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Clean-up-Days

Naturfreunde aus Baden-Baden befreien den Schwarzwald vom Müll

Bereits zum zweiten Mal findet im Schwarzwald ein Clean-up-Day statt. Freiwillige sind dabei aufgerufen, den Wald von Müll zu befreien. Auch die Baden-Badener Instagrammerin Sabine Hötzel ist dabei.

Sabine Hötzel
Die Baden-Badenerin Sabine Hötzel macht auf ihrem Instagram-Kanal auf den Müll im Wald aufmerksam. Nun macht sie bei den Schwarzwald Clean-up-Days mit. Foto: Sabine Hötzel

Tüte schnappen, eine Zange und schon kann es losgehen. Was nicht in die Natur gehört, das muss weg. Am Meer werden Plastikflaschen aus dem Wasser gefischt.

Aber auch hierzulande ist es Wohlstandsmüll, der oftmals achtlos in die Botanik entsorgt wird und nun beim zweiten Schwarzwald Clean-up-Day breitflächig beseitigt werden soll.

Bei dem gemeinschaftlichen Aufräum-Event wird auch – wie schon im Vorjahr - die Baden-Badenerin Sabine Hötzel am Start sein.

Baden-Badenerin sammelt mit ihrem Eimer Müll im Wald

„Bei mir ist im Grunde immer Clean-up-Day.“ Eine echte Herzenssache. Mit der Familie verbringe sie viel Zeit in der Natur und hat es sich längst zur Gewohnheit gemacht, einzusammeln, was andere liegenlassen. Dabei habe sie üblicherweise keine Müllbeutel bei sich.

„Ich nehme einen Eimer mit.“ Vieles, was ihr in den Weg komme, lasse sich damit besser handeln. Glasscherben etwa. Auch alte Flaschen und Getränkeverpackungen. Bei ihren Exkursionen hat sie Dinge entdeckt, die noch viel erschreckender sind. Erschreckend deshalb, weil sie im Wald, wo sie nun mal nicht hingehören, kaum verrotten.

„Ich habe zum Beispiel alte Capri-Sonnen gefunden, die bis zu den 1980er Jahren haltbar waren.“ Ganz ähnlich verhalte sich das mit Bonbontüten. Ganz weit oben auf ihrer Liste steht allerdings eine Flasche Bügelfrei aus den 50er-Jahren. „Ich habe kaum Abnutzungsspuren entdeckt und fast voll war die Flasche außerdem noch.“

Familie rückt jedes Wochenende zum Müllsammeln aus

Plastik löst sich nicht auf, zerfällt irgendwann allenfalls zu Mikroplastik. Genau das sei weder im Meer noch im Wald und schon gar nicht in der Nahrung von Mensch und Tier erwünscht. Die Sache mit den vermüllten Ozeanen, die tut Sabine Hötzel besonders weh.

Auch hier könne man natürlich etwas tun, erzählt sie von ihren eigenen Aktivitäten. „Ich bin auch oft an der Murg unterwegs.“ Denn was hier angeschwemmt und bei nächster Gelegenheit wieder mitgetragen wird, endet letztlich im Meer, sagt sie.

Also rückt die Familie an fast jedem Wochenende aus. Angesprochen auf die Ausbeute innerhalb doch relativ kurz scheinender Intervalle, gibt sie eine unmissverständliche Antwort: „Könnte ich mehr tragen, würde ich mehr einsammeln.“

Baden-Badenerin möchte Vorbild für ihre Kinder sein

Diese Vorbildfunktion ist dem fünf- und achtjährigen Nachwuchs längst in Fleisch und Blut übergegangen. „Beide sammeln emsig mit.“ Das ist ihr als Mutter wichtig.

Ich habe zum Beispiel alte Capri-Sonnen gefunden, die bis zu den 1980er Jahren haltbar waren.
Sabine Hötzel, Müllsammlerin aus Baden-Baden

„Man kann Kindern nicht nur leere Worte mit auf den Weg geben und dann einen großen Schritt über den Müll machen, wenn er am Boden liegt.“ Ruhig mal bücken, rät sie Spaziergängern. „Es mag zwar nicht der eigenen Abfall sein, aber es ist doch unsere Natur!“

Sich in dieser Hinsicht einzubringen, die Abwechslung von der Schreibtischarbeit auf diese Weise zu finden, sei eine generelle Haltung, die jetzt einen guten Startschuss für Freiwillige findet. Die nächsten Clean-up-Days Schwarzwald stehen im Mai an.

Müllsammler treffen sich zum Abschlussevent in Freiburg

Schon im Vorjahr war der Aufruf ein echter Erfolg, erzählt Sabine Hötzel von mehr als 1.000 Einheimischen aber auch Gästen, die mitgemacht haben. Dabei waren 45 Orte als Ausgabe- und Müllsammelstellen beteiligt. Wie das in diesem Jahr wird, lässt sich im Internet nachlesen.

Wer sich anmeldet, erfährt automatisch, wo er sein Clean-up-Kit abholen und später den gefundenen Müll abgeben kann. Das gelte auch für das große Abschlussevent am 28. Mai in Freiburg, zu dem alle Müllsammler eingeladen sind. Auch hierzu gibt es auf der Homepage weitere Infos.

Die Initiatoren Dominik und Paulus aus Freiburg waren es übrigens, die die „Plasticfree Peaks-Bewegung“ vor einem Jahr in den Schwarzwald gebracht haben – inspiriert von einer entsprechenden Aktion, die im Allgäu durchgeführt wurde. Inzwischen zieht die Geschichte respektable Kreise.

Schwarzwald Clean-up-Days könnten zum größten Kollektivevent Deutschlands werden

Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) in Freiburg ist mittlerweile Partner geworden. So sei man letztlich sogar gemeinsam noch einen Schritt weiter gegangen. Die STG fungiert nun als Schirmherr. Also hoffen die Initiatoren, dass sich diese Geschichte durch die gute und enge Zusammenarbeit aber auch dank einer Reihe von Partnern und Förderern vielleicht zum größten kollektiven Cleanup-Event in Deutschland entwickeln könnte.

Und wer weiß, ob es nicht bei dem ein oder anderen die gleiche Sogwirkung hat wie bei den Hötzels. „Einmal angefangen, wird es zur Alltagsroutine.

Plötzlich sieht man immer und überall Müll“, stellt Sabine Hötzel eine einfache Rechnung auf, die zu denken geben sollte. „Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie riesig der Berg wäre, wenn jeder von uns nur ein einziges Stück aufhebt?“

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