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Straßen sind geziert

Bühl sieht auch ohne Fastnacht närrisch aus

Trotz alledem: Auch wenn die Fastnacht nicht gefeiert werden kann, soll in den Bühler Straßen doch zu erkennen sein, dass die närrische Zeit gekommen ist.

Vom Rathausbalkon grüßt die Hexe: Auch wenn es nicht möglich war, die Bühler Fastnachtseröffnung zu feiern, verpassten Vereine und Zünfte der Stadt doch wieder ihr närrisches Gewand. Foto: Foto: Bernhard Margull

Es dunkelte schon, als der Baum kerzengerade auf dem Kirchplatz stand und mit den Tafeln der Bühler Narrenvereine seine Botschaft in die Stadt schickte: Sie mag nicht gefeiert werden können wie sonst, aber sie ist da, die Fastnachtszeit. Es braucht jetzt ein bisschen Konjunktiv: Am Samstag hätte die Bühler Fastnachtskampagne eröffnet werden und dem Oberbürgermeister die Rathausschlüssel abgenommen werden können, wäre da nicht die Corona-Pandemie und ihre nahezu alle Lebensbereiche umfassenden Folgen.

Die Stadt aber gewohnt närrisch einzukleiden, das schien den Fastnachtsvereinen ein Muss gewesen zu sein: „In einer Stadt, in der schon seit Jahrhunderten Fastnacht gefeiert wird, geht das gar nicht anders“, sagt Gernot Baumann, der Zunftmeister der Bühler Hexen.

Der Narrenbaum ist eine von den Hexen gesteuerte Gemeinschaftsaktion der Vereine, auch wenn in Corona-Zeiten aus einem Ritual ein mehr oder weniger einfacher technischer (Kraft-)Akt wurde. Seit rund vier Jahrzehnten werde er gestellt, berichtet Baumann. Vor wenigen Jahren ist der Baum „umgezogen“, bis zur Umgestaltung des Kirch- und Markplatzes war die Heimat der Marktplatz, nun ist es der Kirchplatz.

Narrenbaum auch 2021 ein Muss

Ein anderes Detail habe sich schon sehr viel früher geändert, sagt Baumann: „In den ersten Jahren wurde der Narrenbaum am Tag des Sternmarschs der Hexen aufgestellt, also am Tag vor dem Schmutzigen Donnerstag. Das wurde dann auf den Tag der Bühler Fastnachtseröffnung verlegt.“

Der Baum wird das Jahr über im Bauhof eingelagert, Baumann schätzt die aktuelle Ausgabe auf die dritte oder vierte Baumgeneration. Die meisten Vereinsschilder würden abgeholt, einige wenige blieben vor Ort. Wenn dann die Fastnachtstage wieder an die Tür klopfen, schreiben die Hexen die anderen Vereine an, die dann ihre Schilder bringen.

Es sei für die Bühler Narrenvereine auch gar keine Frage gewesen, den Baum auch unter den aktuellen Bedingungen aufrichten zu wollen. In der virtuellen Vorständegruppe sei das sofort mitgetragen worden. Allerdings waren Auflagen vonseiten des städtischen Ordnungsamts einzuhalten: „So genau waren die Auflagen vorher noch nie“, sagt Baumann.

Ein paar einsame Fastnachter waren am späten Samstagnachmittag auch Augenzeuge auf dem Kirchplatz, wie die beauftragte Firma mit einem Kranwagen den Baum aufrichtete (den Rathausschlüssel hatte die Narrhalla bereits zwei Tage vorher an sich gebracht).

Hexe hat wieder den Rathausbalkon erobert

Zuvor schon waren über die Hauptstraße die altbekannten Wäscheleinen gezogen. Auch hier waren die in der am Vortag eingegangenen „Sondernutzungserlaubnis“ des Ordnungsamts aufgelisteten Bedingungen einzuhalten. Die Erlaubnis sei bis zum 22. Februar befristet, spätestens am Samstag, 20. Februar, würde dem Stadtbild das närrische Gewand aber bereits wieder abgenommen, kündigt Baumann an.

Dazu zählt auch die Hexenfigur, die wieder den Rathausbalkon erobert hat. Auch aus etlichen Schaufenstern des Bühler Einzelhandels grüßen närrische Gestalten. Das gebe den Vereinen die Möglichkeit, sich auch ohne Veranstaltungen präsentieren zu können, sagt Baumann, dessen Zunft beispielsweise im Schaufenster des Kaufhauses Peters vertreten ist. „Das ist eine Aktion, die sich verselbstständigt hat“, freut sich der Zunftmeister der Bühler Hexen über die Chance, närrische Lebenszeichen auszusenden: „Die Leute müssen wissen, dass Fastnachtszeit ist.“

So genau waren die Auflagen vorher noch nie.
Gernot Baumann Zunftmeister der Bühler Hexen

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