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Kinoabenteuer

Bilder aus der Region: Kinofilm „Nachtwald“ wurde in Baden-Baden und im Murgtal gedreht

In Baden-Baden und im Murgtal wurde ein Kinder- und Jugendfilm gedreht. „Nachtwald“ läuft ab sofort im Kino. Wie die Produktion die Drehorte fand.

Szenenfoto. Paul (Levi Eisenblätter) und Max (Jonas Oeßel) sind beste Freunde. Zusammen hauen sie, mit einem waghalsigen Plan im Gepäck, von Zuhause ab.
Szenenfoto: Paul (Levi Eisenblätter, rechts) und Max (Jonas Oeßel) sind beste Freunde. Zusammen hauen sie, mit einem waghalsigen Plan im Gepäck, von zu Hause ab. Foto: Felix Meinhardt

Der preisgekrönte Kinder- und Jugendfilm „Nachtwald“, gedreht in Baden-Baden und im Murgtal, kommt an diesem Donnerstag bundesweit in die Kinos.

Produziert wurde er von der Baden-Badener Firma Kurhaus Production in Kooperation mit dem SWR und dem NDR sowie mit Unterstützung durch die Filmförderungen MFG, BKM und DFFF.

Das Drehbuch schrieben Katrin Milhan und André Hörmann, die auch Regie führten. Christoph Holthof von Kurhaus Production schildert im Interview mit den BNN, wie es zu dem Projekt kam, warum „Nachtwald“ in der Region gedreht wurde und was den Film zu einem Kinoabenteuer für die ganze Familie macht.

Wie entwickelte sich „Nachtwald“ von der Ursprungsidee zu einem Film, der mit Preisen quasi überhäuft wurde?
Christoph Holthof

Mit der Idee kamen Katrin und André auf uns zu, und zwar im Kontext mit der Initiative „Der besondere Kinderfilm“. Deren Ziel ist es, originäre Kinderfilme zu entwickeln – also solche, die nicht auf Romanvorlagen oder bekannten Marken basieren. Tatsächlich erhielten wir den Zuschlag für „Nachtwald“. Im Wesentlichen lebt der Film von großartigen Naturaufnahmen im Zusammenspiel mit teils hochspannenden Abenteuern von zwei Freunden, und wir dachten uns schon, dass wir damit ein breites Publikum begeistern dürften. Das großartige Echo bei deutschen wie internationalen Festivals, wo der Film lief, hat uns dann aber doch überrascht.

Waren die Schauplätze von Beginn an definiert?
Holthof

André kommt von der Schwäbischen Alb und ist dort auch noch stark verwurzelt. Eigentlich hatte er beim Drehbuch an seine Heimat gedacht. Da unsere Firma aber in Baden-Baden ansässig ist und wir uns hier bestens auskennen, haben wir ihm vorgeschlagen, gemeinsam auf Motivtour zu gehen. Er war danach absolut begeistert und einverstanden, dass wir hier drehen. Das hat sich bewährt, und ich bin sicher, dass wir mit dem Film auch für den Schwarzwald werben: Bei den Festivals jedenfalls wurden wir häufig gefragt, wo die fantastischen Naturaufnahmen entstanden sind. Konkret haben wir zwischen Forbach und Raumünzach, in Reichental, Geroldsau, Varnhalt, Hügelsheim, am Waldenecksee und bei der Staustufe Iffezheim gedreht. Wir wurden meist mit offenen Türen empfangen. Für einige wenige Szenen sind wir in den Harz und zu den Triberger Wasserfällen gefahren.

Wie kam es dazu?
Holthof

Im Schwarzwald fanden wir keine Höhle, die Wasser führt und zugleich groß und sicher genug für ein ganzes Filmteam ist. Die Höhle hat im Film aber große Bedeutung: Es geht um zwei beste Freunde; der Vater von einem der beiden ist seit über einem Jahr verschwunden, hinterließ aber Aufzeichnungen von einer sagenumwobenen Höhle in den Bergen. Im Dorf hält man ihn für verrückt. Für den Jungen ist es umso wichtiger, die Höhle zu finden und zu zeigen: Sein Vater hatte Recht! Die Jungs hauen also von zu Hause ab – und müssen über sich hinauswachsen, um in der Wildnis zu bestehen. Triberg wiederum ergab sich, weil wir an hiesigen Wasserfällen keine Dreherlaubnis erhielten.

Woher stammen die jungen Hauptdarsteller, Levi Eisenblättler und Jonas Oeßel?
Holthof

Aus Berlin und Köln. Die groß angelegten Castings liefen bundesweit über eine Hamburger Agentur. Bei Levi und Jonas war relativ schnell klar: Die sind’s! Die Chemie passte, und sie sind während der gesamten Dreharbeiten im Spätsommer 2020 total gut miteinander klargekommen. Von ihren Schulen waren sie freigestellt worden und genossen den Spätsommer im Schwarzwald sehr. Ihre Eltern durften sie ja begleiten, und die Familien waren auch privat unterwegs. Die Pandemie machte den Dreh aber ein wenig zäh: Bei manchen Behörden stießen wir erst auf Verunsicherung, ob sie unsere Arbeit genehmigen durften. Vieles dauerte länger als sonst.

Wo sehen Sie die Stärken des Films?
Holthof

Er ist ein wenig wie ein Roadmovie, nur spielt er eben nicht auf der Straße. Die Geschichte wird eher langsam erzählt, ist aber voller Humor und Spannung. Und der Wald ist im Grunde ein Darsteller, weit mehr als Kulisse. Uns war bei der Entwicklung und Umsetzung des Stoffs sehr wichtig, dass der Film die ganze Familie anspricht und jeder berührt aus dem Kino geht. Aus eigener Erfahrung als Vater weiß ich, dass das bei vielen aktuellen Kinder- und Jugendfilmen nicht so ist. Ich denke, dieses Ziel haben wir mit „Nachtwald“ erreicht. Eine Garantie dafür, dass er die Säle füllt, haben wir in diesen Zeiten natürlich nicht: Corona hat dazu geführt, dass die Menschen sich vom Kino entwöhnt haben. Manche hatten auch schlichtweg Angst vor geschlossenen Räumen, das ändert sich jetzt erst wieder. So ergab sich ein Stau von Filmen, die in die Kinos müssen. Aber „Nachtwald“ wird bis ins Frühjahr hinein in verschiedenen Kinos der Region laufen, der Film hat also Zeit, sich zu entwickeln.

Wird es anlässlich der Premiere eine kleine Feier geben?
Holthof

Tatsächlich werden wir zum Kinostart mit den Hauptdarstellern ins Cineplex Baden-Baden kommen, und zwar zur Vorstellung am Freitag um 17.30 Uhr. Und am Samstag um 16.30 Uhr sind wir dann noch in der Schauburg in Karlsruhe. Wir haben einige geladene Gäste, es gibt aber auch einen regulären Kartenverkauf. Für die Menschen aus der Region ist es sicher etwas Besonderes, in den starken Bildern von „Nachtwald“ ihre Heimat wiederzufinden. Freigegeben ist der Film übrigens ab sechs Jahren, ich empfehle ihn aber eher ab acht oder neun.

Kurhaus Production

Unternehmen: Die Firma Kurhaus Production ist eine freie Filmproduktion, die im Frühjahr 2007 von Christoph Holthof und Daniel Reich gegründet wurde. Der Firmensitz befindet sich in Baden-Baden. Kurhaus Production entwickelt und realisiert Dokumentar- und Spielfilme für Kino und Fernsehen, die „den Blick für große Geschichten an kleinen Orten öffnen“.

Kooperationen: Sie kooperiert dabei mit Fernsehsendern wie Arte, SWR, ZDF und ARD. Im laufenden Jahr wurde sie mit der Produktion des Weihnachtsmärchens im Ersten beauftragt: Für die ARD-Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“ drehte sie „Die Gänseprinzessin“. Sendetermin ist am 26. Dezember. Ein zweiter Spielfilm – „Jonja“, derzeit noch im Schnitt –, entstand am Bodensee.

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