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Erstmals seit 2016

Philharmonische Parknacht lockt tausende Menschen nach Baden-Baden

Die Lichtentaler Allee in Baden-Baden ist am Samstag zum Schauplatz eines Riesen-Events geworden: Tausende Menschen lauschten der Baden-Badener Philharmonie und dem Solisten Kiril Manolov. Für den Dirigenten Pavel Baleff war es das letzte Konzert mit dem Orchester.

Viele Menschen sitzen in einem Park.
Viel los: Die Lichtentaler Allee wurde zum Schauplatz eines riesigen Open-Air-Events. Die Zuschauer brachten teilweise sogar Stühle, Tische und Verpflegung mit oder saßen auf Picknickdecken. Foto: Monika Zeindler-Efler

Je dunkler es wird, desto mehr ähnelt die Lichtentaler Allee in Baden-Baden einem Märchenwald. Scheinwerfer lassen die Bäume in Rot, Violett, Grün und Gelb erstrahlen. Immer wieder liegt der Geruch von Parfüm in der Luft – und die mal leisen, mal bombastischen, mal nachdenklichen Klänge der Baden-Badener Philharmonie.

Die Philharmonische Parknacht lockt am Samstag bei sommerlichen Temperaturen tausende Menschen in die weltberühmte Baden-Badener Gartenanlage. Es ist für die Philharmonie nicht nur der Abschluss der Saison.

Es ist auch das letzte Konzert mit dem Chefdirigenten Pavel Baleff, der ab Herbst als Musikdirektor an der Oper Limoges im französischen Zentralmassiv sowie als Generalmusikdirektor des Theaters Nordhausen und des Loh-Orchesters Sondershausen im Südharz agieren wird.

Ein Dirigent steht auf einer Bühne.
Emotionaler Abschied: Pavel Baleff war 15 Jahre lang Chefdirigent bei der Philharmonie Baden-Baden. Die Philharmonische Parknacht war sein letztes Konzert in dieser Funktion. Foto: Monika Zeindler-Efler

Deshalb wollen ihn auch Bettina und Friedhelm Krümmel aus Steinbach noch einmal live mit der Baden-Badener Philharmonie erleben. Die beiden haben es sich rund 50 Meter vor der Bühne gemütlich gemacht.

Sie sitzen auf Campingstühlen, vor ihnen steht ein Tisch mit Kerzen. „Wir sind zum dritten Mal, aber zum ersten Mal mit einem Tisch hier“, sagt Bettina Krümmel und lacht. „Zum Abschlusskonzert von Baleff wollen wir es nochmal wissen.“

Ich habe heute extra aufs Fußballschauen verzichtet.
Friedhelm Krümmel, Besucher aus Steinbach

Damit sind sie nicht allein. Im nicht bestuhlten Bereich vor der Bühne sitzen zahlreiche Familien und Paare an teils reich gedeckten Tischen. Auch die Krümmels haben Paprika, Käse, Oliven, Melone und einen Rosé mit dabei.

„Wir sind voll eingedeckt“, sagt Bettina Krümmel. Alles herzutragen sei ein bisschen anstrengend gewesen, aber habe sich gelohnt. Ihr Mann betont: „Ich habe heute extra aufs Fußballschauen verzichtet, um mit meiner Frau hierherzukommen.“

Wenige Meter entfernt stehen Birgit und Frank Vollmer aus Kuppenheim. Auf Frank Vollmers schwarzem Shirt prangt auf der Rückseite die Aufschrift „Rock Rebel“. Ein Rocker bei einer Opernnacht? Passt das zusammen? Vollmer lacht und betont: „Ja klar, es geht beides. Das eine schließt das andere nicht aus.“ Er gibt aber zu, dass seine Frau daheim mehr klassische Musik höre als er.

Zum ersten Mal seien sie 2016 bei dem kostenlosen, riesigen Open-Air-Event dabei gewesen, erklärt Birgit Vollmer. „Wir freuen uns, dass die Parknacht nach einer langen Pause jetzt endlich wieder stattfindet.“

Philharmonische Parknacht: Als Solist ist Kiril Manolov dabei

Derweil spielt das 36-köpfige Orchester gerade die letzten Töne der Ouvertüre aus Gioacchino Rossinis Oper „Il Barbiere di Siviglia“. Dann ergreift Ines Pasz das Wort.

Die bekannte SWR2-Moderatorin führt durch den Abend und gibt einen Einblick ins rund zweistündige Programm: Als Nächstes spiele das Orchester unter anderem Auszüge aus Giuseppe Verdis „Otello“, „Macbeth“ und „Falstaff“. Es sei etwas ganz Besonderes, als Solisten den aus Sofia stammenden und international erfolgreichen Bariton Kiril Manolov dabei zu haben.

„Bei der Oper Otello geht es um die ganz großen Themen: Rache, Liebe und Ehre“, so Pasz. Mit seinem Gesang drücke Manolov dabei auch menschliche Abgründe aus. Schließlich setzt das Orchester wieder ein und nimmt die Zuhörer mit auf eine emotionale Reise.

Diese Reise erleben die Anwesenden ganz unterschiedlich. Viele Familien sitzen auf Picknickdecken und Campingstühlen. Andere wiederum flanieren durch die Allee, in der es nur so von Menschen wimmelt. Und manche liegen unter den illuminierten Bäumen und schauen in die farbig beleuchteten Kronen.

Wir haben ihm so viel zu verdanken.
Dietmar Späth, Oberbürgermeister

Die „ganz besondere Atmosphäre“ hebt auch Oberbürgermeister Dietmar Späth (parteilos) später in seiner Ansprache hervor. „Es ist der schönste Platz, die schönste Stadt und das beste Orchester“, sagt er. Bei seiner Rede wird auch deutlich, dass die Veranstaltung wesentlich von Pavel Baleffs Abschied geprägt ist.

Baden-Badens Oberbürgermeister Dietmar Späth bedankt sich bei Pavel Baleff

Späth betont: „Wir haben ihm so viel zu verdanken.“ Vor 15 Jahren sei er mit ganz klaren Ideen und Vorstellungen nach Baden-Baden gekommen. Die Philharmonie sei unter ihm qualitativ sehr gewachsen und „inzwischen nicht nur deutschlandweit, sondern europaweit, wenn nicht sogar weltweit gefragt, um die weltberühmtesten Solisten zu begleiten. Die Philharmonie ist ein Aushängeschild von Baden-Baden.“

Nach Späths Ansprache spielt das Orchester als Zugabe einen Auszug aus Verdis „Falstaff“-Oper. Im Anschluss scheint der Applaus nicht mehr enden wollen. Auch Peter Tielker ist begeistert. „Baleff ist ein ganz toller Dirigent und der Sound beim Konzert war spitze“, sagt der Toningenieur vom SWR, der das Konzert mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und seiner Schwiegermutter besuchte. „Es waren gefühlt so viele Menschen da wie noch nie. Das will schon was heißen.“

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