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Hochzeit mit Einschränkungen

Paare in Baden-Baden müssen trotz Corona-Krise nicht auf das Ja-Wort verzichten

Kirche, Feier-Location und Fotograf: Nach monatelanger Planung steht die Traumhochzeit kurz bevor. Doch dann kommt das Coronavirus und macht vielen Paaren einen Strich durch die Hochzeits-Rechnung. Im Standesamt Baden-Baden können sich Brautpaare trotz Corona-Krise weiterhin trauen lassen – allerdings mit Einschränkungen.

Heiraten im kleinsten Kreis: In der Corona-Krise müssen Brautpaare bei der Trauung auf die Anwesenheit von Gästen verzichten Foto: Marius Becker/dpa

In erster Linie geht es auch hier darum, Abstand zu halten, erklärt Abteilungsleiter Günter Lippert, der zusammen mit vier Kolleginnen Trauungen abhält. „Wir haben zum Glück einen relativ großen Trausaal und Trautisch“, sagt er, das erleichtere das Abstandhalten.

Trotzdem darf mit dem Standesbeamten nur das Brautpaar anwesend sein. Keine Trauzeugen, keine Eltern und auch kein Fotograf. „Maximal noch ein Dolmetscher, denn das ist manchmal notwendig“, erklärt der Standesbeamte.

Standesbeamter verzichtet auf die Glasscheibe

Auf eine Glasscheibe zwischen ihm und dem Paar verzichtet er, obwohl andere Standesämter solche schon angebracht haben. „Irgendwo geht die Romantik sonst ganz verloren. Dann fühlt man sich ja wie in der Schalterhalle einer Bank“, sagt er. Und auch den Kuss nach dem Ja-Wort kann und will er nicht verhindern.

Doch auch, wenn die Trauung im Standesamt erfolgen kann, eine kirchliche Hochzeit, die große Feier mit vielen Gästen oder auch die Flitterwochen am Strand müssen derzeit ausfallen. Das bringt viele Paare dazu, ihre Hochzeit zu verschieben oder erst einmal ganz abzusagen.

Seit Beginn der Beschränkungen Mitte März haben schon etliche Brautpaare abgesagt
Günter Lippert, Standesbeamter in Baden-Baden

Das bestätigt auch der Baden-Badener Standesbeamte: „Seit Beginn der Beschränkungen Mitte März haben schon etliche Brautpaare abgesagt.“ Anfang der vergangenen Woche hatte Lippert bereits acht neue Absagen für die gerade beginnende Heirats-Saison. Natürlich gibt es auch sonst immer wieder Absagen aus den unterschiedlichsten Gründen, doch gerade sind hauptsächlich die Folgen der Corona-Krise die Ursache.

Etwa 50 Prozent der angemeldeten Paare nehmen ihren Termin wahr

Für die kommenden Termine sieht er eine Tendenz: „Etwa 50 Prozent der Angemeldeten kommen, die anderen sagen ab.“ Lippert und seine Kolleginnen haben alle Paare, die eigentlich im April oder Mai heiraten wollen, angeschrieben und über die Einschränkungen durch das Coronavirus informiert.

Nicht alle sagen ihre Termine komplett ab, viele wollen sie auch verschieben. Doch das ist nicht so einfach, weiß Lippert. Zum einen unterliegt die förmliche Anmeldung zu einer standesamtlichen Trauung einer gesetzlichen Frist und ist nur sechs Monate lang gültig. Soll ein Ersatztermin also mehr als sechs Monate später stattfinden, muss das Brautpaar daran denken, diese Anmeldung zu wiederholen.

Standesamt will zusätzliche Termine in der kommenden Saison anbieten

Außerdem beginnen ab Mai die stark frequentierten Monate der Hochzeitsbranche. Vor, während und nach den Sommerferien sind auch beim Baden-Badener Standesamt schon viele Termine reserviert. Dort überlegt man deswegen, für die Paare, die jetzt zu einer Verlegung ihrer Trauung gezwungen sind, zusätzliche Termine anzubieten. Lippert ist da zuversichtlich: „Es finden sich bestimmt Ersatztermine.“

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Derzeit lassen sich nur Termine bis Ende 2020 reservieren. Im Herbst werden dann die Termine für das Folgejahr veröffentlicht, erklärt der Standesbeamte das Prozedere: „Da gibt es dann einen Stichtag zur Anmeldung, an dem hier die Telefone heißlaufen.“

Vor dem Hintergrund der Krise überlegen viele, jetzt kurzfristig noch zu heiraten
Günter Lippert, Standesbeamter in Baden-Baden

Überraschenderweise erreichen Lippert neben den Absagen von Trau-Terminen auch vermehrt kurzfristige Anfragen. „Vor dem Hintergrund der Krise überlegen viele, jetzt kurzfristig noch zu heiraten“, sagt er. Was passiert, wenn ein Partner schwer erkrankt? Diese oder ähnliche Überlegungen spielen dabei eine Rolle. „Das macht schon Sinn“, findet Lippert, „das wollen wir dann auch ermöglichen.“

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