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Hilfe in der Not

Pflegestützpunkt Baden-Baden feiert zehnjähriges Bestehen

Was tun, wenn in einer Familie ein Pflegefall auftritt? Nicht selten sind die Angehörigen erst einmal ratlos. Aber es gibt Rat. Seit nunmehr zehn Jahren hilft der Pflegestützpunkt Baden-Baden mit kompetenter Beratung rund um das Thema Pflege weiter.

Margret Mergen, Tanja Fröhlich und Roland Kaiser Foto: Karl-Heinz Fischer

Oft sind es die Frauen in einem Haushalt, die sich ein Bein ausreißen, um einem Pflegebedürftigen das stationäre Pflegeheim zu ersparen“, sagt Oberbürgermeisterin Margret Mergen in einem Gespräch zum zehnjährigen Bestehen des Pflegestützpunkts Baden-Baden, der auch und gerade in solchen Fällen Hilfestellung bietet.

Gleichwohl ist der mit drei Mitarbeitern besetzte Stützpunkt gut ausgelastet. Zwischen 600 und 700 Erstkontakte kommen jedes Jahr zustande, dazu kommen rund 500 Hausbesuche, berichtet Tanja Fröhlich, die Leiterin des Pflegestützpunkts. Angestoßen werden diese Kontakte meist durch Angehörige, seltener durch die Betroffenen selbst.

Bei diesen Gesprächen geht es zunächst einmal vor allem um die ambulante Versorgung und um Möglichkeiten einer Entlastung, wichtige Themen sind aber auch Leistungsansprüche bei der Pflegeversicherung, Informationen über Versorgungsanbieter, die Finanzierung der Pflege und nicht zuletzt auch die Demenz einiger Betroffener.

Wo kann der Pflegestützpunkt helfen?

An zwei typischen Fallbeispielen erläuterte Tanja Fröhlich die Arbeit des Pflegestützpunkts: Im ersten Fall geht es um eine bis zu ihrer Krebserkrankung sehr leistungsfähige 69-jährige Frau, die ihre schmale Rente mit einem Nebenjob aufgebessert hatte, was nun aufgrund der Erkrankung nicht mehr möglich war.

Die Probleme, die der Pflegestützpunkt in Zusammenarbeit mit einschlägigen Institutionen zu lösen hatte, betrafen die Wohnung, den Antrag auf Grundsicherung, eine Haushaltshilfe, Essen auf Rädern und die Unterstützung bei Anträgen, etwa beim Pflegeantrag. Die Frau zog ins Betreute Wohnen um, wo sie ambulant versorgt wird und die Finanzierung der Hilfen ist durch die Einstufung in einen Pflegegrad bei der Pflegeversicherung geklärt.

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Das zweite Fallbeispiel, das Fröhlich vortrug, betrifft einen 83 Jahre alten, allein im eigenen Haus lebenden Mann, der unter Demenz leidet und Hilfe ablehnt. „Das kommt gar nicht so selten vor“, weiß Fröhlich. Der Mann war nicht nur verwahrlost und unterernährt und hat seine Medikamente nicht genommen, er kam auch mit seinen schriftlichen Angelegenheiten nicht mehr zurecht.

In Zusammenarbeit mit den Angehörigen, einer Alltagsassistentin, einem Pflegedienst, einem Mahlzeitendienst und einem Hausnotruf konnte erreicht werden, dass der Mann bei 24-Stunden-Versorgung weiter in seinem Haus leben kann.

Pflegestützpunkt übernimmt kostenlose Lotsenfunktion

Eingerichtet werden konnte der Pflegestützpunkt vor zehn Jahren, nachdem der Landesverband der gesetzlichen Pflegekassen einen Vertrag mit den Kommunalen Landesverbänden abgeschlossen hatte. Demnach übernehmen die Pflegekassen zwei Drittel der Kosten, den Rest trägt die Stadt. „Der Pflegestützpunkt erfüllt eine kostenlose Lotsenfunktion und ist eine neutrale Anlaufstelle für hilfs- und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige“ betont Mergen.

Bürgermeister Roland Kaiser skizzierte die Entwicklung der Einrichtung, die von der Sozialpädagogin Tanja Fröhlich aufgebaut und von Anfang an geleitet wird. Seit seiner Eröffnung am 1. März 2011 hat das Team um Tanja Fröhlich sein Tätigkeitsfeld immer erweitert und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

Zunehmend wichtig, so Kaiser, würden dabei die Hilfsangebote rund um das Thema Demenz. Dazu verwies er unter anderem auf den bereits 2012 erfolgten Aufbau einer niederschwelligen Betreuungsgruppe und das Demenzcafé „Vergiss Dich nicht“ im Mehrgenerationenhaus Scherer Kinder- und Familinzentrum in der Cité.

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