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Erster Bühler Klimaschutzpreis

Stadt Bühl würdigt drei Herzensprojekte mit dem Klimaschutzpreis

Premiere für den Bühler Klimaschutzpreis: Im Bürgerhaus Neuer Markt wurden die Sieger ausgezeichnet. Aber um was geht es da genau? Und was treibt die Macher an?

Klimaschutzpreis-Verleihung: Bürgermeister Wolfgang Jokers, Rudolf und Andrea Schübert, Frank und Sonja Fröhlich mit Tochter, Klimamanager Martin Andreas, Elke Gottschall, Renate Ibach, Claudia Schilfarth und OB Hubert Schnurr (von links). Foto: Bernhard Margull

Man merkt es Elke Gottschall an: Der Wildkräutergarten in Eisental, der sich unter Regie des Heimatvereins zum wahren Naturkleinod entwickelt hat, ist für sie ein Herzensprojekt.

Einst ein vernachlässigtes Areal im Bereich Betschgraben mit mageren 26 Pflanzenarten. Inzwischen grünt und blüht eine gewaltige Vielfalt von 221 Gewächsen, um die sich mit Elke Gottschall und ihrer Schwester Ingrid Krauth an der Spitze ein fleißiges „Grüner-Daumen-Team“, bestehend aus Werner Krauth, Renate Ibach, Claudia Schilfarth, Monika Gering, Ursula Zink-Ohnemus und Bernhard Scholz so fachkundig wie liebevoll kümmert.

Am Mittwochabend gab es für das Herzensprojekt nun den Klimaschutzpreis der Stadt Bühl, den ersten überhaupt, den die Kommune auslobte.

„Ich freue mich über die rege Teilnahme“, konstatierte Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW), der Klimamanager Martin Andreas, die Auszeichnungen im Bürgerhaus Neuer Markt übergab. Der Zeitpunkt der Preisverleihung im Vorfeld der Gemeinderatssitzung sorgte später bei den Bürgervertretern für Diskussionen.

Wir träumen von einem Grünen Klassenzimmer.
Elke Gottschall, Klimaschutz-Preisträgerin

Beate Gässler (GAL) sagte, es sei vergleichsweise schlecht terminiert gewesen, zwischen rein- und rauslaufenden Gemeinderäten. Das Tischklopfen der Ratsrunde zeigte, dass sie mit ihrer Meinung nicht alleine stand.

Sieben Projekte eingereicht

Sieben Projekte standen zur Bewertung, 407 Bürger hatten ihre Stimme abgegeben. Der Wildkräutergarten in Eisental erhielt dabei den Publikumspreis, der Zuspruch aus der Bevölkerung ist mit 173 Stimmen deutlich.

Die 2.500 Euro Preisgeld kann das ambitionierte Gärtnerteam gut gebrauchen, denn es gibt noch viele Ideen für diese Naturoase. „Wir träumen zum Beispiel von einem Grünen Klassenzimmer“, verriet Elke Gottschall, aber das ist noch Zukunftsmusik. Konkretere Formen hat bereits ein anderes Projekt angenommen – es soll einen neuen Teich geben.

Doch die Eisentaler waren nicht die einzigen, die als Protagonisten zur Klimaschutzpreis-Premiere ins Bürgerhaus Neuer Markt eingeladen waren. Denn neben dem Publikumspreis gab es einen ersten und einen zweiten Platz für zwei weitere Herzensprojekte.

Über Gold und 2.500 Euro Preisgeld darf sich Clara Schübert aus Vimbuch freuen. Die Studentin richtete auf dem elterlichen Grundstück an der Vimbucher Straße ein Tauschregal mit dem Motto „Nimms und Brings“ ein. Von Büchern über Kleidung bis zu Haushaltsartikeln und anderem mehr kann jeder etwas bringen und natürlich mitnehmen.

Erster Platz für Tauschregal

Es sei nicht nur eine aktive Abfallvermeidung, ebenso überzeugte die Jury des Klimabeirats die Vorbildfunktion und die Öffentlichkeitswirkung. Stellvertretend für die studierende Tochter nahmen die Eltern Andrea und Rudolf Schübert den Preis entgegen. Sie empfanden es als „super Werbung“.

Das Regal hat ein festes Format – sechs Quadratmeter – und daran soll sich auch nichts ändern, berichtet das Ehepaar Schübert. Derzeit sei die Einrichtung gut gefüllt. Deshalb sollten sich die Bürger mit der Anlieferung zurückhalten, vor allem Abholer sind nun gefragt. Vandalismus gab es auch schon, „das Regal wurde schon mal angezündet“, berichten die Schüberts.

Aber dank guter Nachbarschaft konnte Schlimmeres verhindert werden. Längst gibt es eine eingeschworene Gemeinschaft, die ein waches Auge auf den Tauschplatz hat.

Beim Permakulturparadies Schlaraffental ist der Name Programm. Familie Fröhlich aus Affental verwandelt seit 2010 ein 6.000 Quadratmeter großes Rebgrundstück in Steillage in einen artenreichen Waldgarten. Der Jury des Klimabeirats würdigte den Modellcharakter und den Umfang, mit im Schlaraffenland Klimaschutz betrieben werde.

Was alle preisgekrönten Projekte auszeichnet, ist der Wille der Initiatoren, etwas in Sachen Nachhaltigkeit sowie Klima- und Naturschutz zu bewegen. Dass das nicht einfach so mit Jux und Dollerei funktioniert, davon können auch Sonja und Frank Fröhlich berichten, die für das Schlaraffenland 2020 bereits den Landesnaturschutzpreis bekamen.

Schlaraffental – der Name ist Programm

Frank Fröhlich stammt aus einer Winzerfamilie. Doch den klassischen Weinbau mit Spritzmitteln wollte er auf dem Grundstück am Haus aus ökologischen Gründen nicht mehr mittragen. Und so reifte die Idee, mit dem Permakulturparadies etwas völlig Neues zu wagen.

Seit zehn Jahren sind die Fröhlichs inzwischen dran, dem Projekt ging eine intensive Recherche voraus, berichtet Frank Fröhlich. Die Schwierigkeit war dabei nicht nur die Steillage, sondern vor allem die extremen klimatischen Einwirkungen. Inzwischen ist es ein – wie der Name treffend sagt – Schlaraffental, in dem eigentlich das ganze Jahr etwas Leckeres geerntet werden kann.

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