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Stadtführung in Baden-Baden

Warum Kaiserin Sissi einst ihre eigene Kuh nach Baden-Baden mitbrachte

Die Zahl der Stadtführungen in Baden-Baden ist wegen Corona deutlich zurückgegangen. Bei den Rundgängen erfahren die Gäste viele historische Details.

Rundgang durch die Kurstadt: Stadtführerin Claudia Weidel (weißes Kleid) erklärt die Geschichte der Trinkhalle. Der Gesichtsschutz ist bei Sommerhitze eine Herausforderung. Foto: Beatrix Ottmüller

Von unserer Mitarbeiterin Beatrix Ottmüller

Ein heißer Morgen. Die Luft flirrt und kaum ein Lüftchen weht. Trotzdem wird es geschäftig in den Kurhaus-Kolonnaden vor dem Büro der Tourist-Information. Denn dort startet pünktlich um 11 Uhr eine Stadtführung mit Claudia Weidel. 19 Personen sind angemeldet, aber das Grüppchen, das sich im Schatten der Bäume sammelt, besteht aus weit weniger Menschen. Diese sind gut gerüstet für einen zweistündigen Rundgang durch die Bäderstadt.

Flache, kopfsteinfreundliche Schuhe, Sonnenbrillen, Hüte und Sonnenschirme, im Rucksack ein Getränk und auch das Handy zum Fotografieren darf nicht fehlen. Corona-bedingt weist Claudia Weidel, die selbst mit einem Schutzvisier ausgestattet ist, daraufhin, dass der Mindestabstand auch während der Führung von den Gästen eingehalten werden müsse. Eine Mund-Nasen-Bedeckung müssen die Teilnehmer nicht tragen, denn wegen der Pandemie kann die Führung nur vor, aber nicht in den historischen Gebäuden stattfinden.

Los geht es an diesem Tag vor dem Kurhaus. Claudia Weidel weiht die Gäste in die Ursprünge der Bade-Kultur zur Zeit der Römer in Baden-Baden ein, erläutert kurz die Geschichte der Markgrafen, deren Schlösser vom Kurhaus aus zu sehen sind. Dann erfahren die Teilnehmer etwas über die Entstehung des Kurbades und des Casinos. Sehr verwundert erfahren sie, dass es heutzutage keinesfalls mehr Anzug und Krawatte bedarf, um sein Geld am Roulettetisch einsetzen zu können.

Dass die Spieler von 80 Kameras, die zum Teil verdeckt angebracht sind, beobachtet werden, ist ein Detail, das viele überrascht. Auch die Tatsache, dass die Kandelaber vor dem Kurhaus mit Gas betrieben und jeden Abend von Hand angezündet und morgens wieder gelöscht werden, ist ein Stück Wissen über die Kurstadt, das charmant ist.

Sissi war im Europäischen Hof

In der Trinkhalle verrät Claudia Weidel, dass das Thermalwasser der Kurstadt aus manchem Wasserhahn im Stadtgebiet fließt und bereits Kaiserin Sissi die Vorzüge im Europäischen Hof zu schätzen wusste. Sie stieg dort Inkognito ab und brachte ihre eigene Kuh mit, da sie jeden Tag frische Milch trinken wollte. Das beeindruckt zwei Damen aus Freiburg, die einen dreitägigen Kurzurlaub in Baden-Baden machen. „Wir wohnen so nah, aber die Bäderstadt haben wir uns noch nie zuvor angesehen“, sagen sie.

Vor dem Dostojewskij-Haus: Stadtführerin Claudia Weidel erläutert die Geschichte der Russen in Baden-Baden, die die Stadt einst zur europäischen Sommerresidenz erklärten. Foto: Beatrix Ottmüller

Sie sind in einer Ferienwohnung abgestiegen, haben ihre Fahrräder dabei und wollen sich treiben lassen. „Wir wollten eine Stadtführung mitmachen, um mehr über die historischen Gebäude zu erfahren und einen Eindruck von der Stadt zu bekommen. So wissen wir, was wir morgen unternehmen werden“, erklären sie ihre Motivation, mit Claudia Weidel durch die Straßen der Innenstadt zu schlendern.

Europäische Sommerresidenz

Die Tour geht weiter über die Hofapotheke zum Rathaus, zum Dostojewskij-Haus in der Bäderstraße. Dort geht die Stadtführerin auf die Geschichte der Russen in Baden-Baden ein, die die Stadt an der Oos einst zur europäischen Sommerresidenz erklärten. So manch einer verspielte dabei sein Vermögen im Casino.

Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewskij, selbst dem Glücksspiel nicht abgeneigt, schrieb seinen Roman „Der Spieler“ im Jahr 1867 über diese Zeit. Ein Ehepaar aus Überlingen am Bodensee ist beeindruckt. Von der Hochzeit der Russen in Baden-Baden und deren Spielleidenschaft war ihnen nichts bekannt.

Sie kamen an die Oos, um dem Trubel am Schwäbischen Meer zu entfliehen, das in diesem Sommer heillos überlaufen ist. „Wir machen dieses Jahr verschiedene Städtetrips. Eine Stadtführung ist die beste Methode, um sich schnell zurechtzufinden und zu entscheiden, was man sich später genauer und in Ruhe anschauen will“, sagen sie.

Außerdem erfahre man Dinge, die einem sonst verborgen geblieben wären. Die beiden stellen viele Fragen und sind sehr interessiert an den Geschichten, die Claudia Weidel über Gebäude, Menschen und die Zeit, in der sie gelebt haben, zu erzählen weiß.

Empfehlung zum Museumsbesuch

Beeindruckend finden die Besucher die Hintergründe zur Bäderkultur, die Soldatenbäder und das Friedrichsbad sowie die moderne Caracalla-Therme. Ein Besuch mindestens eines der Bäder scheint bei den meisten bereits auf dem Programm zu stehen. Weiter geht die Führung über die Sophienstraße und den Leopoldsplatz am Standesamt vorbei zum Kongresshaus und hinein in die Lichtentaler Allee mit ihren über 300 verschiedenen Bäumen.

Claudia Weidel weiht die Gäste in die Besonderheiten der Museen der Stadt ein und empfiehlt einen Besuch. Auch Theater und Festspielhaus, das die Teilnehmer jedoch auf eigene Faust besuchen müssen, werden erklärt und auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt an den Kolonnaden besprochen.

Claudia Weidel verabschiedet sich von ihrer Gruppe und ist froh, das Gesichtsvisier, das in der Hitze eine Herausforderung ist, abnehmen zu können. Die typischen Fragen, die sonst während eines Rundgangs gestellt würden, seien dieses Mal ausgeblieben, sagt sie. Die meisten Gäste wollten wissen, wie es komme, dass so viele Russen in Baden-Baden seien. Andere holten sich bei ihr Restaurant-Tipps oder hätten ganz gezielte Fragen. Dass sie diesmal wohl wegen der Witterung ausblieben, bedauert die erfahrene Stadtführerin.

Keine Betriebsausflüge wegen Corona

„Ich mache zwei Mal die Woche öffentliche Stadtführungen. Es macht mir unheimlich Spaß, Gästen die schöne Kurstadt zeigen zu können“, sagt die Karlsruherin, die erst eine Prüfung ablegen musste, um durch die Bäderstadt führen zu können. Normalerweise gebe es auch regelmäßig Reisegesellschaften, die Führungen buchen; zudem kämen Firmen zu Betriebsausflügen nach Baden-Baden. Doch diese, die zwei Drittel ihrer Führungen ausmachten, seien seit der Corona-Pandemie weggebrochen. Auch Gäste, die während eines Kongresses oder einer Tagung oder eines Hotelaufenthaltes eine Stadtführung buchten, blieben derzeit aus.

Service

Aktuell finden jeden Freitag und Sonntag um 11 Uhr klassische, deutschsprachige Stadtführungen statt. Treffpunkt ist die Tourist-Information in den Kurhaus-Kolonnaden. Anmeldungen sind über die beiden Tourist-Informationen möglich. Weitere Informationen gibt die Tourist-Information Baden-Baden unter 07221 275200 oder per E-Mail unter info@baden-baden.com

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