Papp-Kameraden geschossen. Das gab uns schwer zu denken.“

Zurück im Beruf, setzte man ihn aufgrund eines Augenfehlers ab 1983 bei der Bahnmeisterei in Karlsruhe ein. „Da ging es um Technik, für mich ein neues Feld“, sagt er. „Aber ich fand mich gut ein und blieb bis zu meinem Ruhestand 1997.“

Derweil stand auch das Privatleben nicht still. 1963 heiratete er „seine“ Tirza. Die beiden übernahmen 1977 sein Elternhaus und renovierten es. Zwei Kinder kamen auf die Welt, die den Eltern bis heute Freude bereiten, Enkel inklusive.

Außerdem fand Velten 1980 im Historischen Verein Yburg eine Gruppierung, die seinen Vorstellungen entsprach: „Wegen meines historischen Interesses und weil ich terminlich nicht allzu stark eingebunden war.“

1982 wurde er zum Kassier gewählt – ein Amt, das er bis 2020 ausüben sollte. Er eignete sich zudem Wissen über den Militärstollen Neuweier an und organisierte Führungen: Der Stollen, nach dem Krieg (bis 1992) von den Franzosen besetzt, wurde sogar von Hitler und Himmler besucht, wie er berichtet.

„Und seit zwölf Jahren leite ich das Heimatmuseum Steinbach.“ Strahlend erzählt er von Grundschülern, die er Jahr für Jahr durch die Räume führt, „die meisten hochinteressiert“.

Mein Mann war und ist beschäftigt
Tirza Velten, Ehefrau von Hobby-Historiker Konrad Velten

Eine Attraktion sei dann stets der Modellbau. „Einige Gebäude hat er selbst gemacht, ganz detailgetreu“, wirft seine Frau ein. „Zum Beispiel die alte Kirche von Neuweier und die Siedlung Schneckenbach, bevor sie zugebaut wurde.“

Ein weiteres Hobby Veltens, das er wie so vieles mit seiner Frau teilt, ist das Mitwirken im Schwarzwaldverein. Dass er schon vor etwa 50 Jahren begann, historische Wanderungen anzubieten, versteht sich beinahe von selbst.

„Sie sehen, mein Mann war und ist beschäftigt“, sagt Tirza Velten am Ende. „Aber ich wusste zum Glück immer genau, wo er steckt!“

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