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YouTuber

Zehn Dinge, die der Bühler Lehrer Bob Blume an der Schule hasst

Lehrer und Youtuber Bob Blume provoziert mit dem Titel seines Buchs über Schule. Aber vor allem will er das Schulsystem für alle verbessern.

Bob Blume mit seinem neuen Buch, in dem er heftige Kritik am deutschen Bildungssystem übt. Foto: Katrin König-Derki

Das Buch „10 Dinge, die ich an der Schule hasse“ des Bühler Oberstudienrats Bob Blume erscheint am 9. Mai. Und schon jetzt weckt es denkbar große Erwartungen beim Verlag Random House.

Gewiss, der Titel ist reine Provokation, spricht von Wut und Frust. Und doch: Schon der Nachsatz „Und wie wir sie ändern können“ deutet an, dass es Blume nicht um blinde Hetze gegen ein Bildungssystem geht, das den Anschluss verloren hat – pädagogisch wie digital –, in bürokratischen Strukturen feststeckt und Schülern Wissen eher eintrichtert als ihnen Freude am Lernen vermittelt.

Bei der Lektüre kristallisiert sich vielmehr heraus, dass er Unterrichten liebt: Aus dieser Emotion heraus schrieb er das Buch. Es ist ein ehrlicher, bewegender Aufschrei, der eine Debatte anstoßen soll: Was gilt es zu ändern und wie? Und die Pandemie hat offenbart: Dafür ist es höchste Zeit.

Blume ist Lehrer durch und durch. Doch als Germanist liegen ihm zugleich die Reflexion, das Schreiben, die Diskussion. Neben seiner Tätigkeit am Windeck-Gymnasium hat er sich über die sozialen Medien einen Ruf als „Netzlehrer“ und Bildungsinfluencer erarbeitet.

Häufig schon war er zu Gast bei Radio- und TV-Sendern, um über Schulthemen zu sprechen. In seinem Buch hat er jetzt vieles, was ihn längst, aber seit der Pandemie noch verstärkt umtreibt, zusammengefasst.

Bob Blume ist als Youtuber zum Blogger des Jahres geworden. Foto: Chris Marxen, Headshots-Berlin.de

Die Corona-Pandemie hat aus Sicht von Bob Blume viele Schwächen des Bildungssystems offengelegt

Doch wie kam er, eingespannt genug, überhaupt auf die Idee? Nun – nicht er kam darauf, sondern die Agentur. „Sie wandte sich 2019 auf Empfehlung eines prämierten Lehrers an mich. Er sollte ein Buch schreiben, befand aber, ich könne das besser.“ Die Agentur schaute sich einige von Blumes Blogs an – und war begeistert.

„Erst habe ich die Anfrage abgetan. Doch bald dämmerte mir, welches Potenzial darin steckte. Diese Agentur betreut etwa Nele Neuhaus! Ich fragte nach, ob es ein Sachbuch zum Thema Bildung sein könne. Das wurde abgelehnt, wir einigten uns auf einen heiteren Roman über den Lehreralltag. Dann kam Corona.“

Buch erscheint am 9. Mai

10 Dinge, die ich an der Schule hasse“ erschien im Mosaik Verlag (Verlagsgruppe Penguin Random House) und ist ab 9. Mai auch im örtlichen Buchhandel erhältlich.

Eine Online-Autorenlesung findet am 13. Mai auf der Plattform Schulflix statt.

Anmeldungen per Email an katharina.skowronek@schuflix.com

Die Pandemie, sagt er, habe wie eine Lupe zum Vorschein gebracht, wie groß die Defizite im deutschen Bildungssystem seien. Und wie groß die Wut vieler. „So rückte das Thema ins Interesse der Medien und der Öffentlichkeit.“

Plötzlich war das Sachbuch möglich. „Ich habe Leseproben geschrieben, der Agentin fehlte aber eine klare Richtung. Irgendwann wollte ich aufgeben und sagte: Dann schreibe ich halt über die zehn Dinge, die ich an der Schule hasse. Sie war begeistert!“

Wie von selbst habe Blume daraufhin die gravierendsten Probleme niedergeschrieben, einhergehend mit Lösungsimpulsen. Die schlagwortartigen zehn Dinge, zugleich Titel der Kapitel, lassen erahnen, welch radikalen Umbruch er fordert: „Der Stoff steht über allem“, „Schlechte Lehrer haben es zu leicht“ oder „Die Digitalisierung wird nicht verstanden“, heißt es da etwa.

Bob Blume will mit seinem Buch die Schule für Schüler besser machen

Er wolle erreichen, betont er, dass sich Kultusministerien, Lehrer, aber auch Eltern und Schüler gemeinsam aufmachten, um den überfälligen Wandel herbeizuführen. Die alternativen Sichtweisen auf Bildung und Schule, die er im Buch aufzeigt und die „schon längst existieren“, sollen bei diesem Prozess eine Hilfe sein.

Das Buch habe ihm wahnsinnig Spaß gemacht, resümiert er. Gerne würde er – je nach Erfolg – auch „nahtlos anknüpfen“. Zumindest sein Verlag zweifelt an diesem Erfolg nicht. Priorität hat aber für Blume weiterhin das Unterrichten. Denn um die Schüler geht es ihm ja primär.

„Schule sollte ihnen die Möglichkeit geben, ihre Potenziale kennenzulernen, diese zu entfalten und so als interessierte und kritische Mitglieder der Gesellschaft Freude am weiteren Lernen zu entwickeln“, schreibt er an einer Stelle. Und das ist wohl die Quintessenz aller zehn Kapitel.

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