Skip to main content

Weitere Ladestationen für Elektroautos geplant

Stadtwerke Baden-Baden haben einen Förderantrag für eine Schnellladestation gestellt

AC/DC in Baden-Baden? Nein es geht nicht um die australische Hardrockband. Vielmehr sollen Gleichstrom-Schnellladestationen (DC) auf Wechselstromladepunkte (AC) für E-Autos folgen.

Einmal aufladen: In Baden-Baden gibt es derzeit 35 öffentliche Ladepunkte, um den Akku eines Elektroautos aufzuladen. Foto: Bernd Kamleitner

Ein Konzert der australischen Hardrockband AC/DC in der Bäderstadt Baden-Baden? Das wäre ein echter Hammer. Doch wenn bei den Stadtwerken über AC (Wechselstrom) und DC (Gleichstrom) gesprochen wird, hat das nichts mit Gitarrist Angus Young und seinen Kollegen zu tun. In diesem Fall geht es vielmehr um öffentliche Ladestationen für Elektroautos. In der Bäderstadt gibt es derzeit nur sogenannte AC-Ladepunkte. Künftig soll aber eine DC-Ladeinfrastruktur mit der Möglichkeit des Schnellladens an der Oos geschaffen werden.

Beim Aufbau hofft das kommunale Energieversorgungsunternehmer auf Fördermittel. Ein entsprechender Antrag ist gestellt, bestätigte Stadtwerkechef Helmut Oehler den Kommunalpolitikern in der Sitzung des Betriebsausschusses. Derzeit verfüge die Bäderstadt über 35 AC-Ladepunkte. „Das ist für eine Stadt wie Baden-Baden eine respektable Zahl“, findet Oehler. Doch der Trend gehe zu den Schnellladestationen (DC). Der Haken: Die sind wesentlich teurer als die bislang vorhandenen Ladepunkte.

Eine AC-Station mit zwei Lademöglichkeiten kommt auf etwa 10.000 Euro, eine DC-Station kostet das Zwei- bis Dreifache, weil eine Transformatorstation den Wechselstrom (AC) des Stromnetzes, den auch die Haushalte beziehen, in Gleichstrom (DC) umwandeln muss. An der Wechselstrom-Station nimmt der Ladevorgang deutlich mehr Zeit in Anspruch.

Der Akku eines durchschnittlichen E-Autos wird dort in etwa 25 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen. Das „Volltanken“ erfordert Stunden.Wenn der Wagen ohnehin geparkt ist, ist das kein Problem. Für das Zurücklegen längerer Strecken werden von den E-Auto-Lenkern hingegen Schnellladestationen bevorzugt.

Klimafreundlich unterwegs: ein Elektrofahrzeug der Stadtverwaltung. Sie hat derzeit 23 E-Auto im Einsatz. Foto: Bernd Kamleitner

6.787 Kilowattstunden getankt

Die Stromabgabe hat sich an den öffentlichen Ladepunkten an der Oos ordentlich nach oben entwickelt. Im Oktober des vergangenen Jahres waren es 1.267 Kilowattstunden, im Oktober 2020 dagegen schon 6.384. Seit September 2019 hatte die Abgabe zunächst kontinuierlich zugenommen. Die Delle kam im März und im April – das waren Auswirkungen des coronabedingten Lockdowns. Im Mai war an den Säulen schon wieder etwas mehr los.

Mit 6.787 Kilowattstunden wurde in der Ferienzeit im August die höchste Abgabe registriert, im September waren es auch noch 6.752. Im November wird – auch wegen des teilweisen Corona-Lockdowns – wieder ein deutlicher Rückgang erwartet. Beliebteste öffentliche Ladestation ist die am Gausplatz. Auch die Säulen an den Kurhaus-Kolonnaden und am Festspielhaus-Parkplatz sowie in der Vincenti-Garage werden gut angenommen, berichtete Oehler.

Im Fuhrpark der Stadtverwaltung sind derzeit 23 Elektroautos im Einsatz. Zwei weitere E-Wagen stehen auf der Beschaffungsliste. Die Stadtwerke arbeiten ferner an einem Elektromobilitätskonzept, in das auch das Gewerbe mit Pflege-, Liefer und Beförderungsdiensten einbezogen werden soll. Ob dagegen künftig auch Müllfahrzeuge wie in Berlin auch an der Oos elektrisch fahren, wollte SPD-Rat Werner Henn wissen. Das steht noch in den Sternen. „Wir beobachten den Markt“, antwortete Oehler.

Ausbaufähige E-Auto-Quote

Die E-Auto-Quote ist in Baden-Baden noch ausbaufähig. Anfang November waren von den im Stadtkreis zugelassenen 46.450 Fahrzeugen 307 Elektroautos. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Stand Ende des Jahres 2017 (65) immerhin nahezu verfünffacht und im Vergleich zum Jahr 2019 (158) nahezu verdoppelt. Weitaus öfter anzutreffen sind Hybridfahrzeuge. Ihr Bestand hat sich von 218 (31.12.2017) bis zum Jahresende 2019 (528) mehr als verdoppelt. Der Trend hält an: Im November waren 852 Fahrzeuge mit Hybridantrieb zugelassen.

Der Aufbau eines Netzes an Ladestationen für Fahrrad-Akkus ist dagegen derzeit nicht geplant. „Wir sehen im Moment den Bedarf nicht so ausgeprägt“, entgegnete der Stadtwerkechef auf eine Anfrage von Rolf Pilarski (FDP). Fahrradboxen, die am Bahnhof in Oos angemietet werden können, bieten allerdings bereits eine Lademöglichkeit. Ein Nachteil ist wohl die stundenlange Ladedauer.

Nutzer von Rädern mit Elektroantrieb haben in der Regel vielfach für den Fall der Fälle einen Ersatz-Akku parat. Pendler, die mit dem E-Bike oder Pedelec zur Arbeit fahren, haben noch eine Alternative: „Die nehmen den Akku zum Aufladen mit ins Büro“, weiß Oehler. So erzeugen auch sie keine Nachfrage nach einer öffentlichen Ladestation.

Moderne Akkus für Zweiräder hätten zudem „gute Laufzeiten“, meinte SPD-Rat Werner Schmoll. Auch in der fahrradfreundlichsten Stadt der Welt, in der dänischen Metropole Kopenhagen, seien die aus einem wesentlichen Grund daher nicht erforderlich: „Die Radfahrer planen ihre Fahrt“, sagte Schmoll.

nach oben Zurück zum Seitenanfang