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Ausräumen des Gewässers nötig

Zustand des Rotenbachsees in Baden-Baden alarmiert die Experten

Organische Ablagerungen gefährden die „Gesundheit“ des Gewässers. Eine Entschlammung ist laut einer Untersuchung dringend erforderlich.

Im Hintergrund ist Der Rotenbachsee zu sehen, im Vordergrund laufen einige Enten.
Der Rotenbachsee gefällt Menschen und Enten, doch unter der Wasseroberfläche hat sich eine Sedimentschicht angelagert, die giftiges Arsen enthält. Foto: Henning Zorn

Der idyllische Rotenbachsee mitten in Baden-Baden verschlammt immer mehr. Ein Ingenieurbüro aus Darmstadt hat jetzt das Gewässer untersucht und schlägt Alarm: Es wäre verhängnisvoll, hier weiter tatenlos zuzusehen. Ein Ausbaggern des Sees sei dringend erforderlich.

Spaziergänger, die sich am beschaulichen See hinter der Acura-Klinik erfreuen, sehen darin vor allem einen reizenden Teil der Baden-Badener Grünanlagen. Doch eigentlich ist das Gewässer nicht primär als Element der Naherholung angelegt worden, sondern es handelt sich hier um ein „technisches Bauwerk“. Mit dieser Information überraschte Kathrin Haase vom Fachbüro BGS Wasser aus Darmstadt die Mitglieder des Bauausschusses in dessen Sitzung am Donnerstag.

Die Stadt hatte diese Firma mit einer Untersuchung des Sees beauftragt, da das Gewässer durch Sedimentablagerung immer mehr verlandet und manchmal auch für üble Gerüche sorgt. In den vergangenen Monaten war darüber diskutiert worden, ob der See nun ausgebaggert werden muss, oder ob man den Verlandungsprozess einfach weiterlaufen lassen soll, damit hier durch einige zusätzliche Anpflanzungen ein attraktives Feuchtbiotop entstehen kann.

Rotenbachsee einst als Sedimentfang angelegt

Kathrin Haase wies den Bauausschuss jetzt darauf hin, dass der Rotenbachsee einst geschaffen worden war, um als Sedimentfang zu dienen. Die vom Rotenbach von den Schwarzwaldhängen herangebrachten mineralischen und organischen Ablagerungen sollten zu einem großen Teil im See aufgefangen werden, damit sie nicht in den dahinter beginnenden verdolten Bereich des Baches (unterirdischer Kanal) gelangen, der unter dem Zentrum der Innenstadt zur Oos fließt.

Die Untersuchung des Ingenieurbüros ergab nun, dass inzwischen mehr als ein Viertel des Sees von Schilf bewachsen ist. Von noch größerer Bedeutung ist allerdings die immer mehr abnehmende Wassertiefe. Eigentlich ist der See bis zu 1,50 Meter tief, doch im Durchschnitt hat sich am Boden eine 71 Zentimeter hohe Sedimentschicht abgelagert, die an einigen Stellen sogar eine Mächtigkeit von bis zu 1,14 Meter aufweist.

Der See, umgeben von Schilf
Immer weniger Wasser: Wird nichts getan, dann kann der Rotenbachsee seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Foto: Henning Zorn

See enthält Auswaschungen aus arsenhaltigen Erzen

Diese Sedimentschicht weist viele organische Stoffe auf (zum Beispiel Blattreste) und einen hohen Anteil an Arsen. Dieses giftige Element ist durch natürliche Prozesse wie Auswaschungen aus arsenhaltigen Erzen in den Wasserkreislauf geraten. Die heißt jedoch, dass eine Entsorgung der Sedimente aufwendiger und damit auch teurer wird.

Eine Verlandung des Gewässers ist hier keine Option
Kathrin Haase
Expertin Fachbüro BGS Wasser

Der kleiner werdende Wasseranteil des Sees führt dazu, dass der Eintrag der Sedimente in den verdolten Bereich immer stärker zunimmt. Irgendwann, so Haase, sei der See so voll mit Ablagerungen, dass die Sedimente fast komplett direkt in die Verdolung gelangen.

Dann sei die Funktion des Gewässers als Sedimentfang überhaupt nicht mehr gegeben. Für die Stadt heiße dies, dass die Verdolung aufwendig und kostspielig gereinigt werden muss. Die Expertin sieht aufgrund dieser Situation ein Ausräumen des Sees als unbedingt erforderlich an: „Eine Verlandung des Gewässers ist hier keine Option.“

Entschlammung des Rotenbachsees kostet rund 450.000 Euro

Möglich sind nun zwei Vorgehensweisen. Bei der Trockenentschlammung wird der Bach umgeleitet und dann der See ausgebaggert. Machbar ist auch eine Nassentschlammung, die keine Veränderung des Bachlaufs erfordert. Allerdings ist dann der technische Aufwand höher, da allerlei Gerätschaften wie eine Zentrifuge und eine Filterpresse zum Einsatz kommen müssen. Für den Rotenbachsee empfahl die Ingenieurin die Trockenentschlammung.

Nach dem Ausbaggern müsse noch eine zusätzliche Sedimentsperre installiert werden, die dann regelmäßig zu reinigen ist. Die Gesamtkosten schätzt Haase einschließlich der Entsorgung des arsenhaltigen Sediments auf etwa 450.000 Euro.

Es geht auch um die Attraktivität des Sees

Gartenamtsleiter Markus Brunsing zeigte sich in der Sitzung erfreut, dass nun ein Ingenieurbüro aufzeige, wie man vorgehen soll. Auch er sprach sich nachdrücklich für eine Entschlammung aus. Neben dem Schutz vor dem Sedimenteintrag gehe es auch um die Attraktivität des Sees, denn das Rotenbachtal werde von Bürgern und Besuchern schließlich als Bestandteil der kurörtlichen Anlagen wahrgenommen.

In früheren Zeiten, so Bürgermeister Alexander Uhlig, sei bei Ausbaggerungen des Rotenbachsees schließlich beim Europäischen Hof eine „braune Brühe“ in die Oos geflossen. Das könne man natürlich heute nicht mehr so machen. Über eine Sanierung des Sees müsse man bei den nächsten Haushaltsberatungen reden, denn „wir wissen nun, was auf uns zukommt“.

Den Rotenbachsee könne man nicht in seinem jetzigen Zustand belassen. Diese Meinung unterstützte auch Sabine Iding-Dihlmann (Grüne): Zu einer Entschlammung gebe es keine sinnvolle Alternative.

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