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Wie die Kinos in Mittelbaden durch die Corona-Krise kommen

Filme schauen nur mit Abstand: In Corona-Zeiten müssen in den Kinosälen viele Plätze frei bleiben. Aber auch das Verhalten der Filmverleiher bereitet den Kinobetreibern Kopfzerbrechen.

Abstand wird eingehalten: Das Cineplex Baden-Baden kann aufgrund der Corona-Bestimmungen im Extremfall nur 30 Besucher in einen Saal lassen. Fotos: Foto: Beatrix Ottmüller

Von Beatrix Ottmüller

Die Corona-Krise macht auch vor den Kinobetreibern in Mittelbaden nicht Halt. Ab 17. März mussten die Lichtspielhäuser geschlossen bleiben. Erst im Juni kamen die Lockerungen. Die ersten Kinos zeigten bereits Anfang Juni wieder Filme, andere öffneten erst ein paar Wochen später wieder ihre Tore. Das Forum Cinema Rastatt folgt am 26. August.

Die Öffnung mit nur wenigen Gästen rentiere sich eigentlich nicht, sagt Mirko Heck, Theaterleiter des Cineplex Baden-Baden, das seit dem 2. Juli wieder Filme zeigt. In den acht Kinosälen finden normalerweise 1.350 Besucher Platz. Mit den Corona-Hygiene- und Abstandsregeln dürfen pro Saal nur 100 Besucher eingelassen werden. Kauft ein Kunde zwei Plätze, müssen je zwei Plätze davor, dahinter und jeweils rechts und links frei bleiben.

Cineplex Baden-Baden Mirko Heck Foto: Beatrix Ottmüller

„Das bedeutet, dass pro verkauften zwei Plätzen, weitere acht Plätze frei bleiben müssen“, rechnet Heck vor. Pro Saal sind das maximal 30 Tickets. Und genau das macht dem Theaterleiter Sorgen. Die Leute seien etwas verängstigt. „Dabei tun wir alles, damit es zu keinem Ausbruch kommen kann“, betont Mirko Heck.

Ähnlich sieht es im Kinocenter Gernsbach aus, das bereits seit 1. Juni wieder geöffnet ist. „Wir haben Desinfektionsmöglichkeiten aufgestellt, Sitzgelegenheiten abgesperrt und den Verkauf mit Plexiglas abgeteilt. Zum Glück haben wir Anfang des Jahres bereits auf ein neues Kassensystem umgestellt, so dass ein Online-Verkauf der Tickets möglich ist“, beschreibt Roland Julius die Lage.

Ines Merkel vom Merkur-Film-Center in Gaggenau-Ottenau beschreibt die Situation ähnlich. Ihr Kino ist seit dem 18. Juni wieder geöffnet und hat ebenfalls die Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt.

Kinos könnten Blockbuster gut gebrauchen

Was den Theaterleiter des Cineplex ärgert, ist, dass die großen Verleiher die Starttermine ihrer Blockbuster zuerst ins Spätjahr und dann auf das nächste Jahr verschoben haben. „Gerade jetzt, wenn wir die großen Besucherzahlen brauchen könnten“, betont Heck enttäuscht. Im April sollte der neue James Bond „No Time To Die“ in den Kinos anlaufen. Inzwischen wurde der Start in den November verschoben.

Sollten die Kinos in den USA und China, wo die stärksten Märkte zu finden sind, jedoch weiterhin geschlossen bleiben, befürchtet Mirko Heck, dass der Streifen erst im nächsten Frühjahr zu sehen sein wird. „Alle großen Blockbuster sind aktuell gestrichen, da mit den geringen Besucherzahlen die hohen Produktionskosten nicht eingespielt werden können“, weiß der Theaterleiter.

Erschwerend komme hinzu, dass einige Verleihe damit anfingen, die Filme per Streaming Dienst anzubieten, ist Roland Julius vom Kinocenter Gernsbach entrüstet. „Wenn die Filme statt ins Kino bequem für die Menschen per Streaming nach Hause gebracht werden, gehen diese Einnahmen definitiv an uns vorbei“, betont er.

Es kommt darauf an, ob die Zuschauer ihre Ängste verlieren.
Ines Merkel, Kinobetreiberin

In Gernsbach wird deshalb versucht, die Kinogänger mit alten Klassikern zu begeistern, auch das Kinderprogramm wurde aufgestockt. „Wir hatten vor kurzem das André-Rieu-Konzert gezeigt und demnächst ist auch David Garret mit einer Sondervorstellung geplant. Leider ist die Opern-Saison auch gecancelt, das hatte sich inzwischen im Kino etabliert“, bedauert Roland Julius.

Aktuell gibt es Montag vormittags das Kinderferienprogramm. „Das war schon vor Corona geplant und die Filme waren bestellt, wir sind froh, dass das gut angenommen wird, obwohl wir deutlich weniger Sitzplätze anbieten können“, ist der Betreiber erleichtert.

Clint Eastwood und Matrix

Das Cineplex Baden-Baden behilft sich mit Genre-Filmen und Repertoire-Filmen. „Wir wollen verschiedene Leute ansprechen. So stellen wir unterschiedliche Reihen zusammen. Beispielsweise gibt es immer noch Menschen, die sich die alten Clint Eastwood Streifen oder die Martix-Serie gerne noch einmal auf der großen Leinwand sehen möchten“, erzählt Heck.

In den Sommerferien versucht das Cineplex ein abwechslungsreiches Programm zu zeigen. Vom Anime über romantische Komödien, Aktion, Dokumentarfilme bis hin zu Live-Übertragungen der Salzburger Festspiele oder Opernübertragungen aus der Metropolitan Oper oder des Bolschoi-Balletts reicht das Spektrum und soll Besuchern wieder Lust auf Kino machen. „Wir spielen, was da ist, und hoffen zudem, dass die Filmverleiher ein Einsehen haben. Denn genau jetzt müssten wir die großen Blockbuster zeigen, damit es rentabel wird“, sagt er.

Im Kino-Center-Ottenau tut man sich leichter. Dort wurden seit der Wiedereröffnung sechs neue Filme gezeigt. „Also eine recht abwechslungsreiche Auswahl. Es werden wöchentlich neue Filme für unser Publikum gestartet. Die typischen Blockbuster-Filme, die auf sich warten lassen und die von den Verleihern ständig umdatiert werden, sprechen unser Kinopublikum sowieso nicht an“, sagt Ines Merkel.

Nach der Zwangspause und durch die geringen Besucherzahlen und die wenigen Plätze, die verkauft werden dürfen, sind viele Kinos in ihrer Existenz bedroht. „Wenn die Einnahmen zu gering sind, sind die Häuser kaum tragbar. Die Fixkosten sind da“, erläutert Heck. Das Baden-Badener Kino habe einen Einmalzuschuss erhalten und helfe sich mit Kurzarbeitergeld. Weitere Förderungen seien seitens der Politik nicht geplant. „Wir müssen jetzt wirtschaftlich handeln. Daher haben wir unsere Spielzeiten eingeschränkt“, verdeutlicht Heck.

Auch in Gernsbach gibt es momentan nur zwei anstatt drei Vorstellungen täglich. Die Schließung hat das Kinocenter finanziell belastet. „Die Ausgaben für Strom, Gas und sonstige Nebenkosten bleiben bestehen, auch wenn das Haus geschlossen ist“, verdeutlicht Roland Julius. Soforthilfe habe er erhalten, aber die Zukunft seines Kinos sieht er als fragwürdig an.

Im Merkur-Film-Center in Ottenau sind aktuell von Freitag bis Sonntag wie auch schon vor Corona eine vielfältige Auswahl an anspruchsvollen Filmen, Dokumentationen und spezielle Filmreihen zu sehen. Ines Merkel machen jedoch die Besucherzahlen Sorgen. Trotz Soforthilfe müsse das Kino die dreimonatige Schließung finanziell noch verkraften. Daher sieht sie die Zukunft als ungewiss an.

„Es kommt darauf an, ob die Zuschauer ihre Ängste verlieren, das Gemeinschaftserlebnis Kino genießen wollen und wieder Lust bekommen tolle Filme auf großer Leinwand zu sehen“, betont sie. „Als Branche hoffen wir auf das Ende der Pandemie, denn mit den Corona-Regeln ist es schwierig, große Produktionen ins Kino zu bringen. Langfristig wird sich die Branche anpassen und günstiger produzieren. Alles ist momentan in Bewegung“, sagt Heck.

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