Skip to main content

Hausbesuche am Lebensende

Palliativ Team Mittelbaden betreut Todkranke bis zur letzten Minute

Seit zwölf Jahren kümmert sich das Palliativ Team Mittelbaden, kurz „Pa Te“, um die ganzheitliche Pflege und Versorgung todkranker Menschen in ihrer gewohnten Umgebung. Doch Corona stellt die Betreuer vor besondere Herausforderungen.

Ein letzter Wunsch am Lebensende: Viele todkranke Menschen wollen ihre letzten Tage nicht in einer Klinik verbringen, sondern zu Hause sterben. Foto: Jens Wolf/picture alliance/dpa

„Unheilbar krank will fast jeder Mensch so lange wie möglich schmerzfrei in seiner gewohnten Umgebung bleiben. Und dort möglichst im Kreis seiner nächsten Angehörigen in Würde sterben – und nicht auf einer Intensivstation im Krankenhaus“, sagt die Baden-Badener Allgemeinmedizinerin Elke Fischer, die auch Vorsitzende des 2008 gegründeten Palliativ Team Mittelbaden, kurz Pa Te, ist.

Der gemeinnützige Verein macht die ganzheitliche, umfassende Pflege und Versorgung bis zum letzten Atemzug möglich und erfüllt den Todkranken ihren letzten Wunsch.

Pa Te ist eine Initiative von Ärzten, Pflegediensten aus dem Klinikum Mittelbaden, der Arbeiterwohlfahrt, der Diakonie und der Caritas, dem Roten Kreuz und den ambulanten Hospizgruppen. „Mit seinem damals neuen Konzept der engen Kooperation von ärztlicher und pflegerischer Begleitung hat Pa Te die Pflegelandschaft ein Stück weit verändert“, sagt Fischer.

Pa Te hat die Pflegelandschaft ein Stück weit verändert.
Elke Fischer, Palliativärztin und Vereinsvorsitzende

„Aktive Pflegekräfte werden derzeit von der AWO, der Caritas und dem Klinikum Mittelbaden gestellt. Immer ein ambulanter Dienst und ein Arzt haben für jeweils eine Woche Dienstbereitschaft.“

Rund um die Uhr versorgen die Mitarbeiter an 365 Tagen im Jahr todkranke Menschen in den Kreisen Baden-Baden und Rastatt ambulant. Palliativmedizinisch erfahrene Ärzte und Pflegefachkräfte, bei Bedarf auch Therapeuten, Psychologen, Psycho-Onkologen, Seelsorger und ehrenamtliche Hospizhelfer besuchen die Patienten zu Hause, aber auch in einer Pflegeeinrichtung oder im Hospiz.

Corona bringt viele Probleme mit sich

Keinen Hehl macht Fischer daraus, dass sich die Corona-Pandemie stark auf die ambulante Palliativmedizin ausgewirkt hat. „Wir haben die herausfordernde Aufgabe, todkranke Menschen auf ihrer letzten Lebensstrecke zu begleiten, Beschwerden bestmöglich zu lindern, Ängste zu nehmen, Lebensqualität zu erhalten und bis zum Schluss für die Patienten da zu sein.

Menschlichkeit und Nähe gehören zu den Grundsätzen der Palliativmedizin. Das Bedürfnis nach menschlichen Kontakten, nach Gesprächen, Trost oder auch nur nach der Anwesenheit eines anderen ist bei schwerstkranken Menschen oft sehr hoch“, weiß Fischer.

„Eine Berührung kann einem Menschen in Not helfen, eine Umarmung einem Angehörigen Trost spenden. Überhaupt beziehen wir das Umfeld immer in unsere Arbeit mit ein, begleiten und unterstützen die Familien psychosozial und leiten die Angehörigen an, was in Krisen zu tun ist.

Das alles ist aus der Distanz, mit Maske oder Schutzanzug nicht wie gewünscht möglich“, betont Fischer. „Auf der anderen Seite haben wir es nicht nur mit gewöhnlichen Palliativ-Patienten zu tun, sondern versorgen auch Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankt sind und daran sterben werden.

Diese Arbeit ist mit einem deutlich höheren Aufwand unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften, aber auch mit Ängsten auf Seiten der Mitarbeiter verbunden.“

Dies führe dann leider dazu, dass diese todkranken Menschen oft weniger besucht würden und vieles über Telefonate abgewickelt werden müsse, bedauert Fischer.

Auch für die Patienten selbst sei es befremdlich, wenn plötzlich eine Schwester im Schutzanzug bei ihnen auftauche. Abgesehen davon habe sich Corona auch negativ auf die Team-Atmosphäre ausgewirkt.

Negative Folgen für die Atmosphähre im Team

„Im ersten Lockdown hatten wir auf Sitzungen verzichtet. Im zweiten Lockdown treffen wir uns wieder unter Einhaltung aller Regeln und mit FFP2-Masken. Wir halten diesen Austausch für wichtig.“ Alle acht Wochen gebe es zudem eine Supervision, bei der schwierige Situationen besprochen werden.

„Grundsätzlich achten wir zwar auf eine therapeutische Distanz. Aber es gibt auch Patienten, die einem mehr ans Herz gehen als andere, das passiert einfach.“ Mit manchen komme man hingegen nur schwer ins Gespräch, „weil sie ihre Krankheit nicht akzeptieren“.

Andere könnten nicht loslassen, „weil zum Beispiel innerhalb der Familie noch etwas ungeklärt ist“. Immer wieder belastend sei die Arbeit, wenn es sich bei den Betroffene um junge Eltern oder um Kinder handelt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang