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Festival für junges Publikum im Februar

Takeover: Festspielhaus Baden-Baden experimentiert mit neuen Formaten

Noch ist das Takeover-Festival im Festspielhaus Baden-Baden ein Geheimtipp. Mit dem neuen Formaten will Deutschlands größtes Opernhaus vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Auch die Kassenhalle wird zur Bühne.

 Dany Weyer (links) und Rüdiger Beermann präsentieren auf der großen Bühne des Festspielhauses einen Werbeträger für das Takeover-Festival.
Dany Weyer (links) und Rüdiger Beermann präsentieren auf der großen Bühne des Festspielhauses einen Werbeträger für das Takeover-Festival. Foto: Bernd Kamleitner

Osterfestspiele, Pfingstfestspiele, Herbstfestspiele: Diese Veranstaltungen im Festspielhaus Baden-Baden sind Klassik-Fans ein Begriff. Das Festivaljahr in Deutschlands größtem Opernhaus beginnt aber mit einer Veranstaltungsreihe, deren Bekanntheitsgrad noch steigerungsfähig ist.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr feiert das Takeover-Festival vom 3. bis 5. Februar eine Neuauflage. Dann wird ein deutlich jüngeres Publikum als sonst für ein Wochenende das Festspielhaus „übernehmen“. Das Konzept wird in der Kulturszene aufmerksam verfolgt. Es gilt als ein Beispiel für ein Festival der Zukunft.

„Es ist eine Spielwiese und ermöglicht uns, zu experimentieren“, sagt Dany Weyer. Im Festspielhaus ist er Leiter des Bereichs Partizipation.

Beteiligung ist beim Takeover-Festival nicht nur ein Begriff, sondern ein Schwerpunkt. Neben Konzerten gibt es Workshops, die den Teilnehmern Begegnungen mit Künstlern ermöglichen.

Bühnenerlebnis mit Star-Geiger

Als „Kopfsprung“ ist etwa ein Bühnenerlebnis mit Star-Geiger Daniel Hope überschrieben. Zwei Stunden vor dem Konzert von Hope zusammen mit einem Jazztrio, einem Gypsy-Gitarristen und einem Schweizer Kammerorchester am Sonntag, 5. Februar, sitzen die Teilnehmer des Workshops mit den Beteiligten bei der Probe auf der Bühne.

Ein anderer Workshop macht aus der Kassenhalle eine Bühne für einen Radfahrer. Aber nicht irgendeinen: Jorge „Viki“ Gómez ist sechsfacher BMX-Flatland-Weltmeister. Er absolviert mit den Teilnehmern ein Koordinationstraining.

Können einem Rad Sounds entlockt werden? Klar! Das behauptet jedenfalls Martin Frink, der den Percussion-Workshop „Play Bike“ leitet. Mit Geigenbögen, Sticks, Bürsten und mit dem Mund kreieren die Teilnehmer ihre eigene Klanglandschaft, verspricht die Ankündigung.

Darüber hinaus stehen Tanz-Performance, Jazz und mehr auf dem Programm des dreitägigen Festivals. Party gehört auch zum Rahmenprogramm. Das Motto „Tanzen, feiern, Stars begegnen“ fasst alles zusammen.

Festival ist bisweilen eine Gratwanderung

Das Takeover-Festival ist bisweilen eine Gratwanderung. Dann, wenn es um die Frage geht, wie weit Partizipation betrieben werden kann. Die Menschen, berichtet Festspielhaus-Sprecher Rüdiger Beermann, interessiert beim Kulturerlebnis immer mehr auch das Dahinter.

Reine Konzerte werden zu Kulturerlebnissen. Das eröffnet auch Künstlern neue Perspektiven. „Wir bieten Bühnen, wo sie experimentieren dürfen“, betont Weyer.

Kulturveranstalter stehen vor der Herausforderung, welche Grenzen ihrer Branche sie verschieben können. Den Blick in die Zukunft wagt aber nicht nur das Festspielhaus Baden-Baden. Mit dem Thema beschäftigen sich viele Anbieter.

Auch andere große Kulturhäuser blicken deshalb auf das Festival in Baden-Baden. So werden Vertreter renommierter Bühnen etwa aus London, Barcelona, Lissabon und Amsterdam vor Ort verfolgen, wie das Konzept im Festspielhaus umgesetzt wird.

Zielgruppe ist jüngeres Publikum

Der Hintergedanke ist kein Geheimnis: Es geht darum, jüngeres Publikum zu gewinnen. „Das Takeover-Festival ist ein Symbol, wie sich Festivals und auch Klassik in Zukunft präsentieren“, sagt Beermann.

Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Takeover-Festival nicht mehr nur als Geheimtipp gehandelt wird. „Man muss nur einmal hingegangen sein, damit sich das ändert.“ Der eingeschlagene Weg scheint anzukommen. Einige Workshops sind schon ausverkauft.

Musikfestspiele haben in Baden-Baden Tradition

Musikfestspiele haben in Baden-Baden übrigens Tradition. Begründet wurde sie von dem Komponisten Hector Berlioz (1803–1869). Von 1853 bis 1863 weilte er neunmal in der Bäderstadt. Beim jährlichen Festival im Sommer organisierte er jeweils ein großes Konzert. Auf dem Programm standen eigene Werke und von anderen Komponisten.

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