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Erneute Entführung

„Strick-Tony“ ist wieder spurlos aus der Baden-Badener Innenstadt verschwunden

Opfer einer Entführung sind einmal mehr Puppen geworden. Puppen, die die Street Art-Künstlerin Elke Hahn geschaffen und in der Baden-Badener Fußgängerzone an prominenter Stelle installiert hat.

Ein Bild aus besseren Tagen: vor ein paar Wochen installierte Elke Hahn den reparierten Tony und seine Bodyguards Foto ane Foto: Christiane Krause-Dimmock

Ob es sich um eine Entführung oder gar „Mord“ handelt, ist nicht klar. Fest steht indessen, dass sie weg sind. Der „MiniMe“ von Tony Marshall und seinen beiden Bodyguards, bei denen zuletzt Thomas Gottschalk ebenfalls als gehäkelter Kantensitzer zu Gast war, sind spurlos verschwunden.

„Liebe Künstlerin, sofern sie davon noch keine Kenntnis haben, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Tony Marshall samt verbliebenem Bodyguard Opfer einer Entführung geworden sind“, schrieb ein Fan der Straßenkunst an Elke Hahn, die mit ihren zwar kleinen, dafür aber doch sehr Botschaft-beladenen Figürchen seit Längerem schon auf sich aufmerksam macht. „Thomas Gottschalk hat sich losgerissen und wie ein Löwe gegen die Entführer gekämpft, sitzt nun erschöpft und bedröppelt ob der Übermacht der Geiselnehmer auf der Mauer. Es tut mir sehr leid.“

Das tut es Elke Hahn auch. Obwohl es ja nicht das erste Mal ist, dass der Tony Opfer von Attentätern wurde. Vor einigen Wochen hat man das Abbild des Ehrenbürgers der Stadt und von BoraBora schon einmal von dem Zaun gerissen, auf dem er mit Kabelbindern zusammen mit einer Erklärung befestigt war. In dem laminierten Schreiben bat Elke Hahn darum, die kleine Figur unbehelligt dort sitzen zu lassen. Doch daran hielten sich nicht alle.

Denn irgendwann lag er in zwei Hälften zerschnitten am Boden und wurde von „Ersthelfern“ aus der Nachbarschaft eingesammelt. Damals hatte Elke Hahn sich die Fotos von dem „Opfer“ angeschaut und demonstrativ erklärt, dass sie ihn wieder hinbekomme. Installiert hatte sie den berühmten Sohn der Stadt übrigens anlässlich einer Einladung des SWR.

Zweiter Angriff auf „Strick-Tony“

Wenn sie in Städten zu Gast ist, mag sie gerne ein solches Zeichen ihrer Anwesenheit hinterlassen. Ein vergängliches, wie sie betont. Denn eine wirklich lange Lebenserwartungen haben diese Arbeiten nicht wirklich. In Baden-Baden erwies sich diese nun als extrem kurz. Und das gleich zweimal. Dabei hatte die Mutter der MiniMes eigens Schutzmaßnahmen ergriffen. Als sie den reparierten Tony neulich wieder zurückbrachte, setzte sie ihm zwei eigens angefertigte Bodyguards zur Seite. Doch auch das hat augenscheinlich nichts genutzt.

Ein gewisser Trost ist, dass der „Original-Tony“ vor der Gefangennahme seines Abbilds die Gelegenheit hatte, sein kleines Abbild von Angesicht zu Angesicht zu begutachten. Aber jetzt ist es weg. Auch die beiden starken Männer an seiner Seite sind verschwunden. Von Gottschalk auch keine Spur bis auf das laminierte Schild, auf dem er zuletzt sitzend gesehen wurde.

Für die Künstlerin ist das natürlich harter Tobak. An vielen internationalen Punkten hat sie schon ihre kleinen Präsente an Städte und ihre Bürger, als die sie sie gewissermaßen verstanden wissen will, zurückgelassen. Aber so ein Attentat? Und das gleich zweimal innerhalb von wenigen Wochen? Das muss erst mal sacken. Den Tony hatte sie übrigens eigens ausgewählt, weil man ihn gut mit Baden-Baden verbinden könne, erklärt sie den Hintergrund des Yarn Bombing, wie sich diese Kunstrichtung nennt.

In einer TV-Sendung des SWR bei Michael Antwerpes war sie deshalb eingeladen worden, hat den Moderator als Vorlage benutzt und ihm seinen persönlichen MiniMe im Studio überreicht. Zugleich aber hat die Verwaltungsfachfrau aus Leinfelden-Echterdingen damals den „Tony“ in der Tasche, den sie bei dieser Gelegenheit installierte. Ihre kleinen Figuren sehen den Originalen übrigens auf eine ganz besondere Art ähnlich. Kunststück, erklärt Elke Hahn. „Ich fertige sie ja auch nach Fotografien an. Was andere malen häkel ich.“

Dass eines ihrer Werke jetzt schon zweimal zerstört beziehungsweise gestohlen wurde, tut schon weh. Allerdings ist es auch tröstlich, dass die Bevölkerung an dem Schicksal teilnimmt, wie jener Zeitgenosse, der sie über das Geschehen in der Baden-Badener Fußgängerzone informiert hat. „Das ist alles zwar sehr traurig, aber als ich diesen Bericht gelesen habe, musste ich trotzdem sehr lachen.“

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