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Künstlerin macht Upcycling

Upcycling: Tatjana Goder aus Baden-Baden macht Kunst aus Abfall

Plastikmüll sollte nicht in die Weltmeere gelangen, findet die Baden-Badener Künstlerin Tatjana Golder. Deshalb macht sie Kunstwerke aus Wegwerfartikeln. Dabei hat sie auch ein größer gefasstes Ziel vor Augen.

Die Plastik-Monster sind Teil des neuen Projekts von Künstlerin Tatjana Golder. Foto: Beatrix Ottmüller

“Ich habe gelernt, aus nichts etwas zu machen“, sagt Tatjana Golder und bückt sich nach einem Stück Plastik, das am Boden liegt. Was andere als Müll wegwerfen, das nutzt sie für ihre Kunst. Doch nicht wahllos. Die freischaffende Künstlerin hat eine Mission. Sie will mit ihrem Projekt dafür sorgen, dass weniger Plastikmüll in den Weltmeeren landet und ein Bewusstsein für das entwickelt wird, was täglich auf den Straßen und schließlich in den Ozeanen landet.

Aus achtlos entsorgten Eisbechern, Plastiklöffeln oder Haken für FFP2-Schutzmasken werden in ihrem Atelier Plastikmonster, die zum Umdenken anregen sollen.

Eigentlich ist die Künstlerin, die aus Jekaterinburg in Russland stammt, für ihre kunstvollen Stickereien bekannt. Diese sind handwerklich so präzise gemacht, dass sie bereits Applikationen für die Nobelmarke Chanel hergestellt hat.

Doch neben ihrer eigenen Kunst ist es ihr wichtig, ihr Handwerk und ihre Fertigkeiten weiterzugeben. Daher hat sie ein „Studio für Kreative“ im Mütterzentrum in der Stephanienstraße 25 eingerichtet, in dem sie vorwiegend Kindern beibringt, wie man näht, stickt und kunstvolle Dinge selbst herstellen kann.

Die eigenen Fähigkeiten an die Kinder weitergeben

„In Russland ist es eine Tradition, Kinder zu unterrichten, wenn man etwas Besonderes kann“, sagt sie. Vielleicht sei das entstanden, als man im Kommunismus lebte, nicht raus konnte und sich selbst helfen musste. Diese Tradition führt sie nun in Baden-Baden weiter und freut sich, wenn sie den Kindern ihrer Kreativgruppen ihre Handwerkskunst weitergeben kann.

In ihrem „Studio für Kreative“ zeigt Tatjana Golder Kindern, wie sie kreativ mit Nadel und Faden umgehen können. Foto: Beatrix Ottmüller

„Ich bringe ihnen spielerisch bei, wie man Stiche setzt oder einen Faden präpariert. Wenn ich dann sehe, wie sie das ganz selbstverständlich machen, freut mich das ungemein“, sagt sie und sprüht vor Energie.

Ihre Schränke sind vollgestopft mit Knöpfen, Applikationen, Stoffen, Nadeln und allem, was man zum Schneidern braucht. Sie hat eine Sammlung an farbenfrohen Garnen und daneben auch viele Dinge, die man nicht sofort als wertvoll für die Schneiderei ansehen würde. „Ich bin begeistert, wie kreativ vor allem die Kinder mit den Sachen umgehen und was sie daraus machen“, betont die Künstlerin.

Die Devise: Upcycling

In ihrem Atelier ist die Devise: Upcycling. Aus den gesammelten Resten werden kreative Monster geschneidert und jedes Kind hat sich selbst eine Tasche genäht, in der all die Dinge aufgehoben werden, die es geschaffen hat.

Tatjana Golders neuestes Projekt nennt sich „Protect What You Love“. Im Vordergrund steht dabei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen rund das Thema Naturschutz und Ressourcenknappheit. Die zentrale Figur „Mutter Natur“ hat Tajana Golder aus Weiden und Weinreben hergestellt und ihr ein Luft- und Wasserkleid aus bestickten durchsichtigen Organza-Stoffen genäht. Sie erscheint zugleich monumental und doch zerbrechlich zart und führt so vor Augen, dass sie nicht unzerstörbar ist.

Aktuell arbeitet sie mit den Kindern im Studio für Kreative am zweiten Objekt, dem „Buch des Meeres“. Das Cover zeigt einen Wasserstrudel mit bedrohten Korallenarten und weiteren Meeresbewohnern und Pflanzen, die in einer einzigartigen 3D-Technik das Buch zum Leben erwecken. Das Innenleben ist wie eine Art Faltbuch aus durchsichtigem Organza ausklappbar. Die einzelnen „Seiten“ werden mit Fischen und Meereskreaturen gestaltet, die die Teilnehmer im Studio anfertigen. Die Rückseite zeigt ein Meer aus Schuppen, ebenso aus durchsichtigen Organza-Stoffen in einer 3-D-Technik. Darauf sind Applikationen und Gold-Stickereien, die Fischskelette zeigen, die durch die Stickereien an barocke Knochenreliquien erinnern.

Als drittes Element gehört ein Plastikmonster mit Tresor dazu. Die Installation besteht aus goldgefärbten Plastik-Abfällen, gefundenen Objekten und einem Gittergerüst und zeigt eine eiförmige Welt, auf der ein mutiertes Baby thront. Zu sehen sein werden Teile des Projektes und die kreativen Plastikmonster, die die Kinder aus Müll hergestellt haben in einem Schaukasten im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart. Mit ihrem Projekt will Tatjana Golder nun an Schulen gehen und dort gemeinsam mit den Kindern die Seiten des Buches des Meeres füllen.

Das Projekt „Protect What You Love” wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

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