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Harte Geduldsprobe

Zwangspause im mittelbadischen Fußball: Verantwortliche des FV Baden-Oos und des FC Lichtental sehnen Wiederanpfiff herbei

Jahrzehntelang waren Kicker, Vereinsverantwortliche und Gastätten-Betreiber an den Wochen-Rhythmus der Spiele gewohnt. Nun fällt für viele das Highlight der Woche weg. Wie gehen die Betroffenen damit um?

Plätze bleiben leer: Im südbadischen Amateurfußball wird in diesem Jahr nicht mehr gekickt. Seit Anfang November ist Amateursport in Baden-Württemberg verboten. Foto: Jannis Mattar picture alliance / dpa

Sowohl der FV Baden-Oos als auch der FC Lichtental sehnen einen Wiederanpfiff der Bezirksliga Baden-Baden herbei. Fans, Funktionäre und Vereinsmitglieder der beiden Vereine schätzen die aktuelle Situation aber gleichermaßen realistisch ein und werden die Köpfe keineswegs in den Sand stecken.

„Vieles beruht auf der Macht der Gewohnheit über viele Jahre. Der fußballerische Werdegang meines Sohnes gehört definitiv zu meinem Leben dazu. Timo spielt in der ersten Mannschaft in Baden-Oos und dann ist es für mich quasi Pflicht, dass man sonntags auf dem Sportplatz vertreten ist“, äußert sich der ehemalige Spieler des FV Baden-Oos Michael Ganther.

Doch durch den Umstand, dass seit dem 1. November der Spielbetrieb zum wiederholten Male ruht, kommen dem Vater von drei Söhnen andere Gedanken in den Kopf, weshalb er auch anderen Freizeitaktivitäten nachkommen kann. „Derzeit genieße ich die freie Zeit, in der keine Fußballspiele anstehen“, so der Familienvater.

Michael Ganther vom FV Oos Foto: Marco Merkel

Nichtsdestotrotz freut sich der Anhänger und stolze Vater über eine baldige Fortsetzung der Saison 2020/21: „Für mich gibt es als Vater nicht Schöneres, als wenn der eigene Sohn auf dem Sportplatz steht. Dazu spielt Timo in einer geilen Truppe, in der vor allem jüngere Spieler in dieser Saison ihre Chance bekommen. Obendrein passt es intern in der Mannschaft. Darauf hat auch beispielsweise die vergangene Niederlage gegen Ottenau keinen negativen Einfluss gehabt“, zeigt sich Ganther nicht nur stolz über seinen eigenen Nachwuchs, sondern auch über die gute Jugendarbeit im Verein.

Mit Rainer Minten gibt es eine zweite Person im Verein, die sehr am derzeitigen Tabellenzehnten der Bezirksliga Baden-Baden hängt. Die „gute Seele des Vereins“ betreut nicht nur das Clubhaus, sondern fiebert in der Regel jedem Heimspiel an der Sportanlage „Im Ried“ entgegen. In der Regel. Die Corona-Pandemie hat nicht nur für ihn den großen Nachteil, dass in dieser Zeit die sozialen Kontakte ein Stück weit auf der Strecke bleiben.

Natürlich sehne er sich nach der Kontaktaufnahme mit anderen treuen Vereinsanhängern und dem wöchentlichen Spiel seiner Mannschaft. „Mir fehlt es, der Mannschaft bei den Ligaspielen zuzusehen. Die Jungs haben trainiert, trainiert und nochmals trainiert und können nun Ihre Trainingsleistung nicht auf den Platz bringen – einfach nur ärgerlich. Was sich bisher in 2020 ereignet hat, ist unvorstellbar. Aber wir müssen da durch.“

Rainer Minten, Fan und Betreuer des Clubhauses vom FV Oos Foto: Marco Merkel

Und dennoch hat Minten mit seinem Team sämtliche Arbeiten am Vereinsheim in den vergangenen Monaten vollbracht. „In den vergangenen Monaten haben wir einiges gemeistert. Das, was wir jetzt noch tun können, erledigen wir gerne. Dadurch ist das Leiden etwas gemindert und wir freuen uns einfach schon jetzt darauf, wenn wir das Ergebnis unseren Spielern, den Fans und natürlich unseren treuen Vereinsmitgliedern präsentieren können.“

In diesem Zusammenhang sind unter anderem die neu gestrichenen Mannschaftskabinen sowie die Entwässerung des Clubhauskellers durch Tiefbauarbeiten. Minten bezüglich der Tiefbauarbeiten: „Vor einem halben Jahr haben wir mit den Arbeiten begonnen. Mittlerweile sind wir fast durch mit allem. Die ganzen Wände sind spürbar trockener geworden, was wir uns durch diese Maßnahme mithilfe eines Bauexperten erhofft hatten.“

Hoffnung auf Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Frühling

„Die Hoffnung liegt darin, dass ab Februar oder März des kommenden Jahres die zahlreichen fehlenden Partien nachgeholt werden. Ich gehe zumindest fest davon aus, dass für dieses Kalenderjahr keinerlei Spiele mehr angesetzt werden. Letztendlich kann es aber keiner wissen“, möchte Minten die Flinte nicht ins Korn werfen.

Auch Ganther wünscht sich, dass der Spielbetrieb wieder zeitnah aufgenommen werden und die Mannschaft weitere gute Leistungen zeigen kann: „Ich habe mir vor Saisonbeginn erhofft, dass der Verein nicht in die Abstiegsränge rutschen wird.“

Aufgrund des großen Umbruchs zu dieser Spielzeit habe die Mannschaft das bisher jedoch gut gemeistert. „Rein fußballerisch können wir von dieser Truppe noch einiges erwarten.“ Immerhin hat die Corona-Krise in Bezug auf die Fitness seines Sohnes etwas Positives: „Timo hält seinen Körper durch zahlreiche Kraftübungen fit.“

Verantwortliche des FC Lichtental zeigen sich kämpferisch

Auch beim Ligakonkurrenten des FC Lichtental stirbt die Hoffnung zuletzt. Der Betreiber der Sportgaststätte, Martino Podeia, vermisst aber vor allem eines: Die Nähe zu den Spielern und Trainern des FCL. „Normalerweise sitzen die Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft nach den Trainingseinheiten am Dienstag und Freitag sowie nach den Heimspielen alle zusammen. Diese anhaltende Situation ist für meine Frau Aurelia und mich sehr ungewöhnlich.“ Der gebürtige Italiener hängt seit zwölf Jahren am Verein, obwohl er maximal fünf bis zehn Minuten der jeweiligen Heimspiele mitverfolgen kann.

„Die Situation in Zeiten des zweiten Lockdowns ist weitaus kritischer. Natürlich nehmen wir das als Gaststättenbetreiber auch so wahr. Das hängt damit zusammen, dass die Lage endgültig ernst geworden ist“, so der FCL-Anhänger. Gleichzeitig vermisst er den Kontakt zu den Lichtentaler Vereinsmitgliedern und den Anhängern. „Nach den Spielen sind wir auch mit Anhängern, Vereinsmitgliedern und Eltern der Gästemannschaften ins Gespräch gekommen. Diese Art von Gesprächen wird es in dieser Form zumindest nicht mehr in diesem Jahr geben.“

Ungewissheit plagt die Vereinsmitglieder

Trotz der Ungewissheit, wann die ausgefallenen Spiele nachgeholt werden und ob die angelaufene Spielzeit überhaupt noch zu Ende gespielt werden kann, müssen sowohl die Spieler als auch Vereine mit Ihren Fans, den Vereinsmitgliedern wie auch Eltern – vor allem der jüngeren Generation – der Spieler geduldig sein und somit weiterhin die Leidenszeit in Kauf nehmen.

Denn schließlich ist noch nicht absehbar, wann entsprechende Entscheidungen über den weiteren Saisonverlauf getroffen werden können. Aktuell deutet also vieles darauf hin, dass die Fans sämtlicher Amateurvereine auch in Zukunft keine Sportplätze betreten dürfen. Unabhängig davon werden sich die aktiven Spieler weiterhin selbstständig fithalten müssen.

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