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Informative Entscheidungshilfe

Stimmungsbild aus der Bevölkerung: Wie haben Baden-Badens Bürger das OB-Forum wahrgenommen?

Wer soll die Geschicke der Kurstadt in den nächsten acht Jahren lenken? Fünf Bewerber präsentierten sich am Freitag beim OB-Forum von BNN und BT. Wer hat überzeugt? Das wollten wir von ausgewählten Zuschauern erfahren.

Weiter online: Wer sich die Diskussionsrunde erneut oder zum ersten Mal anschauen möchte, findet das Video auch im Nachgang auf bnn.de
Weiter online: Wer sich die Diskussionsrunde erneut oder zum ersten Mal anschauen möchte, findet das Video auch im Nachgang auf bnn.de Foto: Liane Kirch

Sehr aufschlussreich fand Volker Maier das OB-Forum. Der Bio-Winzer aus Haueneberstein saß am Freitagabend mit der gesamten Familie vor dem Bildschirm: „Die Runde zwischen den fünf Anwärtern fand ich sehr interessant“, lautet Maiers erstes Fazit.

Trotzdem: „Es hat Themen gegeben, die mir schlichtweg zu kurz gekommen sind.“

So sei zwar über Ortsteile, jedoch nicht über das Rebland gesprochen worden; über die Leerstände in Baden-Baden, aber nicht über die Nahversorgung in den Außenstadtteilen. „Es gab keine Haltung zur Kulturlandschaft“ und „Tourismus wurde angesprochen, aber kein Kandidat hat etwas von Ökotourismus gesagt“.

Wahlentscheidung teils noch offen

Der 46-Jährige wisse jedoch auch, dass die Zeit nur begrenzt war – und habe sich dennoch ein gutes Bild machen können: „Ich hatte im Vorfeld gewisse Tendenzen, die sich nun gefestigt haben. Mein Fokus lag ursprünglich auf drei Personen, doch ein Kandidat hat sich nun einen kleinen Vorsprung verschafft.“ Die letzte Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Auch Christoph Müller (55) hat seinen Beschluss, wen er wählt, noch nicht ganz getroffen. Für ihn sei die Veranstaltung aber eine gute Möglichkeit gewesen, seine „Vor-Wahl“ zu überprüfen.

Denn: „Für mich wäre es durchaus okay, wenn es bei den bisherigen Aufgabenverteilungen bliebe“, sagt der Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde Baden-Baden-Oos im Hinblick auf seine bisher guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Stadt.

Überrascht sei er davon gewesen, dass sich das „Schreckgespenst, dass man nicht miteinander arbeiten kann“, nicht gezeigt habe, spricht der Familienvater die oftmals als schlecht beschriebene Stimmung im Rathaus an. Dieses Thema habe zwar viel Platz eingenommen, sei aber wichtig gewesen. Zu den Bereichen Kulturelles, Vereine, Ehrenamt und Kirche sei ihm dagegen zu wenig gesagt worden.

Zuschauerwunsch nach normalem Baden-Baden statt „Upper-Class“

Auf diese Schiene springt auch Arnold Manz aus Steinbach auf. „Viel über Jugendliche, Kinder oder Vereinsarbeit habe ich nicht gehört“, fasst der Handballtrainer und ehemalige Lehrer sein Fazit. „Das hätte unbedingt mit reingehört.“

Und trotzdem habe den 66-Jährigen die Qualität aller Kandidaten beeindruckt, selbst wenn für ihn am Ende drei zur Wahl übrig blieben: Späth bringe Frische von außen rein, mit Kaiser sei die Zusammenarbeit in Sachen Vereine immer angenehm und mit der jetzigen OB habe er auch gute Erfahrungen gemacht.

Die unterschiedlichen Blicke der Kandidaten auf das Geschehen und die Kommunalpolitik vor Ort stellt Julie Janson heraus: „Das war eine gute, interessante Mischung“, sagt die 45-jährige Hebamme, die mit ihren drei Kindern in der Cité lebt. Auf der einen Seite hätte sie sich zwar von ihrem Favoriten Roland Kaiser mehr Biss bei Grünen-Themen gewünscht.

Auf der anderen Seite sei es aber eben positiv zu bewerten, dass der Grünen-Kandidat „unaufgeregt und ausgeglichen“ aufgetreten sei. Zu kurz sei ihr bei den Antworten das „normale Baden-Baden“ gekommen, zu sehr werde die Kurstadt doch teilweise als „Upper-Class“ wahrgenommen.

Zuschauer aus Sandweier: Klimaschutz kam beim Wahlforum zu kurz

Werner Bartenbach (70) aus Sandweier zeigte sich angenehm überrascht von der „sachlichen und harmonischen“ Runde. Alle fünf hätten ihre Kompetenzen eingebracht, inhaltliche Unterschiede seien deutlich geworden. Den Wahlkampf habe der Schriftführer des FV Sandweier vom ersten Tag an verfolgt, im Forum habe keiner eine schlechte Figur abgegeben – auch wenn er seinen Favoritenkreis nun auf zwei Kandidaten beschränken könne. Etwas beschränkt fand er die Erwähnungen zum Klimaschutz. Das sei das einzige Thema gewesen, das ihm gefehlt habe.

Es muss ein neuer Wind in das Rathaus.
Barbara Helder-Ramin, Inhaberin Wohlfühlladen

Auch Barbara Helder-Ramin hat während des OB-Forums Gefallen an einzelnen Anwärtern gefunden: „Dietmar Späth fand ich ganz toll“, erzählt die 64-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings sei da auch noch Bettina Morlok, „die habe ich vorher ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm gehabt, jetzt bin ich sehr positiv überrascht“. Die Betriebswirtin habe sie vor allem mit ihren „innovativen Ideen und Beispielen aus anderen Städten“ begeistert.

„Es muss ein neuer Wind in das Rathaus“, betont Helder-Ramin. Als Inhaberin des Wohlfühlladens am Augustaplatz habe ihr jedoch etwas beim Thema Einzelhandel gefehlt: „Es geht doch auch um die Frage: Was tun wir für junge Menschen? Wir haben kein Bekleidungsgeschäft für Babys.“ Und der einzige Kandidat, der die Kinder und Jugendlichen angesprochen habe, sei Späth gewesen.

Dafür, dass das Thema Finanzen sein Steckenpferd ist, fand ich seine Argumente nicht aussagekräftig genug.
Marisa Stolz, Studentin

Für die Studentin Marisa Stolz ist die junge Generation ebenfalls zu kurz gekommen. Viel mehr gefehlt habe es ihrer Meinung nach allerdings an der Authentizität von Margret Mergen: „Ich fand es irgendwie befremdlich.“ Überzeugt habe sie vielmehr Dietmar Späth, „der ist so richtig dabei gewesen“, genauso Roland Kaiser. Von Rolf Pilarski ist die 19-Jährige ein bisschen enttäuscht: „Dafür, dass das Thema Finanzen sein Steckenpferd ist, fand ich seine Argumente nicht aussagekräftig genug.“

Einig waren sich alle Leserinnen und Leser, dass das Forum gelungen, abwechslungsreich und informativ gestaltet war, und es auf jeden Fall zur Meinungsfindung beigetragen habe.

Diese acht Kandidatinnen und Kandidaten treten bei der OB-Wahl in Baden-Baden an:

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