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Vorbereitung läuft trotz Corona

Weihnachtsmärkte in Baden-Baden und Karlsruhe stehen noch auf der Kippe

Rund 90 statt 120 Buden und weniger Besucher — so sieht das vorläufige Konzept für den weihnachtlichen Hüttenzauber vor dem Kurhaus in Baden-Baden aus. Die Organisatoren warten weiter auf konkrete Vorgaben des Landes. Auch in Karlsruhe ist noch Geduld gefragt.

Die Stimmung trügt: Ob es in diesem Jahr möglich sein wird, vor dem Kurhaus durch Gassen mit weihnachtlich geschmückten Buden zu schlendern, ist noch ungewiss. Foto: Joachim Gerstner

Wer denkt schon mitten im Sommer an den Christkindelsmarkt? Die Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH (BBT) sehr wohl. Die Organisatoren treibt schon längere Zeit die Frage um, ob der weihnachtliche Hüttenzauber zwischen den Kolonnaden und rund um die Wiese vor dem Kurhaus in diesem Jahr überhaupt stattfinden kann.

Die Verantwortlichen spielen mehrere Szenarien durch

Sie fürchten, dass ihnen die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Auch nach dem jüngsten Beschluss von Bund und Ländern, dass bis Ende des Jahres Groß-Veranstaltungen nicht erlaubt sind, herrscht bei den Verantwortlichen weiter Unklarheit, weil die Politik über die Zulassung von Weihnachtsmärkten erst später entscheiden möchte.

„Wir arbeiten schon seit Beginn der Krise an Konzepten, um den Christkindelsmarkt in verschiedenen möglichen Szenarien realisieren zu können. Aktuell halten wir weiter an der Umsetzung mit unserem ausgearbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzept fest”, betont BBT-Geschäftsführerin Nora Waggershauser auf Nachfrage unserer Redaktion. Sie müsse jetzt, wie auch bei den bisherigen Entwürfen, abwarten, wie das Land die entsprechende Verordnung genau ausarbeiten werde.

Diese anhaltende Unsicherheit sei sehr unbefriedigend, da die Vorbereitung des weit über die Grenzen Baden-Badens hinaus beliebten Christkindelsmarktes in der Regel mehrere Monate erfordere. „Wir können ja nicht erst im November von Null auf Hundert starten”, bekräftigt Waggershauser. Die Tourismus-Chefin möchte natürlich gerne an der ursprünglichen Planung festhalten, zumal der Christkindelsmarkt ein Publikumsmagnet ist, der Jahr für Jahr mehrere 10.000 Besucher an die Oos lockt.

Der Markt trägt dazu bei, dass die Übernachtungszahlen in den Wintermonaten steigen

Er trägt damit maßgeblich dazu bei, dass die Übernachtungszahlen in den sonst eher schwachen Wintermonaten deutlich steigen - zur Freude vor allem von Gastronomen und Hoteliers, die von dieser positiven Entwicklung profitieren. Obwohl vieles noch unwägbar ist, steht eines wohl bereits fest: Falls es einen Christkindelsmarkt geben wird, wird dieser nicht so sein wie bisher. „Ich glaube, er wird dann einfach anders sein”, räumt Waggershauser ein. „Aber das kann auch eine Chance sein.”

Blickfang: Die weihnachtliche Allee mit Kirchenfenstern, die Schüler gestaltet haben, zählt zu den Attraktionen des Christkindelsmarktes. Foto: Albrecht Meier

Sie kalkuliert derzeit mit 90 statt der sonst üblichen 120 Hütten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Markt in der gewohnten Größe geben wird”, sagt die BBT-Chefin. Die Händler bräuchten jetzt Planungssicherheit, weil sie rechtzeitig ihre Waren bestellen müssen. Für die Standbetreiber sei die Situation ohnehin nicht einfach, weil sie in der Regel ein schwieriges Jahr hinter sich hätten. „Für viele ist der Christkindelsmarkt so etwas wie ein Strohhalm”, erklärt Waggershauser.

Ein Einlass-Management soll den Besucherandrang kanalisieren

Vorrangiges Ziel sei es, den Markt so zu organisieren, dass er den Corona-Verordnungen entspreche. Dazu gehört für die BBT-Geschäftsführerin, die Zahl der Besucher zu begrenzen. „Damit beschäftigen wir uns seit Wochen und suchen auch nach digitalen Lösungen”, bekräftigt sie. Ein wichtiger Faktor sei etwa ein Einlass-Management, das getrennte Ein- und Ausgänge und Besucherzählungen vorsehe.

Die BBT denkt weiter darüber nach, Wertgutscheine zu verkaufen, die die Besucher an den Buden einlösen können. Dieses Konzept soll verhindern, dass reine Bummelgäste, die nichts kaufen wollen, durch den Christkindelsmarkt schlendern und kaufwilligen Besuchern den Platz wegnehmen. „Damit könnten wir den Markt etwas entspannen”, erläutert Waggershauser. Sie hält jedoch nichts von bestimmten Zeit-Korridoren wie etwa in den Freibädern, weil die Gäste sich dann drei, vier Stunden im Markt aufhielten, aber wenig kauften oder verzehrten. Wenn die Händler keinen Umsatz haben, sei der Markt für die Veranstalter nicht machbar. „Das muss immer beidseitig funktionieren”, beteuert Waggershauser.

Der Christkindelsmarkt ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Der Christkindelsmarkt sei eben auch ein Wirtschaftsfaktor: „Er steht und fällt auch mit den Einnahmen.” Der Markt müsse sich weitgehend selbst tragen. Um eine abgespeckte Variante einigermaßen kostendeckend zu stemmen, stellt Waggershauser die bisherigen Attraktionen auf den Prüfstand. Demnach wird es kein Live-Programm auf der Bühne der Konzertmuschel geben, um dort Menschenansammlungen zu vermeiden.

Bei einer Absage ist ein Alternativkonzept vorgesehen

„Das sind alles Pläne B, C und D, die wir in der Tasche haben”, skizziert die BBT-Geschäftsführerin die aktuelle Lage. Sie hofft, dass die Landesregierung bald eine neue Corona-Verordnung herausgeben wird, die endgültig Klarheit für das Weihnachtsgeschäft bringt. Sollte es mit einem großen Christkindelsmarkt im Dezember nichts werden, werde die BBT an einem kreativen Alternativkonzept arbeiten, das Bürgern und Gästen auf andere Art das Baden-Badener Weihnachtsgefühl vermitteln solle. Im Fokus stehe dabei, die Stadt in der Weihnachtszeit touristisch zu stärken. „Ganz kampflos geben wir nicht auf”, versichert Waggershauser.

Wird der Christkindlesmarkt in Karlsruhe über die City verteilt?

Auch der Christkindlesmarkt in Karlsruhe ist bislang nicht abgesagt. Wie schon vor der Sommerpause beschlossen, will sich der Gemeinderat im September mit dem Thema befassen.

Eine mögliche Option wäre, die Stände weiter auseinander zustellen und sie auf verschiedene Plätze in der City zu verteilen. Vorbild dafür könnte der dezentrale Mini-Rummel sein, den es derzeit in Karlsruhe gibt. Auch andere Städte wollen so den Schaustellern im Sommer unter die Arme greifen.

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