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Ex-OB Wendt erinnert sich

Wie das Baden-Badener Festspielhaus aus der Traufe gehoben wurde

Sie ist fast so spannend wie ein Krimi: Die Geschichte im Vorfeld der Realisierung des Festspielhauses in Baden-Baden. Vor 25 Jahren erfolgte eine wichtige Weichenstellung.

Ulrich Wendt, Ex-OB Baden-Baden, Bühl, Ex Landtagsabgeordneter, im Hause Wendt, Gespräch vor seinem 75. Geburtstag Foto: Bernd Kamleitner

Er hat das Projekt in seiner Amtszeit mit eingefädelt und erinnert sich an jede Menge Details ganz genau: Der frühere Baden-Badener Oberbürgermeister Ulrich Wendt (CDU) hat die spannende Phase der Vorbereitung und Realisierung des Festspielhauses hautnah miterlebt. Eine für den Betrieb des renommierten Hauses mit entscheidende Weichenstellung jährt sich am Mittwoch, 23. September 2020, zum 25. Mal: Die Gründung des Freundeskreises. Die jährlichen Beiträge der Mitglieder sind ein wesentlicher Bestandteil bei Förderung des Programms des zweitgrößten Opernhauses in Europa, das sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem Leuchtturm der Kurstadt entwickelt hat und internationales Ansehen genießt.

Der Ablauf des Treffens vor 25 Jahren im Brenners Park-Hotel ist bei Wendt so präsent als sei der Termin am 23. September 1995 gestern gewesen. 40 Einladungen waren ausgesprochen worden. „Alle waren gekommen“, freut sich der frühere Rathauschef noch heute über das große Interesse.

Nichts war dem Zufall überlassen

Nichts war dem Zufall überlassen worden: Mit jedem einzelnen erwarteten Gast hatte der damalige OB im Vorfeld zumindest am Telefon persönlich gesprochen. Mit Wendt saßen der frühere Ministerpräsident Lothar Späth und Walter Veyhle, der unzählige Musical-Theater realisierte, mit am Tisch vor den Gästen in Baden-Badens nobelstem Hotel, um für das ehrgeizige Projekt eines privat finanzierten Festspielhauses zu werben.

Die Resonanz war ein eindrucksvoll: 39 der 40 geladenen Gäste wurden umgehend Mitglied des Freundeskreises. Damals mit dabei waren etwa die beiden Baden-Badener Unternehmer Karlheinz Kögel und Franz-Bernhard Wagener sowie der vor zwei Jahren verstorbene ehemalige TV-Moderator Dieter Thomas Heck, aber auch die Karlsruher Unternehmerin Christine Esswein. Deren engen Kontakte zu Hannelore Kohl trugen mit dazu bei, dass die Gattin von Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl im Mai 1996 den ersten Spatenstich für das Prestigeprojekt vornahm.

Inzwischen sind es über 1.500 Förderer

Zur Eröffnung des Festspielhauses am 18. April 1998 verzeichnete der Freundeskreis bereits 660 Mitglieder inzwischen sind es unter dem Vorsitz von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble über 1.500. Sie zahlen jährlich als Einzelperson 520, als Paar 780 oder als Unternehmen 1.500 Euro Mitgliedsbeitrag. „Aus heutiger Sicht war es ein Wagnis, jährlich so viel Geld privat für das Programm zu sammeln“, findet Wendt im Rückblick.

Festspielhaus Baden-Baden Foto: Bernd Kamleitner

Mit der Gründung der Stiftung Festspielhaus mit Förderern und Stiftern am 31. März des Jahres 2000 folgte ein weiterer und der wohl „entscheidende konstruktive Akt zur Sicherung“ des Projekts im ehemaligen Stadtbahnhof. „Das war eine Art Schlussstein in dem Gebäude, der alles zusammenhielt“, bilanziert der CDU-Politiker.

Im April 1998 ging das Haus in Betrieb

Nach der Gründung des Freundeskreises ging es bei der Realisierung Schlag auf Schlag. Bereits vier Tage später, am 27. September 1995, bekam der damalige OB Wendt grünes Licht vom Gemeinderat der Kurstadt für das Vorhaben, das in der Stadt damals auch sehr kritisch beäugt wurde. Noch im November signalisierten das Stuttgarter Landeskabinett und der Finanzausschuss des Landtags Zustimmung. Am 18. April 1998 nahm das Festspielhaus den Betrieb auf, meisterte die anfängliche Krise, um sich danach als Bühne für Weltstars zu etablieren.

Vorausgegangen war der Gründung des Freundeskreises eine akribische Vorbereitung, um die anfangs umstrittene Idee des Kulturmäzens Ermano Sens-Grosholz zu realisieren. Ein erster Etappenerfolg stellt sich für den damaligen OB Wendt im Oktober 1993 bei einem Termin mit Lothar Späth in Stuttgart ein.

Bis in die Nacht wurde beraten, um die „Königsidee“ zu besiegeln: Beim Haus sollten sich Land und Stadt die Kosten teilen, der Betrieb sollte privat finanziert werden. Eine äußerst kühne Idee, denn ein solches Modell gab es zu dieser Zeit für vergleichbare Einrichtungen nicht. Bis dahin galten Häuser mit hochwertigen Opernproduktionen vielmehr als Empfänger stattlicher Zuschüsse. „Wir waren uns damals einig: Es muss einen Befreiungsschlag geben, der der Klasse und dem Anspruch von Baden-Baden in der Kulturwelt gerecht wird“, erinnert sich Wendt.

Ergebnis wurde per Handschlag besiegelt

Das Ergebnis des Treffens wurde per Handschlag besiegelt - die Art und Weise, wie es zustande kam, berührt den erfahrenen Polit-Strategen Wendt bis heute. Vor dem Freundeskreis bestand bereits ein etwa zehnköpfiger Initiativkreis, der um die Jahreswende 1994 erstmals im Brenners tagte und ebenfalls wertvolle Vorarbeit leistete. Mit ihm nahm das Vorhaben Festspielhaus Baden-Baden Fahrt auf.

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