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200 Jahre Kurhaus Baden-Baden

Was die Kurhäuser in Baden-Baden und Wiesbaden gemein haben

Das Kurhaus wird 200 Jahre alt. Es steht geradezu symbolisch für den Aufschwung Baden-Badens zur mondänen Kurstadt - und hat ein Vorbild.

Prägt das Stadtbild: Das Kurhaus Baden-Baden wird 200 Jahre alt. Architekt ist Friedrich Weinbrenner, der größte Baumeister des Landes Baden. Foto: Ulrich Coenen

Die Liste der Wünsche für das neue Kurhaus war lang. Der Berliner Bankier Samuel Oppenheimer, seit 1816 Pächter des provisorischen Konversationshauses im alten Jesuitenkloster (heute Rathaus), forderte von der badischen Regierung und damit vom Architekten Friedrich Weinbrenner Planänderungen.

Nachdem der Architekt 1821 einen ersten Entwurf vorgelegt hatte, drängte Oppenheimer auf zusätzliche Räume. Das Innenministerium in Karlsruhe forderte von Weinbrenner, diese Wünsche umzusetzen und außerdem aus Brandschutzgründen zwischen die drei großen Baukörper des geplanten neuen Kurhauses, Galerien einzufügen.

Gleich drei Entwürfe waren nötig

Weinbrenner schuf 1822 zwei weitere Entwürfe. Die wesentliche Änderung gegenüber dem ursprünglichen Konzept besteht im Einfügen der beiden niedrigen Galerien mit jeweils vier dorischen Säulen, die Mittelbau und Seitenflügel deutlich trennen und deren Eigenständigkeit betont. Damit verbunden ist eine größere Eleganz der Architektur. Die Gesamtlänge der Anlage wuchs auf mehr als 140 Meter Länge. Die Pläne Nr. 2 und Nr. 3 unterscheiden sich dann nur noch im Detail.

Der dritte Entwurf war der entscheidende: Friedrich Weinbrenner musste bei seiner Planung für das Kurhaus verschiedene Wünsche berücksichtigen. Foto: GLA Karlsruhe G Baupläne Baden-Baden 116

Die Vorbildfunktion des Wiesbadener Kurhauses für das neue Baden-Badener Konversationshaus (wie das Kurhaus damals genannt wurde) ist unstrittig. Neben der vergleichbaren Gestaltung der Hauptfassade gibt es dafür auch quellenmäßige Belege. Zunächst enthält eine Bauakte des Konversationshauses im Generallandesarchiv Karlsruhe aus der Zeit von 1820 bis 1822 eine Grundrissskizze des Wiesbadener Kurhauses. Als 1820 über den Neubau des Konversationshauses diskutiert wurde, schlug Weinbrenner überdies ein Gebäude vor „so wie vor wenigen Jahren eines in Wiesbaden erbaut wurde.“

Baden-Baden ist keine Kopie von Wiesbaden

Dennoch ist das Gesellschaftshaus in Baden-Baden weit davon entfernt, eine Kopie des Wiesbadeners zu sein. Insbesondere beim Festsaal als geometrischem und ideellem Zentrum ging der großherzogliche Baumeister Weinbrenner völlig eigene Wege. Die Vorbilder für die Außenarchitektur und die Innenarchitektur des Festsaals sind unterschiedlich.

Die Gesamtanlagen in Wiesbaden und Baden-Baden weisen im Grund- und Aufriss beachtliche Übereinstimmungen auf. Die Hauptfassaden beider Kurhäuser zeigen einen überhöhten Mittelbau mit beidseitig anschließenden Galerien und Eckpavillons. Auf die vorbildliche Rolle der Villen des berühmten italienischen Renaissance-Architekten Andrea Palladio wurde in Folge 4 dieser Serie bereits hingewiesen.

Auffällig ist jedoch, dass Weinbrenner in seiner von seinem Freund Aloys Schreiber herausgegeben Autobiografie über Ausbildung und Studienreisen Palladio nur ein einziges Mal erwähnt. Zwar beschreibt Weinbrenner seinen Italienaufenthalt in den Jahren 1792 bis 1797 ausführlich, doch besuchte er Venetien, wo sich die meisten Werke Palladios befinden, entgegen seinen ursprünglichen Absichten, nicht. Die Wirren der Revolutionskriege hielten ihn bei seiner Rückkehr nach Karlsruhe davon ab.

Hier stehen die unsterblichsten Werke von den berühmtesten Baumeistern des Mittelalters.
Friedrich Weinbrenner, Architekt

Bemerkenswert ist der Kontext, in dem Weinbrenner Palladio anführt: „Hier (in Florenz, Anmerkung der Redaktion) stehen die unsterblichsten Werke von den berühmtesten Baumeistern des Mittelalters: Brunelleschi, Bramante, Serlio, Palladio gebaut.“ Diese gewagte Einteilung der Epochen und die Tatsache, dass von den vier genannten Architekten nur der erste tatsächlich in Florenz tätig war, verdeutlichen, dass Weinbrenner mehr als Architekt denn als Bauhistoriker nach Italien reiste. Er suchte und fand Anregungen für sein eigenes Schaffen, ging dabei aber sehr selbstständig mit den Vorbildern um.

Aus Weinbrenners Autobiografie ist bekannt, dass er sich in Italien intensiv mit Entwürfen für die verschiedensten Bauaufgaben beschäftigt hat. In seinem dreibändigen „Architektonischen Lehrbuch“ verarbeitet er unter anderem die Eindrücke seiner Italienreise. Im zweiten Heft des dritten Bandes präsentiert er schematisierte Grund- und Aufrisslösungen, die zum Teil wie Studien für das Baden-Badener Kurhaus erscheinen.

Palladio ist für Weinbrenner nur eine von vielen Quellen, so dass es nicht verwundert, dass er in Baden-Baden freier mit dessen Formensprache umgeht als der Architekt Christian Zais es für das Wiesbadener Kurhaus tat.

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