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Evakuierung von bis zu 3.000 Menschen?

Kampfmittelräumdienst entschärft in Baden-Baden am Muttertag mindestens zwei Weltkriegsbomben

In zwei von vier Verdachtsfällen haben Untersuchungen im Wörthböschelpark in Baden-Baden ergeben, dass im Erdreich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Zwei Fundstellen werden noch untersucht.

Experten der Stadtverwaltung und der Polizei beraten im Wörthböschelpark in Baden-Baden das Vorgehen zur Entschärfung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Bernd Kamleitner

Im Wörthböschelpark in Baden-Baden haben sich Blindgänger-Vermutungen bestätigt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Stadtverwaltung schlummern auf jeden Fall zwei Weltkriegsbomben im Erdreich.

Die 250-Kilo-Bomben liegen dreieinhalb bzw. fünf Meter tief im Erdreich, teilte Bürgermeister Roland Kaiser (Grüne) mit. Für zwei weitere Verdachtsfälle sind noch weitere Untersuchungen im Laufe der Woche vorgesehen.

Sollten sich auch diese Vermutungen als Bombenfunde erweisen, müssen am Muttertag, Sonntag, 9. Mai, bis zu 3.000 Menschen im Umkreis von 500 Meter um die vermuteten Lagerstätten der gefährlichen Weltkriegsüberbleibsel bis acht Uhr am Morgen ihre Häuser verlassen.

Sollten sich die noch nicht abgeklärten Fundstellen dagegen nicht als Blindgänger, sondern als im Erdreich schlummernder Metallschrott erweisen, wären dann rund 1.200 Menschen in einem Umkreis von 300 Meter von den Fundstellen betroffen und müssen ihre Wohnungen am Muttertag verlassen.

Luftbilder belegen Bombentrichter in Baden-Baden

Das Fachgebiet und Garten der Stadtverwaltung wurde bei Maßnahmen zur Aufwertung der Grünanlage zwischen der Weststadt und dem Stadtteil Oos auf die möglichen Blindgänger aufmerksam. Demnach wurden in diesem Bereich während des Zweiten Weltkriegs Fliegerbomben abgeworfen.

Dies werde belegt durch Luftbilder, auf denen mehrere Bombentrichter zu sehen sind. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren wurden im Wörthböschel bereits mehrere Bomben bei Grabungsarbeiten gefunden und entschärft.

Bis zu 3.000 Menschen droht am Muttertag wegen der Entschärfung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg eine Evakuierung. In zwei von vier Verdachtsfällen haben sich die Bomben-Vermutungen im Wörthböschelpark bereits bestätigt. Foto: Bernd Kamleitner

Von den Blindgängern gehe aktuell keine Gefahr aus, sagte Bernd Angstenberger vom für die Flächen zuständigen Amt Park und Garten der Bäderstadt. Ein Krisenstab bereitet die Entschärfung und Evakuierung bereits seit Wochen vor.

Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist eingeschaltet. Im Laufe der Woche sollen weiteren Erkenntnissen hinsichtlich der beiden weiteren Verdachtsfälle vorliegen. Dafür ist eine Spezialfirma im Einsatz, die die Fundstellen vorsichtig aufgraben wird.

13 Luftangriffe auf Baden-Baden

Die vermuteten Blindgänger in der Grünanlage rufen in Erinnerung, dass die vielfach nach wie vor weit verbreitete Annahme, Baden-Baden sei im Zweiten Weltkrieg von Bombenangriffen, nicht zutrifft.

Nach Recherchen der städtischen Pressestelle im Stadtarchiv warfen alliierte Bomber in den Jahren 1943, vor allem zum Ende des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1944 und 1945 Hunderte Spreng- und Phosphor Bandbomben über der Kurstadt ab.

Nicht alle explodierten und schlummern seither als Blindgänger im Erdreich. Wenn unmittelbar nach dem Abwurf in der Nähe ein weiterer Sprengkörper explodierte, wurden die Blindgänger von aufgeworfenem Erdreich überschüttet und blieben so teilweise bis heute verborgen.

Bekannt sind insgesamt 13 Luftangriffe auf Baden-Baden, die allerdings die Innenstadt mit ihrer historischen Bausubstanz verschonten. Die Angriffe während des Zweiten Weltkriegs forderten in der Bäderstadt 34 Todesopfer.

Die jetzt gefundenen Blindgänger im Wörthböschelpark datieren nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung wohl aus dem Jahr 1944, als vermutliche amerikanische Flieger Bomben abwarfen.

Diese landeten auf der Flugroute zur in der Nähe der Grünanlage liegenden und im Jahr 1937 gebauten früheren Markgrafen-Kaserne der Wehrmacht, berichtete Pressesprecher Roland Seiter.

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