Skip to main content

Jahrelang über Diktaturen in Südamerika berichtet

SWR-Kameramann erzählt in einem Buch über seine Abenteuer hinter der Linse

Die Berichterstattung aus fernen Ländern kann abenteuerlich, aber auch gefährlich sein. Der ehemalige SWR-Kameramann Peter Wendt war mit seinem Team stets nah am Geschehen dran. Seine Erlebnisse hat er in Tagebüchern festgehalten.

SWR-Kameramann Peter Wendt hat sich bei Auslandseinsätzen die Erlebnisse eines Drehtags von der Seele geschrieben. Aus diesen Tagebüchern, die spannender Erlebnisbericht sind, hat er nun in einem Buch zusammengefasst. Foto: Beatrix Ottmüller

Was erlebt eigentlich eine Film-Crew, die um die Welt reist, um dem Zuschauer ferne Welten näherzubringen? Im Fernsehen ist lediglich das zu sehen, was dem Publikum gezeigt werden soll, doch wie der Streifen entsteht und was seine Macher dabei erleben, bleibt dem Zuschauer verborgen.

Kameramann Peter Wendt hat in seinem aktuellen Buch „Hinter der Kamera – Was der Zuschauer im Fernsehen nicht zu sehen bekommt“ genau dies aufgeschrieben. Das Werk entstand aus seinen packenden Erlebnisberichten.

Diese hat er seinen unzähligen Tagebüchen entnommen, die er auf seinen beruflichen Reisen verfasste. Darunter sind Geschichten über das Leben und Arbeiten in der Bergwelt von Thailand bei den Opiumpflückern, den Diktaturen Südamerikas in den 1970er und 1980er Jahren.

Er berichtet aber auch darüber, wie er den Architekten Oscar Niemeyer kennenlernte, erzählt von einer Haiti-Reise und schildert ein Erlebnis mit Frank Elstner in Äthiopien im Jahr 2001. „Ich wollte die Dinge, die in mir ruhen, erzählen und die Geschichten aufschreiben, die man nicht in den Filmen sieht“, sagt Wendt über sein Buch.

Das Buch hatte er schon länger geplant. Doch es war das Corona-Jahr 2020, das ihn dazu bewegte, das Projekt zu vollenden. „Ich finde es gut, dass in einer Zeit, wo wir alle viel mehr zu Hause sind und Fernsehen sehen, Zuschauer erfahren, was hinter der Kamera passiert“, erklärt Wendt. „Sie sehen ja immer nur das Endergebnis im Fernsehen. Was wir bei den Aufnahmen als Team erleben, ist oft spannender, lustiger oder dramatischer als der Film selbst.“

Beide Eltern waren Schriftsteller

Ideen zu Papier zu bringen, ist Wendt in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern waren beide Schriftsteller und kamen im Jahr 1945 von Brandenburg in den Schwarzwald. Peter Wendt hatte das Gefühl, dass er den beiden nicht ganz das Wasser reichen konnte.

Daher beschloss er, etwas Eigenes machen und begann mit dem Studium der Fotografie in München. Im Jahr 1960 bekam er beim Südwestfunk in Baden-Baden eine Anstellung als Kameramann und war im Jahr 1966 der erste, der einen Farbfilm drehte. Dieser entstand während der Kulturrevolution in China. Insgesamt 40 Jahre war der studierte Fotograf für den Südwestfunk und die ARD in vielen Ländern der Welt mit der Kamera unterwegs und bannte Geschehnisse auf Film.

Im Jahr 1974 wurde Peter Wendt vom Südwestfunk in das Südamerika-Studio der ARD geschickt und war zuständig für die Berichterstattung in den damaligen Diktaturen von Chile bis Mexiko. Er blieb zehn Jahre anstatt den üblichen drei Jahre. In dieser Zeit lernte er die verschiedenen Länder sehr genau kennen. Jeden Tag hielt er seine Erlebnisse und Empfindungen in einem Tagebuch fest.

Tagebücher waren seine Therapie

„Das hat mir geholfen, manche schwierige Situation zu bewältigen“, sagt er heute. Denn mehr als eine brenzlige Situation musste er während der Berichterstattung erleben. „In dem Beruf gibt es auch schlimme Tage, nicht nur schöne“, sagt er im Rückblick. Er musste unfassbares Elend mit ansehen, erlebte die repressiven Regime hautnah und war selbst hin und wieder der Gewalt der Obrigkeit ausgesetzt.

Meist kam er jedoch glimpflich davon. „Ich glaube an mein Glück, das ist wichtig“, betont er. Peter Wendt entschied sehr genau, was er filmen wollte. „Manches habe ich nicht gefilmt. Wir waren nie auf Sensationen aus. Wir wollten mit unseren Berichten und Bildern den Menschen helfen und der Welt zeigen, welche Zustände es in diesen Ländern gibt. Wir wollten die Menschen nie bloßstellen“, versucht er zu erklären.

Trotzdem sah er viele Dinge, die ihm nachgehen und erlebte Situationen, in denen er ohnmächtig war und nicht helfen konnte. „Damit muss man auskommen. Ich lag oft nachts im Bett und grübelte, ob ich das richtige gemacht habe“, sagt er.

Nach seiner Zeit in Südamerika hat Peter Wendt vorwiegend Kultur- und Naturfilme gedreht. In seinen letzten Berufsjahren waren es vor allem die Filme der UNESCO Weltkulturerbe-Stätten „Schätze der Welt – Erbe der Menschheit“.

Auch im Ruhestand sehr aktiv

Mit 59 Jahren ist der SWR-Kameramann in den Vorruhestand gegangen. Doch ruhen tat er nicht. Seine Frau gründete eine Filmfirma und so produzierte Peter Wendt weiterhin Kulturfilme, auch für den SWR. Heute beschäftigt sich der 82-Jährige wieder begeistert mit der Fotografie und ist jeden Tag mit der Kamera in der Natur unterwegs.

Mindestens eine Stunde pro Tag fotografiert er. Zeugnis davon sind die vielen Fotobücher, die seine Regale füllen. „Ich kann jetzt Dinge tun, die mir Freude machen, das genieße ich“, sagt er.

Das Buch „Hinter der Kamera – Was der Zuschauer im Fernsehen nicht zu sehen bekommt“ von Peter Wendt ist in der Buchhandlung Straß in Baden-Baden erhältlich und kann unter (07221-24135) oder per E-Mail an buchhandlung@eulenbrief.de sowie im Online-Shop www.eulenbrief.de bestellt werden. Die Buchhandlung bietet einen Lieferservice an.

nach oben Zurück zum Seitenanfang