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Unterschriftenaktion in Bühl

Ärger um Namen in Bühl: Anwohner wollen weiter in Straße des Antisemiten Alban Stolz wohnen

Einst hoch geachtet, nun verpönt. Der Theologe und Publizist Alban Stolz war ein übler Antisemit. Deshalb wollen im die Bühler seine Straße nehmen. Aber die Anwohner laufen Sturm gegen das Vorhaben, sie wollen weiter in der Alban-Stolz-Straße wohnen.

Alban Stolz Straße Foto: Lienhard

Paul von Hindenburg ist in Bühl längst Geschichte, nun möchten Stadt und Gemeinderat gern die Alban-Stolz-Straße, wie mehrfach berichtet, in „Straße der Weißen Rose“ umbenennen. Der Bühler Bürgersohn war ein wüster Antisemit. Doch es regt sich Widerstand: Ein Teil der Anwohner will den Alban Stolz als Namensgeber für ihre Straße behalten und haben für ihr Anliegen Unterschriften gesammelt. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung äußert sich einer der Befürworter: „Heutzutage weiß kaum einer etwas über die Existenz des Alban Stolz. Für die meisten Menschen ist Alban Stolz lediglich ein Name, den man googeln muss, um überhaupt zu erfahren, wer er war und was er beruflich und privat gemacht hat. Daher sollte die Vergangenheit ruhen und das Augenmerk auf das Hier und Jetzt gerichtet sein. Wir sollten uns über die guten Dinge erfreuen, die Alban Stolz bewirkt hat.“

Anwohner wollen Alban-Stolz-Straße behalten

Und weiter: „So schlimm antisemitische Äußerungen oder derartiges Gedankengut sind – keine Frage – sollte man jedoch auch immer das Verhältnis betrachten. Gerade in Anbetracht dessen, dass nur durch intensivste Nachforschungen auf dieses Thema aufmerksam gemacht wurde und den meisten Menschen der Name Alban Stolz überhaupt nichts sagt, beziehungsweise keinerlei persönliche Bedeutung für sie hat, möchte ich doch darum bitten, den bisherigen Straßenname der Alban-Stolz-Straße zu belassen.“

Zweite Anhörung der Anwohner läuft

Laut Reinhard Renner läuft im Moment die zweite Anhörung der Anwohner. Diese sei erforderlich geworden, weil sich bei der ersten Befragung der Anwohner ergeben habe, dass sich viele Befürworter der Umbenennung mit dem Namen „Anneliese-Knoop-Graf-Straße“ nicht anfreunden konnten, so der Abteilungsleiter Zentrale Dienste der Bühler Stadtverwaltung. Der Gemeinderat nahm sich daraufhin noch einmal nichtöffentlich des Themas an und kam am 10. Juni zum Entschluss, den Alban Stolz zugunsten der „Weißen Rose zu eliminieren. Deshalb nun die zweite Anhörung.

Für Renner ist klar, die Weiße Rose bilde einen „schönen Bezug“ zu Anneliese Knoop-Graf. Die 2009 in Bühl verstorbene Publizistin war die Schwester von Willi Graf. Er gehörte der Weißen Rose an, der bekannten Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus und wurde 1943 von den braunen Machthabern ermordet. Dass es die Unterschriftenliste gibt, bestätigt Renner. 40 Unterzeichner sprächen sich dort für die Beibehaltung der Alban-Stolz-Straße aus. Renner wagt zu bezweifeln, dass hier historisch abgewogen werde. Es ginge vielmehr darum, bürokratische Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

Für Stadt und Gemeinderat ist Stolz nicht haltbar

Doch da weiß der Chef der Zentralen Dienste etwas den Druck herauszunehmen: So erfolge die Ausweisumschreibung kostenlos. Und ob der Aufwand zum Beispiel bei der Änderung von Briefköpfen so groß sei, wagt Renner zu bezweifeln. Vieles sei heute digital, so Renner. Keine Stadt benenne gern Straßen um, aber im Fall von Alban Stolz führe kein Weg daran vorbei. Nun wird ein Meinungsbild der Anwohner erstellt, dann kommt das Thema nach der Sommerpause wieder auf die Tagesordnung des Bühler Gemeinderats. Und der sei sich einig: Stolz ist nicht haltbar.

Stolz wurde in Bühl geboren und wirkte als Vikar in Neusatz

Es ist die moderne, historisch-kritische Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten aus vergangenen Tagen, die den Ausschlag gibt, so manchen einst hoch angesehenen Namensgeber einer Straße zu ersetzen. Auch in der Breisgau-Metropole Freiburg erachtete man den 1808 in Bühl geborenen Theologen und Publizisten als nicht mehr tauglich, auf einem Straßenschild zu stehen. Stolz wirkte unter anderem in Neusatz als Vikar. Bekannt gemacht haben ihn seine „Kalender für Zeit und Ewigkeit für das gemeine Volk und nebenher für geistliche und weltliche Herrenleute“. Hier finden die Passagen, die ihn laut Experten zu einem „der wichtigsten antisemitischen Publizisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ machten.

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