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Investor hat aufgegeben

Aus für den Monsterbau in Kappelwindeck: Junge Familie will Altbau sanieren

Der fünfstöckige Geschosswohnungsbau im Bühler Stadtteil Kappelwindeck ist vom Tisch. Eine junge Familie hat das hübsche alte Wohnhaus gekauft und will es sanieren.

Aus für den Geschosswohnungsbau: Der auswärtige Investor für ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus an der Ecke Kapellkellerstraße/Kapellwindeckstraße hat sich zurückgezogen. Der neue Bauherr will den ortstypischen Altbau erhalten. Foto: Ulrich Coenen

Der Technische Ausschuss hat die Notbremse gezogen. Das war im Januar 2020. Seitdem ist es ruhig um die riesige Eckbebauung Kappelkellerstraße/ Kappelwindeckstraße eines auswärtigen Investors geworden. Das Wichtigste vorweg: Der befürchtete Monsterbau ist vom Tisch.

Ein Blick zurück: Auf Antrag von Timo Gretz (SPD) hatte der Technische Ausschuss vor mehr als einem Jahr einen restriktiven Bebauungsplan gefordert, um den Geschosswohnungsbau in der dörflichen Umgebung des Stadtteils Kappelwindeck zu stoppen. Das Problem ist alles andere als neu. Für die Kappelkellerstraße gibt es (wie für viele Bereiche des Stadtgebiets) keinen gültigen Bebauungsplan. Bauanträge sind deshalb nach dem umstrittenen Paragraf 34 des Baugesetzbuches zu beurteilen.

Nach Plänen des Investors sollte in steiler Hanglage unterhalb des Bühler Friedhofs und der Alban-Stolz-Kapelle über einer Tiefgarage ein viergeschossiges Gebäude mit zusätzlichem Penthouse entstehen. Der Geländeversatz beträgt rund fünf Meter. Für das Mehrfamilienhaus hätten ein hübscher zweigeschossiger Altbau aus dem frühen 20. Jahrhundert, wie er typisch für Kappelwindeck ist, und ein benachbarter denkmalgeschützter Keller weichen müssen.

Dieser Keller wurde bereits aus der Denkmalliste gestrichen. Die ersten Pläne des Investors für die Eckbebauung waren sogar noch gewaltiger. Das riesige langgestreckte Gebäude wurde erst auf Druck der Abteilung Stadtentwicklung im Rathaus in zwei Baukörper gegliedert.

Investor hat sich von Vorhaben verabschiedet

Im Technischen Ausschuss fanden die Stadträte im Januar 2020 deutliche Worte gegen das Projekt, das auch die Verwaltung aus städtebaulicher Sicht kritisch bewertete. „Überdimensioniert“, urteilte Pit Hirn (SPD). Franz Fallert (FW) konstatierte: „Das Ding ist einfach zu groß und zu wuchtig.“ „Mir gefällt diese Architektur nicht“, konstatierte Karl Ehinger (FW). „Der Bebauungsplan ist unsere einzige Waffe, um das Projekt zu verhindern“, meinte Timo Gretz.

Es war schon immer unser Wunsch, Altes mit Modernem zu kombinieren.
Der neue Bauherr aus Karlsruhe

Inzwischen hat sich der Investor von seinem Vorhaben verabschiedet. Eine junge Karlsruher Familie mit Kind hat das Haus mit großem Garten und Gewölbekeller erworben. Von Abriss ist keine Rede mehr. „Wir wollen den Bestand erhalten und an der Rückseite erweitern“, berichtet der Karlsruher, der nach Bühl ziehen will, gegenüber dieser Zeitung.

„Es gibt aber noch keine konkreten Entwürfe für das Projekt. Das alte Haus, das schön aussieht, hat uns gereizt und es war schon immer unser Wunsch, Altes mit Modernem zu kombinieren.“ Leider befinde sich der Altbau aber in keinem guten Zustand. Es gebe erheblichen Sanierungsbedarf.

Ungeklärt ist auch die Zukunft des benachbarten Gewölbekellers. „Den müssen wir durch einen Statiker prüfen lassen“, sagt der Bauherr. „Wir stehen aber nicht unter Zeitdruck.“ Der Erweiterungsbau ist im großen Garten an der Rückseite geplant.

Für die Stadtverwaltung ist der Verkauf des Grundstücks an die junge Familie eine glückliche Wendung. „Das Bebauungsplanverfahren werden wir aktuell nicht weiter verfolgen“, berichtet Barbara Thévenot¸ Abteilungsleiterin Stadtentwicklung. „Wir werden ihn aber auch nicht aufheben, sondern die weitere Entwicklung verfolgen.“

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Dass der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst hat, um das Investorenprojekt zu verhindern, bewertet die Stadtplanerin positiv. „Wir erhalten jetzt aller Voraussicht nach eine Lösung, die in den städtebaulichen Kontext passt“, sagt sie. „Der Gemeinderat hat gut reagiert.“

Thévenot berichtet, dass sie sich „seit ihrem Diplom am Paragrafen 34 stört“. „Längst nicht bei allen Bauanträgen werden die Maßstäbe gewahrt“, findet sie. Leider reiche das Personal in den Stadtplanungsämtern der Kommunen nicht annähernd, um für jedes Quartier einen Bebauungsplan zu erarbeiten.

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