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Kleine Geschichten von Otto Jägersberg

Baden-Badener Autor beschreibt in seinem neuen Buch „Pianobar“ das Alltägliche

Der Baden-Badener Schriftsteller Otto Jägersberg legt mit seinem neuen Buch „Pianobar“ satirische Betrachtungen über Baden-Baden vor.

Otto Jägersberg Foto: Christiane Krause-Dimmock

Lakonisch, skurril, steril, sentimental – alles, was das Leben ausmacht, so beschreibt Otto Jägersberg die Gefühle, die dem Leser in der Pianobar, seinem jüngsten Werk, begegnen. Unterhaltsame, bewegende oder amüsante Momente, die eines verbindet. Sie alle spielen in Baden-Baden.

Auf die Frage, wie es denn sei, sein neues Buch, hält er kurz inne und antwortet in ruhigem Ton. „Um das zu erfahren, müsste man es wohl lesen.“ In welcher Geschwindigkeit und in welchen Dosen, das mag wiederum reine Geschmackssache sein.

Eile ist hier nicht zwingend angesagt. Denn die hat auch Jägersberg nicht an den Tag gelegt, als er an den kleinen Geschichten und Begebenheiten arbeitete, welche die „Pianobar“ ausmachen, in der sie alle erzählt werden oder spielen könnten.

Das habe schon einige Jahre gedauert, ehe er diese vielen Puzzlestücke zu einem Ganzen zusammenfügen konnte. Denn schließlich habe er sich dem Projekt nicht kontinuierlich gewidmet. Er hat vielmehr aufnotiert, was ihm in den Sinn kam, was er an Alltäglichem erlebte, was ihn amüsierte, was er erinnerte, wie etwa seinen ledernen Fußball und das dazugehörige Froschfett, oder was ihn umtrieb. So mischen sich in den kurzen Betrachtungen Spuren von Lokalkolorit mit unterschiedlichen Zeiten und damit auch Stilen.

Gehirn als eigenes Reich

Mal lässt der Autor reflektieren, was geschehen ist, mal schwelgt er in Erinnerungen. Er hält Gedanken fest, über den Sperrmüll der Gesellschaftsklassen etwa, durchdenkt und vertieft Momente oder gibt sie ganz einfach wider, ganz so, wie es dem Kopf gefällt. Denn das Gehirn, so gibt Jägersberg zu bedenken, sei schließlich ein ganz eigenes Reich.

Oft sind es durchaus reale Personen, denen er auf diese Weise Raum gibt, nimmt allerdings literarische Verfremdungen vor oder lässt sie namenlos agieren. Dann wiederum läuft er durch die Stadt, in der er lebt. Doch ob sich letztlich alles so zugetragen hat, das bleibe dahingestellt. „Sobald es niedergeschrieben ist, hat es seine eigene Wahrheit,“ sagt Jägersberg.

Und was das anbelangt, gehört der Schriftsteller sicherlich zu den Autoren der Gegenwart, die das nach all den verfassten Romanen, Theaterstücken, TV- und Hörspielen zuverlässig beurteilen können. Inzwischen, so meint er, verändern sich die Dinge neuerlich. Es dränge ihn gerade nicht, lange Geschichten, umfangreiche Bücher zu verfassen.

„Das scheint bei mir abgeschlossen zu sein“, sagt er. Er könne er sich vorstellen, dass diese kurzen Episoden, wie in der Pianobar verfasst, nun an die Stelle von langen Abhandlungen treten.

„Wissen kann ich das jedoch nicht“, ergänzt er und will er Lust darauf machen, die Pianobar mit ihm gemeinsam zu besuchen, einzutauchen in die Welt, in der er – über viele Jahre hinweg – seine Umgebung beobachtete, Bonmots, Anekdoten und allerlei anderes aufsaugte und nun in kompakter Form zwischen zwei Buchdeckeln wiedergibt.

Infos

Otto Jägersberg, Pianobar, 272 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-257-07167-2

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