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Abschied in den Ruhestand

Pfarrer Jürgen Knöbl aus Baden-Baden fällt der Rückzug schwer

Nach 17 Jahren geht der evangelische Pfarrer der Matthäus-Gemeinde im Februar in den Ruhestand. Er war zuständig fürs Rebland, Sinzheim, Eisental und Weitenung. Die Menschen dort sind ihm ans Herz gewachsen.

Pfarrer Jürgen Knöbl ist vielen Menschen als aufgeschlossene Person in Erinnerung, die andere mit seinem Strahlen anstecken kann. Nun geht er in den Ruhestand.
Pfarrer Jürgen Knöbl ist vielen Menschen als aufgeschlossener Mensch in Erinnerung, der andere mit seinem Strahlen anstecken kann. Nun geht er in den Ruhestand. Foto: Christina Nickweiler

Das Bücherregal im Büro von Pfarrer Jürgen Knöbl ist leer geräumt, Umzugskartons stehen neben dem Schreibtisch. Bücher einpacken und aussortieren heißt es derzeit für den evangelischen Geistlichen, denn nur noch wenige Tage ist er im Amt.

Ab 1. Februar 2024 wird Pfarrer Knöbl im Ruhestand sein. Zuvor, am 21. Januar, findet aber noch ein offizieller Abschiedsgottesdienst in Sinzheim statt.

Mehr als 17 Jahre war Jürgen Knöbl der Pfarrer für die evangelische Kirchengemeinde. Er hat dem Kirchenleben im Rebland, Sinzheim, Eisental und Weitenung mit neuen Gottesdienstformaten auf der Varnhalter Grillhütte auf dem Nellele, im Grünen in Weitenung, Familienkirche und weiteren Neuerungen Auftrieb verliehen.

Jetzt tut ihm der Abschied aus Steinbach, aus dem Rebland weh. Zu sehr sind ihm die Menschen und ihr Wesen ans Herz gewachsen.

Der Anfang im Baden-Badener Rebland war für den Pfarrer schwer

Dabei war das ganz anders, als er im Oktober 2006 im Rebland sein Amt angetreten hatte. Es sei doch ein Neuanfang gewesen. „Ich dachte, ich steige aus dem einen Zug aus und in den anderen ein, dass die Fahrt weitergeht. Aber so war das gar nicht. Der Anfang war schwer“, blickt Pfarrer Knöbl im Gespräch zurück.

„Aber jetzt bin ich hier daheim, deshalb fällt mir der Rückzug schwer“, gesteht Knöbl.

Wo hat seine berufliche Fahrt begonnen? Geboren wurde Jürgen Knöbl im Januar 1957 in Heidelberg, aufgewachsen ist er in Wiesloch.

Nach der Konfirmation hat er durch die Jugendarbeit die vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben der Kirche kennengelernt. „Pfarrer werden, daran habe ich nie gedacht. Ich bin irgendwie reingewachsen“, erzählt er.

Immer wieder haben Wegbegleiter ihm nahegelegt, den Beruf des Pfarrers zu ergreifen, so dass er nach dem Abitur angefangen hat, evangelische Theologie zu studieren, zuerst in Heidelberg mit den alten Sprachen Latein, Griechisch, Hebräisch, später in Göttingen.

Nach dem Examen 1983 schnupperte er erstmals als Lehrvikar in Ettenheim Schwarzwälder Luft. Nach einer kurzen Zwischenstation in Neckarau, einem Mannheimer Stadtteil, ereilte ihn der Ruf nach Ühlingen/Birkendorf im Kreis Waldshut. Dort blieb er 20 Jahre lang.

In schneereichen Zeiten brummte der evangelische Pfarrer mit dem Allradantriebwagen durch den Schwarzwald zu seinen Schäfchen. Einige Jahre später kam die Gemeinde Bonndorf dazu, weil die kleine Pfarrei unbedingt den Ühlinger Pfarrer, sprich Knöbl, wollte.

Jedenfalls hat Knöbl in Ühlingen eine Kirche gebaut und ein Pfarrhaus gekauft. Erst nachdem seine Tochter – Knöbl hat zwei erwachsene Kinder – das Abitur gemacht hatte, folgte er dem Wunsch der Landeskirche und wechselte seinen Dienstort.

Enge Verbindung zum damaligen katholischen Pfarrer Kurt Hoffmann

Als er 2006 ins Rebland kam, tat er dies fast gleichzeitig mit dem damaligen katholischen Pfarrer Kurt Hoffmann. Beide kannten sich bereits aus Grafenhausen. „Es gab eine enge Verbindung“, erinnert sich Knöbl.

Demnach gab es mit ökumenischen Bibelabenden eine gedeihliche Zusammenarbeit, die 2012 in einer Rahmenvereinbarung gipfelte. In dieser wurde verabredet, dass die bisherige Arbeit weiterhin gepflegt und wenn möglich ausgebaut wird.

Daher würde sich der scheidende Pfarrer mehr kirchliche Themen beim Bildungswerk (BWR) wünschen. „Das BWR entstand aus dem ökumenischen Gedanken heraus. Zum 40-jährigen Bestehen war der evangelische Oberkirchenrat da. Wir haben eine große Feier gemacht“, erinnert sich Knöbl.

Nachdem 2017 nach schwerer Krankheit seine Frau Marga gestorben ist, bekam Pfarrer Knöbl eine Auszeit verordnet. Von Menschen Abschied nehmen, damit war er auch als Priester konfrontiert. „Ich habe an manchen Fällen sehr lange zu knabbern gehabt, das steckt man nicht weg“, denkt er an einige traurige Episoden.

Ich habe an manchen Fällen sehr lange zu knabbern gehabt.
Jürgen Knöbl
Pfarrer

Als Höhepunkte in Erinnerung blieben Pfarrer Knöbl hingegen die Feier zum 50-jährigen Bestehen des evangelischen Kirchengebäudes in Steinbach mit Musik und Umzug vor rund zehn Jahren sowie der Bau des Sinzheimer Gemeindehauses und der Glockenturm.

Dass das Steinbacher Kirchengebäude von der Landeskirche nun mit einem warnenden orangefarbigen Punkt versehen wurde, tut ihm besonders weh. Er sei froh, dass er noch das Nötige habe renovieren lassen. „Jetzt steht die Kirche auf wackligen Füßen“, blickt Knöbl etwas enttäuscht auf die fernbleibenden Gläubigen in seiner Kirche.

Denn das konsequente Fernbleiben am kirchlichen Leben sei mithin die Ursache, dass der Kirchenverkauf drohe, meint er. Er weiß, dass die Pandemie viel kaputt gemacht hat.

„Ich freue mich, dass ich gehen kann.“ Denn die Diskussionen der vergangenen Jahre, dass die Kirche bis 2032 30 Prozent Personal und Gebäude zurückbauen müsse, sei schlimm.

Künftig wird Knöbl in Gaggenau in der Nähe seiner Tochter wohnen. Bis für das neue Schuljahr die Pfarrstelle besetzt werden kann, werden Pfarrerin Mirjam Keim aus Baden-Oos und Pfarrer Götz Häuser aus Bühl die Vertretungen übernehmen.

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