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Verein war lange heimatlos

Schützenvereinigung Steinbach wird 160 Jahre alt

Die Schützenvereinigung Steinbach von 1863 wird 160 Jahre alt. Trotzdem begann der Bau eines eigenen Schützenhauses in Eigenarbeit erst vor 50 Jahren.

Seit der Feier zum 150-jährigen Bestehen vor zehn Jahren gelingt es den Schützen immer wieder, mit besonderen Veranstaltungen auf sich aufmerksam zu machen.
Seit der Feier zum 150-jährigen Bestehen vor zehn Jahren gelingt es den Schützen immer wieder, mit besonderen Veranstaltungen auf sich aufmerksam zu machen. Foto: Christina Nickweiler

In diesem Jahr wird die Schützenvereinigung Steinbach, 1863 gegründet, 160 Jahre alt. Das ist zwar kein klassisches Jubiläum, aber ein richtiges Jubiläum feiern die Steinbacher Schützen mit ihrem Vereinsheim, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Heute zählt der Verein mehr als 150 Mitglieder, rund 15 Prozent davon sind Frauen.

In ehrenamtlicher Arbeit renovieren die Mitglieder ihr Schützenhaus

Den Mitgliedern wuchs das Schützenhaus nördlich von Steinbach besonders ans Herz, denn die Generation ihrer Väter und Mütter trugen dieses Gebäude mit viel Fleiß in Eigenarbeit und mit einem hohen finanziellen Risiko.

Umso eifriger halten die jetzigen Schützen ihr Schützenhaus mit drei verschiedenen Schießanlagen in Schuss. Erst vor einigen Jahren bekam die Fassade einen neuen Anstrich und im nächsten Frühjahr bekommt die Außenanlage neue Pflastersteine, alles in ehrenamtlicher Arbeit.

Der Schützenverein wechselte in seiner Geschichte mehrfach den Ort

Lange mussten sich die Schützen an verschiedenen Orten treffen, um ihrem Hobby nachzugehen. So wurde zu Beginn des Vereinslebens im Dezember 1863 bei der Genehmigung der Vereinsstatuten vom großherzoglichen Bezirksamt Bühl gefordert, dass die Schützen einen Plan einer Schießstätte vorzulegen hatten.

Das Schützenhaus kurz vor der Fertigstellung der Schießanlagen.
Das Schützenhaus kurz vor der Fertigstellung der Schießanlagen. Foto: Repro Christina Nickweiler

Anfangs diente der Gasthof Sonne an der Ecke der ehemaligen Bahnhofstraße (heute Poststraße)/ Grabenstraße als Treffpunkt. Geschossen wurde aber laut Vereinschronik im Mührich, dort hatten einst preußische Husaren einen Schießplatz angelegt, den die Schützen aber nur kurze Zeit nutzten.

Da neben Steinbacher auch Neuweierer Bürger im Verein organisiert waren, zogen die Schützen zum Üben nach Neuweier in den Schneckengarten, heutiges „im Grün“. Später um 1920 übten die Schützen an einer Schießanlage bei den Ziegelwerken Hettler.

1933, so heißt es in der Vereinschronik, schlossen sich einige Mitglieder dem neu gegründeten Schützenverein Heiligenstein in Neuweier an. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Aufhebung des Verbots für Gruppen und Vereine trafen sich die Steinbacher Schützen zunächst im Gasthaus Erwin und übten an einem errichteten Stand mit Luftgewehren.

Danach zogen die Schützen in den Saal des Gasthauses Sternen. „Da wurde in der Wirtschaft im Nebenraum geschossen“, gibt Oberschützenmeister Werner Fallert die Überlieferungen wieder.

Einige Jahre später waren die Sportschützen erneut gezwungen, sich ein neues Domizil zu suchen und fanden dieses im Gewölbekeller der ehemaligen Mälzerei in der Grabenstraße, Ecke Mälzergasse. Die neue unterirdische Schießanlage war aber für die Wettkämpfe viel zu klein, zudem war es in dem Keller immer so feucht, dass die Waffen Rost ansetzten.

Die Idee eines eigenen Vereinshauses entsteht 1972

Aus diesem Grund kam 1972 erstmals die Idee eines eigenen neu zu bauenden Vereinsheims zur Sprache. Von da an wurde der Plan für ein eigenes Schützenhaus vehement verfolgt.

„Was die Altvorderen uns Schützen in Eigenarbeit hingestellt haben, ist schon eine reife Leistung“, sagt Dieter Brauer, der etliche Jahre Oberschützenmeister und Hauptschießleiter des Vereins war, beim Rundgang über das Gelände.

Brauer nennt Ottmar Friedrich als die Triebfeder schlechthin, der die Pläne vorantrieb. Er haftete mit seinem Privatvermögen für den Kredit, den der Verein zur Finanzierung von rund 300.000 Mark aufnehmen musste.

Friedrich übernahm im Vorstand unter anderem als Schatzmeister so lang die Verantwortung, bis die Schulden getilgt waren. Für seine Verdienste wurde Friedrich die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Die lange als verschollen gegoltene Vereinsfahne von 1866 wird bei den Schützen wie ein Schatz bewahrt.
Die lange als verschollen gegoltene Vereinsfahne von 1866 wird bei den Schützen wie ein Schatz bewahrt. Foto: Christina Nickweiler

Jedenfalls packten ab 1973 die Schützen kräftig mit an, um in Eigenarbeit ihr Schützenhaus möglichst zügig fertigzustellen. 1975 war es dann soweit, das Schützenhaus mit Schießanlage und Gaststätte wurde eröffnet.

Jeder Mitstreiter hatte ein großes Interesse durch persönlichen Einsatz den Gaststättenbetrieb zu forcieren, denn dieser brachte die Einnahmen, um langfristig die Schulden für den Neubau abzuzahlen. Am Sonntag im Schützenhaus Mittag zu essen, gehörte für viele Familien zum sonntäglichen Ausflug.

Nach Fund der alten Schützenfahne benennt sich der Verein um

Die historische Schützenfahne von 1866, die viele Jahre verschollen blieb, birgt ein Mysterium: Auf der Fahne befindet sich eine Schwarz-Rot-Gold gefärbte Kokarde. Diese könnte ein Hinweis auf die Idee des liberalen Gedankens sowie eines einheitlichen Deutschlands Mitte des 19. Jahrhunderts sein.

1958 tauchte anlässlich des 700-jährigen Stadtrechts von Steinbach ebendiese alte Schützenfahne von 1866 wieder auf. Unter dem Vorsitz von Heinz Mayer nannte sich der Verein fortan „Schützenvereinigung Steinbach von 1863“, denn in Unkenntnis über diesen Umstand hatten die Schützen 1956 ihren Verein Schützenverein Erwin genannt.

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