Skip to main content

Jahresrückblick

Baden-Badener Schulleiter hat Corona-Ausmaß nicht erwartet: „Am schlimmsten betroffen waren die zehnten Klassen“

Die Schulen standen im Coronajahr immer wieder im Fokus. Homeschooling, Abiturprüfungen und Abstandsregeln - jeder schien eine Meinung zu haben. Ein Baden-Badener Schulleiter beichtet, was hinter den Kulissen los war.

Immer auf dem neuesten Stand: Matthias Schmauder kannte jede Corona-Regel für die Schulen. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Für Matthias Schmauder führt kein Weg daran vorbei: Der Geschäftsführende Schulleiter der Baden-Badener Gymnasien muss über die aktuellen Corona-Verordnungen immer auf dem neuesten Stand sein. Und alles daran setzen, sie zeitnah im Richard-Wagner-Gymnasium, dessen Direktor er ist, einzuhalten.

Von kleinen Ärgernissen wie Flyern, die sogenannte „Querdenker“ auf dem Lehrerparkplatz verteilen, lässt er sich nicht beirren. Stattdessen zitiert er die Wünsche der Corona-Leugner nach Kultur und Kunstveranstaltungen und hofft, diese nach der Pandemie – vielleicht im nächsten Schuljahr in Form von Schulveranstaltungen – wieder erfüllen zu können.

Bis es jedoch so weit ist, versucht er mit immer neuen Methoden, den Kindern den Schulalltag zu erleichtern. „Wir testen gerade Raumluftgeräte, damit wir eventuell weniger lüften müssen“, erklärt Schmauder.

Anspannung bei der Begrüßung der neuen Fünftklässler

Dass er sich im Dezember immer noch mit Corona-Themen plagt, erwartete Schmauder vor dem ersten Lockdown im Frühjahr nicht. Zwar merkte er bereits bei der Anmeldung der neuen Fünftklässler, wie angespannt die Lage ist: „Wir gaben uns nicht die Hand.“

Mit der anstehenden Schulschließung von neun Wochen rechnet er nicht. „Am schlimmsten betroffen waren die zehnten Klassen“, meint Schmauder. Während die Abiturienten mit dem Stoff durch sind, verpassen die Zehntklässler einen Großteil ihrer Vorbereitung auf die anstehende Kursstufe.

„Zum Glück sind die Gymnasien in Baden-Baden virtuell sehr gut ausgestattet“, meint Schmauder. So können die Lehrer von Anfang an mit einem schuleigenen Laptop den Unterricht gestalten. Die Schüler hingegen sind nicht so gut ausgestattet, erinnert sich der Direktor: „Viele haben nur ein Handy.“ Außerdem verwenden die Lehrer zu Beginn noch unterschiedliche Video-, Messenger- und E-Learning-Systeme. „Das verwirrt die Eltern“, betont Schmauder. Mittlerweile seien die Prozesse vereinheitlicht worden und allen Schülern mit Bedarf habe die Stadt ein Tablet zur Verfügung gestellt, berichtet der Schulleiter.

Schöne Momente trotz Stress

In all dem Stress und der Sorge erlebte der Direktor aber auch schöne Momente. „Besonders toll war die Zusammenarbeit mit den Elternbeiratsvorsitzenden“, lobt er. Diese hätten von Anfang an die Fragen der anderen Eltern abgefangen und nur solche weitergeleitet, die sie selbst nicht beantworten konnten – im ganzen Trubel rund um neue Raum- und Lüftungskonzepte eine enorme Erleichterung für Schmauder.

Als die Schule im Sommer wieder mit Präsenz-Unterricht startete, kam der Virus zum ersten Mal gefährlich nah. An einem Freitagnachmittag meldeten gleich zwei Schüler, dass sie positiv getestet wurden. „Wir haben den ganzen Abend und Samstag damit verbracht, Listen für das Gesundheitsamt zu erstellen“, erinnert sich Schmauder, der sich streng an die Vorgaben der Landesregierung hält.

Unterdessen arbeiteten die Eltern der Schüler in anderen Unternehmen mit anderen Hygienekonzepten. „Mich erreichten viele Verbesserungsvorschläge“, sagt Schmauder und ergänzt: „Viele verschiedene.“ Diese umzusetzen und auf die Schule anzupassen, sei jedoch nicht möglich: „Jeder erlebt die Pandemie aus der eigenen Perspektive, aber niemand anders aus der Sicht einer Schulleitung.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang