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Mehr als 900 Flüchtlinge angekommen

Baden-Baden bereitet Katastrophenalarm wegen Flüchtlingsstrom aus der Ukraine vor

„Es sind für Baden-Baden die höchsten Flüchtlingszahlen seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Bürgermeister Roland Kaiser. Deshalb bereitet Baden-Baden nun den Katastrophenfall vor.

Zeichen der Solidarität: Im Baden-Badener Rathausinnenhof weht derzeit auch eine ukrainische Flagge.
Zeichen der Solidarität: Im Baden-Badener Rathausinnenhof weht derzeit auch eine ukrainische Flagge. Foto: Sarah Reith

Überdurchschnittlich viele Flüchtlinge aus der Ukraine suchen in Baden-Baden Zuflucht, schon sehr bald werden es deutlich mehr als 1.000 sein. Die Verwaltung bereitet vor diesem Hintergrund den Katastrophenfall vor.

947 Flüchtlinge aus dem Kriegsland waren bis Donnerstagabend in der Kurstadt eingetroffen – und täglich kommen rund 100 neue, berichtete Bürgermeister Roland Kaiser (Grüne) am Freitagmorgen bei einem Pressegespräch. Die Zahlen seien höher als 2015 und 2016: „Es sind zumindest für Baden-Baden die höchsten Flüchtlingszahlen seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Es kämen im Verhältnis auch deutlich mehr Flüchtlinge nach Baden-Baden als zum Beispiel in den Landkreis Rastatt: Dort waren laut Kaiser zuletzt rund 350 Menschen angekommen, im viel größeren Stuttgart seien es am Mittwoch ebenfalls erst rund 1.200 Menschen gewesen.

Die Neuankömmlinge zu registrieren und zu versorgen sei allein planerisch eine „Riesenherausforderung“, zumal es etwa im rechtlichen Bereich noch viele Unklarheiten gebe, betonte der Sozialbürgermeister.

Es sind zumindest für Baden-Baden die höchsten Flüchtlingszahlen seit dem Zweiten Weltkrieg.
Roland Kaiser (Grüne), Bürgermeister

Derzeit gelinge es noch, alle Menschen unterzubringen, allerdings nur durch die „mehr als außergewöhnliche Hilfsbereitschaft“ aus der Bevölkerung und das abteilungsübergreifende Engagement innerhalb der Verwaltung. Viele Mitarbeiter packten mit an, denn: „Die Ausländerbehörde bewältigt es nicht mal im Ansatz.“

Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Baden-Baden richtet Katastrophenstab ein

Dennoch werde aber irgendwann die Grenze erreicht sein, „wo wir das nicht mehr schaffen“, sagte Kaiser. Mats Tilebein, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit, wollte deshalb noch am Freitagnachmittag einen Katastrophenstab einrichten. Man bereite den Katastrophenalarm für den Fall vor, dass man nicht mehr allen ankommenden Menschen ein Dach über dem Kopf bieten könne, erläuterte Kaiser. Wenn dieser Fall eintreffe, würden zunächst Hallen belegt werden. In einer letzten Stufe, wenn auch diese voll seien, müsste privater Wohnraum in Beschlag genommen werden.

Derzeit treffen in der Kurstadt laut Iska Dürr, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales, „überwiegend Frauen und Kinder“ ein. Der Großteil von ihnen, 711 Personen, ist bislang privat untergekommen. Vorläufig von der Stadt untergebracht wurden bis Donnerstagabend 236 Flüchtlinge aus der Ukraine.

Etwas mehr als die Hälfte der Bürger, die eigenen Wohnraum zur Verfügung stellen, kennen nach Schätzung der Verwaltung die Flüchtlinge, die sie aufnehmen, bereits oder haben sogar verwandtschaftliche Beziehungen zu ihnen. Es gebe aber auch sehr viele Freiwillige, die komplett Fremde aufnehmen, betonte Kaiser. Unter den Helfern seien auch nicht wenige Menschen mit russischer Staatsbürgerschaft.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) sagte, die Stadt sei solidarisch mit der Ukraine, unterstütze aber auch die Menschen in Russland, die gegen diesen Krieg seien. Sie sei überzeugt davon, dass es sich dabei um den „Großteil des russischen Volkes“ handelt. Der Verwaltung liege viel an einem „friedlichen Miteinander“ der Mitbürgerinnen und Mitbürger aus den beiden Ländern hier in Baden-Baden.

Mehr als 300 Kinder müssen betreut werden

Am Mittwoch waren laut Iska Dürr in der Kurstadt bereits für 662 Geflüchtete Anträge auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gestellt worden. Und es stehen noch mehr Aufgaben an: So waren allein bis Mittwoch neben 431 Frauen und 104 Männern auch bereits 306 Kinder in der Stadt angekommen – für sie gilt es, Betreuung und Schulunterricht zu ermöglichen.

„Wir werden an verschiedenen Standorten Spielgruppen einrichten“, kündigte Dürr mit Blick auf die jüngeren Kinder an. An den Baden-Badener Schulen lagen (Stand Mittwoch) 43 Anmeldungen von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine vor. Von den Schulleitern kämen durchweg positive Rückmeldungen, betonte Dürr: Die Verständigung auf Englisch und mithilfe von Handyübersetzungen gelinge recht gut.

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