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Außergewöhnliche Geschmacksrichtungen

Bierliebhaber aufgepasst: Ein Weitenunger braut Spezialbier in der Schweiz

Ein Bier mit einer Note von „Wiesenheu“ gefällig? Marius Prammer aus Weitenung spielt mit den Geschmacksnerven seiner Konsumenten. Warum es den Brau- und Malzmeister in die Schweiz zog.

Die Spezialbiere bestehen mitunter aus Zutaten wie Kaffee, Pflaumenmus oder Balsamikoapfelessig. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

„Es ist ein bisschen wie bei Obelix und dem Zaubertrank“, sagt Marius Prammer aus Weitenung und. Der 28-jährige Brau- und Malzmeister braut seit mehreren Jahren in Schweizer Brauereien neben den gängigen Biersorten Spezialbiere für Liebhaber.

Seine Leidenschaft: das Kreieren eigener Bierspezialitäten.

Weil ihm das deutsche Reinheitsgebot bei den Eidgenossen keine Schranken setzt, sind seiner Fantasie für ungewöhnliche, teils bis ins Kuriose hineinreichende Rezepturen keinerlei Grenzen gesetzt.

Bierliebhaber fiebern den neuesten Kreationen entgegen

„Da gibt es die tollsten Geschmacksrichtungen“, sprudelt es aus dem ehemaligen Posaunisten des Weitenunger Musikvereins geradezu heraus. Auch wenn sich die Geschmacksnerven von traditionellen Konsumenten des aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellten Gebräus bei Zutaten wie Kaffee, Pflaumenmus, Balsamikoapfelessig oder Wiesenheu etwas schwer mit den fantasievollen Schöpfungen tun, gibt es unter den Stammkunden der Altdorfer Brauerei „Stiär Biär“, in der Prammer seit Ende vergangenen Jahres als Braumeister das Sagen hat, viele aufgeschlossene Bierliebhaber, die regelmäßig den neuesten Kreationen entgegenfiebern.

Prammer überlässt bei der Veredelung seiner flüssigen „Entwürfe“ bis hin zu ihrem Gang in die Produktion nichts dem Zufall: Ist nach unzähligen Auswahlschritten, Anpassungen und Variationen eine Rezeptur für ein neues Spezialbier gefunden, geht die eigentliche Arbeit erst richtig los.

Die Rohstoffe sind ja nie von gleicher Qualität.
Marius Prammer, Brau- und Malzmeister

Während der eigentliche Brauvorgang vollautomatisch abläuft, zeigt sich die Kunst des verantwortlichen Bierbrauers vor allem in der Geschmacksharmonisierung der verwendeten Naturprodukte. „Die Rohstoffe sind ja nie von gleicher Qualität“, erklärt Prammer.

Getreide habe dieses Jahr unterdurchschnittlichen Stärkegehalt

In diesem Jahr habe beispielsweise das Getreide wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse einen unterdurchschnittlichen Stärkegehalt, was in den aktuellen Produktlinien mit Mengenanpassungen auszugleichen ist.

Der 28-jährige Brau- und Malzmeister Marius Prammer braut seit mehreren Jahren in Schweizer Brauereien neben den gängigen Biersorten Spezialbiere für Liebhaber. Foto: Ingbert Ruschmann

Außerdem gehörten feinste Abstimmungen und Regulierungen, die umfangreiche Rohstoffkenntnisse mit all ihren geschmacklichen Ausprägungen erfordern, regelmäßig zu dem variantenreichen Aufgabenkatalog des Brauers, dessen Faszination von der Arbeit mit Naturprodukten ungebrochen ist.

Nischenprodukte werfen Gewinne ab

„Das sind aber immer zeitlich begrenzte Projekte“, sagt Prammer mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit seiner Spezialbiere. Als „Limited Edition“ mit einer Menge von etwa 2.000 Liter je Geschmacksrichtung werfen die Nischenprodukte durchaus Gewinne ab, ein gleichzeitiges Vorhalten von 30 oder mehr Spezialkreationen sei für eine Spezialbierbrauerei wegen der begrenzten Absatzmenge aber unrentabel, ergänzt er.

Als „durchaus lebhaft“ bezeichnet Prammer seine berufliche Vita: Nach seiner Ausbildung als Brauer und Mälzer bei einer Karlsruher Brauerei stieg er bei einem Kappelrodecker Unternehmen für Edelbranntweine ein.

Prammer absolvierte Meisterschule in München

Nach einem halben Jahr wagte er den Schritt in die Alpenrepublik, wo er in Interlaken, in der französischen Schweiz, in Fischingen und im Engadin Nahe der italienischen Grenze Erfahrungen in der Braukunst sammelte. Dazwischen absolvierte er in München erfolgreich die Meisterschule.

Aktuell frühere Fußballer des SV Weitenung und heute aktive Kampfsportler sehr wohl inmitten der Brauanlagen seiner „Stiär Biär“ Brauerei. Ganz besonders schätzt Prammer das hohe Maß an Selbständigkeit, das ihm die Geschäftsleitung im operativen Geschäft zubilligt: „Ich bin allein für die Produktion zuständig, da habe ich freie Hand“, freut er sich.

An eine Rückkehr nach Deutschland verschwendet er derzeit keine Gedanken. Wegen der Marktverhältnisse und des Reinheitsgebots sieht er sich in seiner künstlerischen Freiheit doch zu sehr eingeschränkt. „Ich mach‘ halt gerne was nicht Alltägliches, was Ungewöhnliches“, erklärt er augenzwinkernd.

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