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Rampen, Stufen, Höhenunterschiede

Wie barrierefrei ist Baden-Baden? ACE und Behindertenbeauftragte nehmen Stadt unter die Lupe

Wer ins Parkhaus fährt, den Wagen abstellt und weitergeht, bemerkt meist gar nicht, dass hier so manche Tücke lauert. Insbesondere, wenn der Nutzer in seiner Mobilität eingeschränkt ist. Am Dienstag wollten es der ACE und die städtische Behindertenbeauftragte Nora Welsch genau wissen.

Probe aufs Exempel: Nora Welsch muss sich ganz schön strecken, um am Kassenautomat bei der Ausfahrt beim Festspielhaus ihr Ticket entwerten zu können. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Die Aktion, mit welcher der Automobilclub Europa (ACE) seit geraumer Zeit schon in verschiedenen Städten am Start ist, heißt „Barrierefrei besser ankommen!“. „Wir melden uns im Vorfeld bei den Betreibern an und lassen sie wissen, dass wir kommen“, erklärte der Regionalbeauftragte des Clubs Baden-Württemberg, Mario Schmidt.

Nicht immer bekämen sie ein „go“. „Manchmal bekommen wir nicht einmal eine Antwort“, bedauert er. Denn letztlich ist es nicht nur wichtig für die Nutzer, schon im Vorfeld zu erfahren, was sie jeweils erwartet. Auch für die Betreiber können die Tipps sehr wertvoll sein, pflichtete ihm Nora Welsch bei, die sich der Aktion gerne angeschlossen habe.

Unterm Strich waren es jedoch nur die drei Parkgaragen der Stadtwerke, die sich der Aktion gestellt haben. Dabei vermochte das Kongresshaus mächtig zu punkten. „Hier haben wir auch gerade erst mächtig umgebaut“, verwies Stadtwerke-Chef Helmut Oehler auch auf die beiden anderen Einrichtungen, die 2022 und 2023 schon auf dem Programm stehen.

Bei dieser Gelegenheit sollen auch die verschiedenen Aspekte, welche am Dienstag erarbeitet wurden, eine Umsetzung erfahren. Ein gewisses Manko ist etwa der Kassenautomat bei der Ausfahrt beim Festspielhaus. Der Test zeigte, dass sich Nora Welsch ganz schön strecken muss, um hier ihr Ticket entwerten zu können.

Doch das ist nicht alles, nahm Schmidt mit zum nächsten Punkt, den er auf seiner Checkliste stehen hatte. Die E-Zapfsäulen. „Für ausgewiesene Behindertenparkplätze gibt es eine vorgegebene Breite. Bei den E-Parkplätzen allerdings nicht.“ Da hinke die Gesetzgebung noch ein wenig hinterher.

Bei der Probe aufs Exempel zeigte sich, dass einer der beiden angebotenen Plätze belegt war. Der Zweite würde sich nur schwerlich befahren lassen, weil der benachbarte Pkw mit den Rädern über seiner Parklinie stand. „Selbst wenn er korrekt stehen würde, hätte eine Person mit Mobilitätseinschränkung kaum die Chance, ihren Wagen hier zu laden.“

E-Tankstellen sind noch nicht barrierefrei

Bei der Geschäftsleitung der Stadtwerke, aber auch bei Garagenmeister Sven Siedler, trafen die Anregung auf offene Ohren. In Sachen Kassenautomat lasse sich im Zuge der geplanten Sanierungsmaßnahmen vermutlich einfach Abhilfe schaffen, meinte Oehler mit Blick auf den Sockel, auf dem er installiert ist. „Denn kann man sicherlich etwas tiefer setzen.“

Schwieriger sind da schon die E-Tankstellen. Die sind aus nachvollziehbaren Gründen in einer Höhe an die Wand montiert worden, die über der normalen Motorhaube liegt. Klar, auch das ließe sich regeln, erfordert aber auf jeden Fall einen Rammschutz, so die Erkenntnis. Vor allem aber müsse eine größer Parkfläche eingeplant werden. Und ein paar kleine Hinweisschilder, die etwa auf den barrierefreien Kassenautomat hinweisen, wären auch sehr schön, regte die Behindertenbeauftragte an, die auch darum bat, bei der Sanierung in den kommenden Jahren über farbliche Abhebung der Markierungen nachzudenken.

Im Großen und Ganzen ist die Parksituation in Baden-Baden auch jetzt schon gut bis „machbar“, lautete das erste Fazit der Gruppe, die die alltäglichen Verkehrsräume für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ins Visier genommen hat.

Auch das Vincentihaus, dessen Aufzug für Rollifahrer aufgrund der nicht automatisch öffnenden Türen kaum nutzbar ist, wurde als ok bewertet. „Die Parkflächen sind im Erdgeschoss angeordnet, so dass der Aufzug nicht unbedingt genutzt werden muss“, erklärte Schmidt. Da gebe es durchaus problematischere Situationen, wies er auf die erstmals ausgelobte ACE-Mitmachaktion in Form eines Fotowettbewerbs hin. Wer echte Verkehrs-Handicaps ausmacht, wird gebeten diese auf der Homepage des Clubs hochzuladen.

Der ACE Auto Club Europa kümmert sich seit 1965 um alle mobilen Menschen, egal mit welchem Verkehrsmittel sie unterwegs sind. Die Kernthemen des Autoclubs mit rund 630.000 Mitgliedern sind die klassische Unfall- und Pannenhilfe sowie Verkehrssicherheit, Elektromobilität, neue Mobilitätsformen und Verbraucherschutz.

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